Herr Morin, was hat das OSZE-Ministertreffen für eine Bedeutung für Basel?

Guy Morin: Wir können Basel innerhalb der Schweiz als Kongressstandort positionieren. Wir haben ja diese Strategie, Basel bekannter zu machen, um internationale Kongresse zu holen. Für mich ist das aber ein Mitnahmeeffekt. Ebenso wichtig ist, dass Basel, und nicht nur Genf, in der Schweiz als Standort wahrgenommen wird, der sich für internationale und aussenpolitische Fragen interessiert. Gerade durch die Grenzlage und die Kooperation mit dem südbadischen Raum und dem Elsass haben wir diesbezüglich einen Mehrwert. Und schliesslich: Basel ist die Stadt des Friedens. Wir haben einen weitreichenden historischen Bezug. Nehmen sie Bürgermeister Wettstein beim Westfälischen Frieden, die Humanisten, den Zionisten-Kongress, den Friedenskongress von 1912.

Wie wird sich Basel als Stadt des Friedens zeigen?

Während des OSZE-Treffens wird es ein Begleitprogramm geben. Die Organisation Swisspeace organisiert im Auftrag des EDA eine NGO-Parallelkonferenz, die während der Woche des Ministerrats in Basel stattfinden wird. Komplementär dazu wollen wir während des ganzen OSZE-Vorsitzjahres der Schweiz in Basel weitere Veranstaltungen organisieren – dafür haben wir in unserem Budget 200 000 Franken eingestellt. Wir wollen explizit friedenspolitische Themen ansprechen. An der Ministerkonferenz sind immerhin 60 Aussenminister mit dem ganzen Staff da!

Es wird internationale Medienberichterstattung geben. Kann sich Basel dadurch vermarkten?

Sicher auch. Die internationalen Medien werden über die OSZE berichten und auch über Basel. Um unseren Standort zu vermarkten, haben wir ebenfalls Geld eingestellt.

Dann wärs ja schön, wenn ein weitreichender Entscheid gefällt würde. Dann würden später alle von der Basel-Konferenz reden wie vom Kyoto-Protokoll.

(lacht) Hoffen wirs! Da haben wir aber keinen Einfluss darauf.

Was laufen jetzt schon für Vorbereitungen?

Das ist ein Riesenevent. Der Bund hat eine Task-Force dafür eingesetzt. Auf kantonaler Ebene haben wir unter der Leitung der Staatsschreiberin Barbara Schüpbach eine Projektorganisation eingesetzt, die primär die Sicherheitsfragen und die Anliegen des Standortmarketings bearbeitet. BaselTourismus, das Congress Center, der Flughafen sind auch eingebunden: Alles muss aufeinander abgestimmt sein. Im Vordergrund steht die Sicherheit, für die unsere Kantonspolizei zuständig ist. Aber auch die Gastgeberrolle wollen wir optimal wahrnehmen. Dazu ein Beispiel: Der Bund organisiert ein Nachtessen für die Aussenminister und einen Abend-Event für die 1200 Delegierten. Die Veranstaltungsorte wollen wir vorschlagen, um so auch die Qualitäten unserer Stadt zu präsentieren.

Es wird ein riesiges Sicherheitsaufgebot geben. Bekommt man als Stadtbewohner überhaupt etwas mit von den Aussenministern?

Wohl nicht viel. Diese Aussenminister sind abgeschirmt. Aber es ist die Aufgabe der Parallelveranstaltungen zu verhindern, dass dieser Kongress einfach im Glaspalast stattfindet. Das ist mir und auch Aussenminister Didier Burkhalter ein grosses Anliegen. Es soll ein Austausch mit der Zivilgesellschaft stattfinden, und die Bevölkerung soll mitbekommen, was die wichtigen Themen sind.

Was wird ein Guy Morin mit einem John Kerry besprechen?

(lacht) Ich masse mir sicher nicht an, dass Herr Kerry Herrn Morin treffen will. Man muss bedenken: Diese Aussenminister werden knapp 24 Stunden hier sein. Es gibt den Kongress, den Fototermin, das Abendessen und dann sind die schon wieder weg.