Maria Bumann ist eine Spätzünderin. Mit 85 Jahren kandidiert sie erstmals für den Nationalrat. Das Problem: Sie tut es nicht freiwillig. «Ich bin ganz überrascht», sagt sie, als sie von der bz mit ihrer Kandidatur für die rechtsextreme Volksaktion gegen zu viele Ausländerinnen und Ausländer in unserer Heimat (VA) konfrontiert wird.

Neben dem Parteipräsidenten Eric Weber wird sie auf der Liste gleich zweimal aufgeführt. Bumann sagt, sie habe Weber gegenüber vor knapp zwei Jahren nur das Interesse signalisiert, aber keine definitive Zusage gegeben. Dann sei sie herzkrank geworden, ein Herzschrittmacher wurde ihr implantiert. Vor einem Jahr sagte sie Weber: «So gern ich mitmachen würde. Es geht nicht aus gesundheitlichen Gründen.»

Das war vor einem Jahr; seither hätten sich Weber und Bumann nicht mehr gesehen. Die scheinbar unmissverständliche Botschaft war beim VA-Chef nicht angekommen. Als der Kanton Basel-Stadt am Montag die Listen der Nationalratskandidaten präsentierte, war der Name von Maria Bumann drauf. Doch für sie ist der Fall klar, sie wird nicht in den Wahlkampf ziehen: «Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, dann würde ich gerne mitmachen», sagt sie. Denn: Hinter der Botschaft Webers könne sie stehen. «Er wehrt sich für eine Schweiz, und das ist wichtig: Das Fass ist voll», sagt Bumann.

Geprägt habe sie in ihrer Ausländerfeindlichkeit die jüngste Vergangenheit. Bumann war Mieterin am Schorenweg 20 und will beobachtet haben, wie die Ausländer in ihrem Block den ganzen Tag rumhingen, nichts taten und trotzdem genügend Geld bekommen hätten, um sich «Tätowierungen am ganzen Körper zu leisten», wie sich Bumann ereifert. Die Botschaft der frustrierten Rentnerin: «Wir Schweizer haben ein zu grosses Herz. Deshalb werden wir nur ausgenutzt.»

Auch von der Linken ist sie beeindruckt

Maria Bumann steht nicht zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Im Frühling stellte sie sich den Fragen der Medien, als die Credit Suisse über 200 Mieterinnen und Mietern der Hochhäuser am Schorenweg die Kündigung aussprach. In einem Beitrag von «Telebasel» sagte sie, sie habe Angst, dass sie keine neue Wohnung finde.

An vorderster Front kämpfte damals Beat Leuthardt vom Basler Mieterverband für ihre Anliegen – ein betont linker Politiker, der bei Bumann zwar Eindruck hinterlassen habe für seinen Einsatz. Natürlich würden sich die Linken auch für die Ärmsten einsetzen, sagt Bumann, doch wichtig sei, dass Klartext gesprochen würde – und das habe sie eben bei Weber beeindruckt.

Unterschrift von Bumann wird untersucht

Gerne hätte die bz Eric Weber die Frage gestellt, wie Bumann auf seiner Liste gelandet sei. Doch der Rechtsextreme war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es wäre nicht das erste Mal, dass er bei der Zusammensetzung seiner Liste schummelt. Bei den Grossratswahlen 2016 drängte er eine Surprise-Verkäuferin dazu, sich für die VA aufstellen zu lassen. Eine Ausländerin notabene, die kaum Deutsch verstand und nicht wusste, worauf sie sich einliess. Zudem ist Weber ein verurteilter Wahlfälscher. 2012 hatte er eine Frau gedrängt, ein zweites Wahlcouvert zu beziehen und ihn zu wählen – 280 Stunden gemeinnützige Arbeit wurden ihm vom Appellationsgericht aufgebrummt.

Die Basler Staatskanzlei wird nun prüfen, wie die Kandidatur Bumanns zustande gekommen ist – unter anderem, ob die Unterschrift echt ist, mit der die Seniorin ihre Nationalratsambitionen kundgetan hatte.