Herr Brutschin, warum sollten die Steuerzahler den Beamten des Amts für Umwelt und Energie (AUE) eine Toilette mit Regenwasser-Spülung finanzieren?

Christoph Brutschin: Worum es grundsätzlich geht: Wir haben zwei Problemliegenschaften. Wir haben das aktuelle Gebäude des AUE an der Hochbergerstrasse. Diese Liegenschaft ist wohl das energetisch schlechteste Haus, das der Kanton besitzt. Ausgerechnet dort drin befindet sich das Amt für Umwelt und Energie. Dieses Haus bedarf unbestritten einer dringenden Sanierung. Dann haben wir eine zweite Problemliegenschaft am Fischmarkt, die abgerissen werden muss. Nun können wir zwei Probleme lösen, indem wir das AUE in die Innenstadt zügeln und an der Hochbergerstrasse Wohnungen bauen. Wir haben bei dieser Gelegenheit gesagt: Wir zeigen, was beim Bau an Energieeinsparung möglich ist.

Damit erwecken Sie den Vorwurf, es handle sich um einen Prestigebau.

Wir wollen zeigen, was wir können und ein energetisches Musterhaus schaffen.

Das ist die Definition von Prestige.

Nein, wir wollen sichtbar machen, was möglich ist. Sie haben das Beispiel mit den Toiletten angesprochen. Sie haben recht, das braucht es grundsätzlich nicht, wir könnten auch mit Öl und Gas einheizen und sagen: Umwelt, jänu (verwirft die Hände). Aber wir haben gesagt: Nein, das machen wir eben nicht. Es würde der erste Holz-Skelett-Bau über acht Stöcke in der Schweiz, mit Holz aus der Region, einem nachhaltigen Baustoff.

Aber …

Oder nehmen Sie die Fassade: Viele Leute würden sagen, eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach würde mehr hergeben, aber dieses ist zu klein. Und wann lässt sich dort Energie gewinnen? Über den Mittag, wo wir ohnehin schon zu viel Energie haben werden. Durch die Fassade hingegen lässt sich ganztägig Strom gewinnen. Wir verzichten auch auf eine Klima-Anlage, arbeiten mit einem Beschattungskonzept. Wir wollen auch Branchenverbänden aufzeigen, was möglich ist, wir wollen einen Beitrag leisten. Dieses Haus würde gegenüber dem jetzigen Bau
90 Prozent Energie einsparen.

… das aber, wie Sie sagen, das energie-ineffizienteste Haus des Kantons ist.

Das stimmt. Aber dennoch sind es 90 Prozent. Allein die finanzielle Einsparung bei den Kosten beliefe sich jährlich auf rund 50 000 Franken.

Sie wollen das AUE in die Innenstadt zügeln. Laufkundschaft haben Sie in diesem Amt aber wenig.

Wir empfangen aktuell etwa 4000 im Jahr, das sind etwa 25 pro Arbeitstag.

Das ist aber nicht viel im Vergleich mit anderen Departementen, oder?

Klar gibt es Dienststellen mit höherer Kundenfrequenz. Aber es ist dennoch ein Publikumsverkehr, der es rechtfertigt, ins Zentrum zu kommen. Wir wollen eine Empfangszone schaffen, auch die Bevölkerung besser über Umweltthemen informieren. Dann gibt es noch den Vorwurf wegen der Parkplätze. Die gibt es erstens auch in Kleinhüningen kaum und zweitens würde man dieses ohnehin schon stark belastete Quartier ein bisschen vom Verkehr befreien.

Generell ist ein Zahlensalat entstanden, insbesondere, was die Grösse und den Quadratmeter-Preis des geplanten Gebäudes anbelangt. Wie viel kostet nun der Quadratmeter?

Das Gebäude hat eine vermietbare Fläche von 16 000 Quadratmetern. Der Preis hängt nun von der erwarteten Bruttorendite ab. Wir gehen von jenen Zahlen aus, die uns Immobilien Basel-Stadt voraussagt. Dann landen Sie bei einem Preis, der nicht ganz günstig ist. Es ist aber nicht so teuer, wie die Gegner behaupten. Wir werden uns zwischen 350 und 450 Franken pro Quadratmeter bewegen, je nach verwendetem Renditesatz. Der Preis ist hoch, aber angemessen.

Pro Mitarbeiter wird es etwa 15 Quadratmeter geben. Das ist grosszügig, oder nicht?

Finden Sie? Sitzungszimmer, Toiletten, Gang, alles inbegriffen? Am jetzigen Standort haben wir 23,5 Quadratmeter und fast nur Einzelbüros. Eine klare Reduktion. Die Gegner der Vorlage sprechen von «schmucken Zweier-Büros». Ich zeige Ihnen hier den Plan (hält ihn hoch): Es gibt kein einziges Zweierbüro. Es wird oft behauptet, es gäbe viele leere Büros in Basel. Richtig ist das Gegenteil, wir haben die tiefste Angebotsquote an Büroräumlichkeiten aller Schweizer Grossstädte.

Sie haben bereits gesagt, das Gebäude werde teuer. 20 Millionen Franken sollen es sein.

Da ist ja auch der Landpreis inbegriffen, von dem behauptet wird, es seien vier Millionen Franken.

Sind es keine vier Millionen?

Ich weiss es nicht. Handänderungspreise werden nicht veröffentlicht, zum Schutz der anderen Partei. Der Bau alleine kostet keine 16 Millionen Franken, das Land gehört eh schon uns.

In einem Artikel der bz von 2013 war noch die Rede von 11 Millionen.

Das war eine dieser Vorprojekt-plus-minus-Schätzungen. Schwieriger finde ich, dass jetzt auch die Möblierung in diese Anlagekosten mitgerechnet wird. Sie rechnen ja auch nicht die Möbel beim Mietpreis Ihrer Wohnung hinzu.

Aber Sie kaufen ja auch neue Möblierung.

Ja schon, aber in der Öffentlichkeit wird es so dargestellt, als sei dies Teil der Liegenschaft. Genauso mit der archäologischen Bodenforschung, die wir bezahlen müssen. Dies müsste auch bei einem Privaten geleistet werden, das hat mit dem Projekt überhaupt nichts zu tun.

Über wie viel Geld stimmen wir denn ab?

Netto-Baukosten wären es etwa 14,4 Millionen Franken. Wenn wir auf die Photovoltaik-Anlage und andere Energie-Massnahmen verzichten würden, wären es etwa zwei oder drei Millionen weniger, der Rest bliebe gleich. Für das neue Haus brauchen wir übrigens keinen Strom mehr – wir speisen mit der Anlage sogar noch ins Netz ein.

Und was ist, wenn der Spiegelhof-Neubau kommt und es mehr Schatten gibt?

Es kann sein, dass das einen kleinen Verlust geben könnte. Der Ertrag wird aber immer noch hoch genug sein.

An der Hochbergerstrasse soll bezahlbarer Wohnraum entstehen – in einem Neubau. Ist das nicht illusorisch?

Ich gehe auch davon aus, dass das Gebäude dort abgerissen werden muss. Dort sollen Wohnungen hin, an attraktiver Lage aber ohne grossen Schnickschnack. Das wäre an der Schifflände nicht möglich, dafür sind die Beschattung und der Lärm zu gross.

Sie sind auch Vorsteher des Amts für Wirtschaft. Würden lokale Handwerker diesen Auftrag kriegen?

Das werden wir sehen, es gibt eine Ausschreibung. Klar stehen lokale Unternehmen in der Poleposition. Das wird Arbeit geben und auch eine Leistungsschau für das lokale Gewerbe. Es ist etwas teurer, aber man muss es auch in Relation des Gesamtbudgets betrachten.

Aber sagen das aktuell nicht alle, bei der gegenwärtigen Finanzlage? Damit öffnen Sie doch Tür und Tor all jenen, die etwas vom Kanton wollen.

Nein. Die finanzielle Situation ist einfach so, dass man ein solches Projekt mit doppelt gutem Gewissen in Angriff nehmen kann.

Dem landschaftlichen Nachbarkanton würden Sie zu einer solchen Investition nicht raten.

Doch. Aber ich würde die Argumente der Gegner dort besser verstehen als bei uns.