Schwerpunktfächer
Regierungsrat Eymann stoppt den Wettbewerb der Gymnasien

Der Entscheid von Erziehungsdirektor Christoph Eymann steht: Der Schwerpunkt «Philosophie, Psychologie und Pädagogik» (PPP) wird abgeschafft. Damit verliert das Gymnasium am Münsterplatz ein erfolgreiches Fach und die anderen Gymnasien bekommen es gar nicht erst.

Nicolas Drechsler
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Schüler-Demo gestern vor dem Erziehungsdepartement. Kaufmann

Schüler-Demo gestern vor dem Erziehungsdepartement. Kaufmann

«Nächstes Jahr könne nochmals Schüler mit PPP beginnen und werden dieses bis zur Matur haben.» Von einer sofortigen Abschaffung könne also nicht die Rede sein. Zudem will Eymann die IB-Bewilligung an das Gymnasium Bäumlihof aufheben. Dieses darf also die internationale Matur, das «International Baccalaureate» (IB) doch nicht anbieten. Das IB bleibt dem Gymnasium Münsterplatz vorbehalten.

Heftiger Protest von Schülern

Eymann hatte gestern zu einer kurzfristig angesetzten Medienkonferenz geladen, nachdem von Schülern und Lehrern des hauptbetroffenen Gymnasiums Münsterplatz massiver Protest laut geworden war. Und so mussten sich die Medienschaffenden denn auch ihren Weg durch eine Traube demonstrierender Schüler bahnen. Der Grund für die Abschaffung von PPP ist Eymanns Sorge um die übrigen Gymnasien. «Wir hatten Bedenken, weil die Schülerzahlen an den übrigen Gymnasien regelrecht weggeschmolzen sind.»

PPP und IB wurden eingeführt, weil dem Gymnasium am Münsterplatz die Schüler wegblieben. Danach kam die Trendwende: Innerhalb von fünf Jahren stieg die Schülerzahl am Münsterplatz um 71 Prozent an. Dieser Wettbewerb zwischen den Schulen wurde nun durch Eymanns Intervention abgebrochen. «Das war kein besonders liberaler Entscheid von mir, aber ein notwendiger», so der LDP-Regierungsrat. Zur Freude des Leiters der Abteilung Bildung im Erziehungsdepartement, Hans Georg Signer: «Die Schulen waren in einer Spirale gefangen. Legte ein Gymnasium vor, zogen die anderen nach. Und das ging zulasten der Qualität im Kerngeschäft.»

Laut Signer seien die Basler Gymnasien zu klein, um alle alles anbieten zu können. «Wir setzen auf die Vielfalt der Standorte, nicht auf die Vielfalt der Schwerpunkte,» fasste er zusammen.

Kein Gymnasium schliessen

Christoph Eymann betonte einmal mehr: «In meiner Amtszeit wird keines der fünf Basler Gymnasien geschlossen.» Es gehe nicht an, dass Gymnasien einander mit Schwerpunktangeboten die Schüler abjagen sollten. Diese machen gerade mal ein Zehntel der Stundentafel aus, erfreuen sich aber grosser Beliebtheit.

Eymann führte aus, ihm sei der Erhalt der fünf Standorte wichtiger. Die Gymnasien hätten alle ihren eigenen Geist, der ehemalige und aktuelle Schüler miteinander verbinde. Die Standorte zu einem oder zwei grossen Gymnasien zusammenzufassen, die alle Schwerpunkte anbieten könnten, sei weder politisch gewünscht noch sinnvoll. Hintergrund der gesamten Debatte ist die anstehende Reduktion der Zahl der Gymnasiasten. Diese soll, gemäss dem Willen der Regierung, der Maturquote angenähert werden.

Das Erziehungsdepartement rechnet mit einem Rückgang um rund 20 Prozent. Damit steigt der Druck auf das Departement, die Schüler möglichst ebenmässig auf die Standorte zu verteilen.

Erziehungsrat entscheidet

Die von Signer und Eymann vorgestellten Eingriffe in den Wettbewerb unter den Gymnasien sollen ohne Folgen für die Lehrer bleiben. «Kein Lehrer, auch keiner der PPP unterrichtet, wird entlassen», so Eymann. Freude hätten die Rektoren der Gymnasien keine gehabt, aber sie sähen die Notwendigkeit des Entscheides ein. Definitiv über die Massnahmen entscheiden, wird der Erziehungsrat.