Kein Abtasten, keine Worthülsen. Bei einem von «Jungen Rat» organisierten Podium drückten die vier verbliebenen Regierungsratskandidaten gestern Abend von Beginn an auf Gaspedal. Die erste Salve feuerte Hans-Peter Wessels (SP) ab: «Die Nummer mit dem bürgerlichen Ticket glaubt euch doch kein Mensch. Die SVP ist keine bürgerliche, sondern eine nationalkonservative Partei, die in ihrem Kern sogar rassistisch ist. Das haben die Wähler durchschaut und euch deshalb abgestraft.»

Das liess Baschi Dürr (FDP) nicht auf sich sitzen und setzte zum Konter an. «Ihr sagt ständig: ‹Die SVP ist gruusig. Menschen, welche die SVP wählen, sind gruusig.› Mit dieser Taktik habe ich Mühe. Die SVP vertritt 15 Prozent der Basler Wählerschaft. Es ist nicht gut, wenn ein so wesentlicher Teil der Bevölkerung aus der Regierung ausgeschlossen wird.» – «Das ist der beste Beweis», hakte Heidi Mück (Basta) ein. «Dieses bürgerliche Bündnis ist reines Machtkalkül. Ihr wollt die 15 Prozent Wähleranteile abstauben. Gemeinsame Inhalte habt ihr keine, bis auf eure Badehose.»

Ein heftiges Hin und Her

Jetzt meldete sich SVP-Kandidat Lorenz Nägelin zu Wort: «Und du, Heidi Mück, du kämpfst offen gegen die Unternehmenssteuerreform III und damit gegen Eva Herzog von der SP.» So ging es hin und her und zurück – und dem Publikum wurde schnell klar, welche Strategie sich die Kandidaten für den zweiten Wahlgang zurechtgelegt hatten. Das eigene Bündnis zu stärken, vor allem aber auf die Brüchigkeit des anderen Bündnisses hinzuweisen.

Heidi Mück, die ehemalige Hausbesetzerin, als Regierungsrätin, vielleicht sogar als Vorsteherin des Justiz- und Sicherheitsdepartements? «Ein Horrorszenario», stöhnte Nägelin auf, der als Rettungssanitäter in diesem Departement angestellt ist.

Mück hielt dagegen. «Bei aller Kritik, die ich in der Vergangenheit an Polizeieinsätzen geübt habe, ich habe grossen Respekt vor der Arbeit, welche die einzelnen Polizisten leisten.» Es sei eine ihrer Stärken, nahe bei den Leuten zu sein und deren Vertrauen zu gewinnen. Und sie sei zuversichtlich, dass ihr das auch als Justizdirektorin gelingen würde.

Dieser kurze Disput brachte eine zweite Erkenntnis zutage. Mück glaubt ehrlich an ihre Chance, Dürr zu überholen und ist bereit dafür zu kämpfen. Die drei verbleibenden Wochen bis zum Abstimmungssonntag versprechen spannend zu werden.