Kalte Wintertage
Regierung spricht eine Viertelmillion: Basler Hotels stellen Zimmer für einheimische Obdachlose zur Verfügung

Während Einheimische für rund 80 Franken pro Nacht ins Hotel dürfen, müssen osteuropäische Bettler in die Notschlafstelle. Dort liessen sich ungefähr 30 Männer unterbringen.

Leif Simonsen
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Die Basler Notschlafstelle wird den osteuropäischen Bettlern vorbehalten sein.

Die Basler Notschlafstelle wird den osteuropäischen Bettlern vorbehalten sein.

Kenneth Nars

In Basel soll in diesen kalten Wintertagen niemand erfrieren. Die Regierung spricht deshalb eine Viertelmillion Franken für die Unterbringung von einheimischen Obdachlosen in Hotels. Sie macht sich den Umstand zunutze, dass derzeit viele Hotels coronabedingt kaum belegt oder gar geschlossen sind. Gleichzeitig nächtigen bedeutend mehr Menschen draussen. Viele Bettler aus dem osteuropäischen Raum sind nach Basel gekommen, seit hier das Bettelverbot aufgehoben worden ist. Der Grosse Rat hat zwar beschlossen, das Verbot wieder einzuführen. Doch dieses wird frühestens im kommenden Sommer in Kraft treten.

80 Franken pro Nacht für das Hotelzimmer

Sozialamtsvorsteher Ruedi Illes sagt, dass die Obdachlosen aus Osteuropa trotz der anhaltend tiefen Temperaturen immer noch draussen schliefen. «Mit dem Beschluss will der Regierungsrat sicherstellen, dass niemand, der sich in unserem Kanton aufhält, draussen schlafen muss», sagt er auf Anfrage. Erfahrungen zeigten nun, dass die Unterbringung von osteuropäischen Bettlern am besten dann gelänge, wenn diese betreut seien und nicht mit anderen Gruppen gemischt würden. Am einfachsten sei daher, die Notschlafstelle an der Kleinbasler Alemannengasse komplett freizuräumen für die osteuropäischen Bettler – hier lassen sich rund dreissig Männer unterbringen.

Kommende Woche sollen im Zuge der Umquartierung die Basler Obdachlosen ihr Hotelzimmer beziehen dürfen. Dort können sie für maximal zwei Monate wohnen, falls sie «minimale Wohnkompetenz» mitbringen, wie Illes sagt. Aus Rücksicht auf die Hotels und um den Datenschutz der obdachlosen Menschen zu wahren, würden die Namen der Unterbringungsorte nicht bekanntgegeben. Die Basler Regierung rechnet mit rund 80 Franken pro Nacht Unterbringungskosten: Es dürfte sich um einfache Budgethotels handeln wie etwa im Frühling, als das Hotel du Commerce am Riehenring zeitweise für die Basler Obdachlosen zur Verfügung stand.

Osteuropäer müssen nicht Auswärtigentarif zahlen

Nicht alle gönnen den Obdachlosen das Upgrade. SVP-Grossrat Joël Thüring, dessen Vorstoss zur Wiedereinführung des Bettelverbots eine Mehrheit gefunden hat, regt sich darüber auf: «Ich finde das unfassbar dreist. Jetzt kann man Basel als Bettler-Eldorado anschreiben.» Er wolle unter keinen Umständen, dass jemand erfriere. «Doch die Bettler aus Osteuropa haben die Möglichkeit, nach Hause zu gehen.» Nun setze die Regierung ein Zeichen, dass sie nach Basel kommen sollten.

Tatsache ist, dass sie hier günstige Übernachtungsmöglichkeiten finden. Und sie werden in der Notschlafstelle nicht den Auswärtigentarif von 40 Franken bezahlen müssen. Gratis werde die Übernachtung aber auch nicht, sagt Illes. Der Tarif müsse noch festgelegt werden.