Der Widerstand hat sich gelohnt: Rund 10'000 Unterschriften waren vergangenes Jahr für die Petition «Keine Leinenpflicht für Hunde entlang der Wiese in den Langen Erlen» zusammengekommen. Bereits die Petitionskommission des Grossen Rats hatte wenig Sympathie für einen Leinenzwang gezeigt. Nun stellt auch die Basler Regierung klar: Sie will darauf verzichten.

Zwar weist der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Petition auf die Bedeutung der Langen Erlen insbesondere für Wild, aber auch für die Trinkwassergewinnung, die Naherholung, die Natur und die Landwirtschaft hin. Doch: «Wir haben keine Fakten, die belegen, dass das Wild durch freilaufende Hunde besonders gefährdet wäre», betont Kantonstierarzt Michel Laszlo.

Vielmehr gebe es weitere mögliche Störfaktoren wie Jogger, Velofahrer oder laute Partys. «Im Fokus stehen aber vor allem die Hunde.» Das Problem könne aber nicht besonders gross sein. Immerhin nähmen die Wildbestände weiter zu. «Der gesunde Menschenverstand sagt uns daher, dass das Zusammenleben funktioniert», erklärt Laszlo.

Vor knapp einem Jahr hatte das Kantonsparlament auf Antrag des damaligen Grünen-Grossrats Michael Wüthrich beschlossen, dass sich Vierbeiner künftig während der Brut- und Setzzeit der Wildtiere von April bis Juni in den Langen Erlen nicht mehr frei bewegen dürfen. Weil in den umliegenden Kantonen eine Leinenpflicht herrsche, würden viele Hundebesitzer in die Langen Erlen ausweichen. Damit werde der Nutzungsdruck in einem sensiblen Gebiet weiter erhöht, befand eine Ratsmehrheit. Dabei gehe es nicht nur um den Schutz von Wildtieren wie Feldhasen oder Rehen, sondern auch um die Produktion von Trinkwasser.

Hintertürchen offen gelassen

Bereits gegenüber der Petitionskommission hatten die Behörden die Situation als nicht alarmierend beschrieben. So hatte die Polizei darauf hingewiesen, dass es zwischen Januar 2015 und September 2018 in Basel-Stadt zu insgesamt 56 Bissverletzungen gekommen ist, nur vier davon in den Langen Erlen. Auch Kantonstierarzt Laszlo bezeichnete eine allgemeine Leinenpflicht aus Tierschutzgründen als wenig sinnvoll, zumal der kleinräumige Stadtkanton für freilaufende Hunde kaum Ausweichflächen biete.

Dem Parlamentsbeschluss soll nun nicht nachgekommen werden. Die Regierung verweist aber gleichzeitig auf die drei Ranger, die kürzlich im Landschaftspark Wiese eine drei Jahre dauernde Pilotphase mit Sensibilisierungs-, Vermittlungs- und Umweltaufgaben gestartet haben. «Die Ranger sind unser erweitertes Auge», sagt Kantonstierarzt Michel Laszlo, «zudem dienen sie als Ansprechpartner bei allfälligen Fragen oder Problemen.»

Erkenntnisse aus dieser Pilotphase könnten Aufschluss darüber geben, ob in nachweislich sensiblen Teilgebieten der Langen Erlen dereinst vielleicht doch noch eine teilweise Leinenpflicht eingeführt und für Wildtiere spezielle Schutzzonen geschaffen werden müssen.