Sommerloch
Regen vertreibt Baslern den Durst: Beizer mit deutlich weniger Umsatz

Die Jahreszeiten scheinen sich in diesem Jahr zu sputen: Im Frühling war es schon hochsommerlich, und jetzt, wenn die Hitzerekorde purzeln sollten, ist schon wieder Herbst.

Leif Simonsen
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Sommerloch: Basler Beizer machen bis zu 50 Prozent weniger Umsatz als im letzten Jahr
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Chill am Rhy
Rhyschaenzlibuvette Kaserne
Rhyschaenzlibuvette Kaserne
Floss

Sommerloch: Basler Beizer machen bis zu 50 Prozent weniger Umsatz als im letzten Jahr

Martin Töngi

«Wir bekommen das schlechte Wetter stark zu spüren», sagt Daniel Graber, Organisator des Chill am Rhy. Wie gross das Loch in der diesjährigen Kasse sein wird, darüber kann auch er nur spekulieren. Die letztjährige Marke von 60 000 Gästen wird aber mit Bestimmtheit unerreicht bleiben.

Immerhin kann Graber auf eine Stammkundschaft zählen, die das Chill am Rhy in seinem achtjährigen Bestehen aufgebaut hat. Besonders unter den Ausländern und Touristen hat sich das «Chill» einen Namen erarbeitet. «Eine erstmals durchgeführte Befragung hat uns sogar gezeigt: Es gibt viele, die wegen uns gar aus dem Ausland anreisen», sagt Graber.

Die bekannteren Institutionen und Veranstaltungen scheinen der Kälte zu trotzen. Tino Krattigers «Im Fluss»-Konzertreihe kann sich ebenso auf eine treue Fanschar verlassen («Sie sitzen in Pelerinen da und harren aus») wie die das Orange Cinema auf dem Münsterplatz. Orange-Cinema-Sprecher Daniel Frischknecht spricht vom «tapferen» Publikum: Trotz schlechten Wetters seien die ersten sechs Vorstellungen gut besucht gewesen, die ersten beiden sogar ausverkauft.

Buvette verliert 50 Prozent

Schlechter geht es den Nischenangeboten. Daniel Graber weiss von zwei Beizern, die, wie er sagt, «nicht wissen, wie weiter» und im nächsten Jahr wahrscheinlich dichtmachen müssen.
Dana Poeschel verspricht zwar, die Dreirosenbuvette weiterzuführen. Ihr sind die Umsätze aber um rund 50 Prozent eingebrochen. Zwar konnte sie von einem guten Mai profitieren - allerdings sei ein sonniger Juli mit warmen Abenden viel wichtiger.

Gerade mit dem Anspruch, möglichst regelmässig geöffnet zu haben, schlage ein derart nasser Sommer zu Buche. «Auf der einen Seite fehlen dann die Einnahmen, auf der anderen Seite bleiben die Personalkosten fast unverändert.» Aber weil sie den Betrieb nicht wegen des Profits führe, «braucht es noch ein paar solcher Sommer, bevor ich aufgebe», sagt Poeschel mit einem Lachen.

Teure Schlechtwetterversicherung

Auch bei der Kasernenbuvette ist die Champagnerstimmung verflogen, nachdem sich das Restaurant Rhyschänzli in diesem Jahr gegen den langjährigen Pächter, die Parterre AG, durchgesetzt hat. Denn das erste von fünf Pachtjahren wird wohl mit einer Enttäuschung enden. Oliver Gasser vom Restaurant Rhyschänzli sagt zwar: «Wir können keinen Vergleich machen, weil wir die Kasernenbuvette in diesem Jahr zum ersten Mal führen.» Die Erwartungen werden aber auch hier um rund 50 Prozent verfehlt. «Oft machten wir gar nicht erst auf. Wenn es wie in diesem Sommer so oft Bindfäden regnet, macht es sowieso keinen Sinn», sagt Gasser.

Ebenfalls zu den grossen Verlierern des nasskalten Wetters gehört Lucio De Feo mit seinem Restaurant Pavillon im Schützemattpark. «Wir sind hier mitten im Park - und die Menschen kommen nun mal nur hierher, wenn es schön ist.» Der miese Sommer, schätzt De Feo, hat ihm den Umsatz «um mindestens 20 Prozent» geschröpft.

Sich vor dem schlechten Wetter zu versichern, ist möglich, aber teuer. Daniel Graber schätzt, dass ein Betrieb wie das Chill am Rhy für ein so genanntes Schlechtwetterzertifikat rund 150000 Franken bezahlen müsste: «Und dann lasse ich es lieber gleich ganz bleiben», findet er.