Regio TV plus

Regierungsrätlicher Sukkurs für einen Nischenkanal

Thomas Weber, SVP Volkswirtschaftsdirektor: «Baselland verfolgt keine medienpolitischen Ziele.» (Archivbild)

Thomas Weber, SVP Volkswirtschaftsdirektor: «Baselland verfolgt keine medienpolitischen Ziele.» (Archivbild)

Der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber stellt sich als Maskottchen für Regio TV plus zur Verfügung.

Der Kanton Baselland, referiert Regierungsrat Thomas Weber (SVP), verfolge keine medienpolitischen Ziele. Eine solche würde eine Einmischung in die Unabhängigkeit der Medien bedeuten. Diese sei ihm aber wertvoll. Aber, ergänzt Weber: Als Volkswirtschaftsdirektor begrüsse er natürlich unternehmerisches Handeln. Vor allem, wenn dieses unabhängig von grossen Strukturen erfolge wie bei Regio TV plus.
Weber lobt den Lokalsender, der seit elf Jahren mit Baselbieter Gemeinde-Themen auf Sendung ist, in diesen Jahren allerdings nur bescheidene Fortschritte in Professionalität und Verbreitung gemacht hat. Er mache jedoch ein «authentisches Fernsehen, das zur Medienvielfalt beiträgt», sagt Weber. Für die Eloge an den Kleinsender ist der Baselbieter Magistrat extra in die Stadt gereist, wo Regio TV plus im Untergeschoss eines Wohnhauses ein Studio eingerichtet hat.

Anlass für den Besuch ist eine «Studie», die der Sender vorgelegt hat. Auf höchst unsicherer Datenbasis haben fünf Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz errechnet, dass der Sender wöchentlich von 41'000 Personen genutzt würde. Und dies obwohl eine Mehrheit der regionalen Bevölkerung keine Kenntnis davon hat, dass es ihn überhaupt gibt. 2000 Franken musste der Sender für die Expertise der fünftsemestrigen Studierenden aufwerfen. Eine ordentliche Erhebung der Zuschauerzahlen hätte nicht finanziert werden können, erklärt Sendeleiter Max Schwank.

«Macht weiter so...», sagte an der Präsentation der Zahlen alt Ständerat Claude Janiak (SP), der als zweiter Baselbieter Politpromi aus Binningen angeradelt kam. Janiak erinnerte an längst vergangenen Zeiten, als die regionalen Zeitungen noch jedes Votum eines Landrats in Spalten goss. So, als ob dies nicht nur dem Selbstwertgefühl des Politikers geschmeichelt, sondern tatsächlich einem Publikumsinteresse entsprochen hätte. Regio TV plus besetze mit der «extrem lokalen» Berichterstattung eine Nische, die kaum mehr bespielt würde, meint Janiak.

«Sachlich, frei und unabhängig» sei der Lokalsender, sagte Weber. Dies obwohl für die Sportübertragungen die Sportvereine selbst zuständig sind und die Gemeinden Auftraggeber sind, was über sie berichtet wird. Den Widerspruch zu erkennen, benötigte allerdings ein Mindestmass an medienpolitischem Interesse.

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Autor

Christian Mensch

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