Das bei der Heuwaage geplante Ozeanium verschieben und etwas drehen, ein Tramgleis weiter nach Nordwesten verlegen und die «Fastnachts-Wendeschlaufe» der Tramlinie 10 mit einem grösseren Radius bauen, damit das Ozeanium in ihr Platz hat: Dies sind Vorschläge des Baselbieter Referendumskomitees, welches das «teure und unnötige Projekt am Margarethenstich» verhindern will.

Mit diesen Ideen möchten die Gegner der geplanten Margarethenstich-Verbindung erreichen, dass man bei der Heuwaage mit einem Kurvenradius von 20 Meter das von Binningen kommende Gleis der Tramlinie 10 mit dem Gleis der Linie 16 in der Inneren Margarethenstrasse verbinden könnte.

Anstatt dass die Trams dereinst von der Station Dorenbach via Margarethenstich zum Bahnhof fahren, sollen sie also erst bei der Heuwaage abzweigen. Nachdem sie die Steigung durch die Innere Margarethen bewältigt haben, sollen sie auf der Markthallenkreuzung über noch zu bauende Gleise nach links zum Bahnhof abbiegen.

Technisch möglich ...

Da plant ein Baselbieter Komitee eine Variante, die vom Kanton Basel-Stadt realisiert und bezahlt werden müsste. Abgesehen von dieser politischen Hürde kommentiert Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität: «Technisch wäre ein solcher Gleisbogen wahrscheinlich machbar. Diese Variante würde aber die künftige Platzgestaltung stark erschweren, weil man neue Haltestellen bauen müsste.»

Hinzu kämen neue Probleme beim Markthallenknoten. So müsste man auch bei der Markthalle eine neue Haltestelle für das 17er-Tram bauen. Dieses würde dort den anderen Trams «im Weg stehen, die je nachdem dann wieder den motorisierten Verkehr blockieren würden: Dann wären auch die Fahrgäste anderer Tram- und Buslinien, aber auch Velofahrer und Automobilisten negativ betroffen.»

Groff berichtet, dass die Variante «Innere Margarethen», die nicht wesentlich schneller als die heutige Linienführung via Aeschenplatz wäre, 2014 in der baselstädtischen Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission diskutiert und verworfen wurde, «vor allem weil sie auch betriebstechnisch heikel wäre». Allerdings wurde damals nicht ausgeschlossen, dass für Ausnahme-Situationen ein Bau des Heuwaage-Gleisbogens doch möglich wäre.

... aber betriebsmässig «ein Murks»

Wie Groff betont auch BLT-Geschäftsführer Andreas Büttiker die Betriebs-Vorteile der Variante Margarethenstich: «Die fünf Minuten Zeitgewinn für den Weg zum Bahnhof sind nicht das Haupt-Argument. Es geht um umsteigefreie Direktbeziehungen zu den grossen Arbeitsplatzzentren in der Stadt und attraktive Umsteigemöglichkeiten, etwa auf den Bus 36.»

Morgartenring, Dreispitz, Gundeli-Quartier und St. Jakob seien damit aus dem Leimental per öV schneller erreichbar. «Der Margarethenstich hat den deutlich höheren Kundennutzen. Die Variante ‹Innere Margarethen› wäre in der Stadt politisch nicht durchsetzbar und ist betriebstechnisch ‹ein Murks›.» Sein Fazit: «Der Vorschlag ist ein Schnellschuss, eine Scheinlösung, die primär dazu dienen soll, die Verbindung via Margarethenstich zu verhindern.»

Basel-Stadt will Margarethenstich

Das Gespräch mit Roger Moll und Paul Bossert vom Referendumskomitee zeigt: Sie argumentieren mit den befürchteten Nachteilen des Margarethenstichs: Verkehrsprobleme bei der Abzweigung Dorenbach und oben am Dorenbach-Knoten. Moll meint, dort würde ein Stau bis zum Neuweilerplatz entstehen, der dann das Tram 6 nach Allschwil behindere. «Dies ist eine unhaltbare Behauptung», sagt Büttiker. Unabhängige Verkehrsplaner hätten den Sachverhalt im Detail analysiert und nachgewiesen, dass mit keinen wesentlichen Beeinträchtigungen zu rechnen sei.

Die Landräte Oskar Kämpfer und Hanspeter Weibel (beide SVP), die sich im Landrat gegen den 14-Millionen-Kredit für den Margarethenstich ausgesprochen hatten, sind dem Referendumskomitee noch nicht beigetreten. «Die Mehrheit meiner Fraktion hat sich für den Margarethenstich ausgesprochen, da will ich als Parteipräsident nicht in einem Gegenkomitee auftreten», erklärt Kämpfer.

Anders tönt es aus der Stadt: «Wir freuen uns sehr darauf, das Projekt nach jahrelanger Planung gemeinsam mit Baselland zu realisieren», sagt Groff.