Epidemie

Region Basel derzeit schweizweit am stärksten von Grippe betroffen

Weiterhin erkranken viele Basler an der Grippe. Langsam ebbt die Grippewelle jedoch ab.

Weiterhin erkranken viele Basler an der Grippe. Langsam ebbt die Grippewelle jedoch ab.

Letzte Woche suchten über 800 Basel-Städter wegen einer Grippe den Arzt auf. Die Zahl der Neuerkrankungen sank massiv. Der Ausbruch der starken Grippe-Epidemie lässt sich zu einem Grossteil durch die missglückte Grippeimpfung erklären.

Über 800 Basel-Städter suchten letzte Woche wegen einer Grippe den Arzt auf. Trotz dieser Zahl ist Adrian Egli überzeugt: «Wir sind über den Berg.» Der Arzt für klinische Mikrobiologie am Universitätsspital Basel hat den Verlauf der Grippeepidemie seit Ausbruch im Auge. Den Höhepunkt der Epidemie verzeichnete das Spital vor zwei Wochen. «Damals untersuchten wir täglich 30 Grippepatienten. Jetzt sind es noch deren 20.» Knapp vor der Fasnacht gab es gar eine stärkere Abnahme. Doch: «Die drei ‹scheenschte Dääg› für die Menschen, waren es auch für die Viren.», sagt Adrian Egli.

Die gestern publizierten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit stützen die Einschätzung des Basler Universitätsspitals. Die Zahl der Neuerkrankungen sank massiv. Vorletzte Woche verzeichneten die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn über 600 grippebedingte Arztkonsultationen pro 100'000 Einwohner. Der Wert sank letzte Woche unter 400. Dabei ging die Anzahl Neuansteckungen über alle Altersklassen hinweg zurück. Die Grippewelle ist jedoch noch nicht ausgestanden. Die Region mit den beiden Basler Kantonen ist derzeit schweizweit am stärksten betroffen.

Der vermehrte Ausfall von Arbeitskräften war für die Arbeitgeber spürbar. Die Basler Verkehrs-Betriebe BVB verzeichneten in den Monaten Januar und Februar mehr Krankheitsausfälle als in anderen Jahren. «Wir spüren die anhaltende Grippewelle in der ganzen BVB deutlich», sagt Mediensprecherin Dagmar Jenny. Auch im Fahrdienst, wie sie betont. «Dennoch gelingt es unter Aufbietung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen, alle Fahrdienste zu besetzten.» Auch die Stadt Basel als Arbeitgeber war von der Grippewelle betroffen. Der ordentliche Betrieb sei nie gefährdet gewesen, sagt Regierungssprecher Marco Greiner. «Die Gesunden mussten in den letzten Wochen mehr leisten.»

Ineffektive Grippeimpfung

Der Ausbruch der starken Grippe-Epidemie lässt sich zu einem Grossteil durch die missglückte Grippeimpfung erklären. Im aktuellen Impfstoff ist der ausgebrochene Virenstamm nicht enthalten. Der Schutz vor einer Ansteckung somit um ein Vielfaches kleiner. «Normalerweise verhindert die Grippeimpfung zu rund 65 Prozent den Arztbesuch», sagt Adrian Egli und ergänzt: «In diesem Jahr bot die Impfung einen Schutz von 10 bis 25 Prozent.» Schuld ist ein mutierter H3N2-Erreger. «Made in Switzerland», so Adrian Egli. Der Virus, der zurzeit auf der Nordhalbkugel wütet, wurde 2013 zuerst in der Schweiz entdeckt. Rund 30 Patienten sind derzeit im Universitätsspital Basel aufgrund einer Grippeerkrankung in Behandlung. Darunter sind vereinzelt auch jüngere Personen, die schwer erkrankt sind. Ansonsten stellt das Spital keine aussergewöhnliche Krankheitsverteilung über das Alter fest.

Altersheime spüren Grippe

Der Verband gemeinnütziger Basler Alterspflegeheime führt keine Erhebungen zur Grippe durch. Nur subjektiv könne er die Stärke der Grippe einschätzen, so Richard Widmer, Präsident des Verbandes. «Ich hörte von einigen Mitgliedern, dass es sich um eine starke Grippe handelt.» Die Volksschule Basel-Stadt stellt im Vergleich zu den Vorjahren keine aussergewöhnliche Situation fest. Es seien auch nicht mehr Schulausfälle als sonst verzeichnet worden, sagt Sprecher Simon Thiriet. «Im Januar und Februar besteht immer die höchste Ausfallrate.»

Die Grippepatienten im Universitätsspital Basel sind von den restlichen Patienten isoliert. Das Spitalpersonal, welches im Kontakt mit betroffenen Patienten steht, ist ausgerüstet mit Überkleid, Handschuhen sowie Mund- und Nasenschutz. «Die für die Patienten ergriffenen Schutzmassnahmen, schützen auch das Personal», sagt Kaderärztin Sarah Tschudin. 29 Prozent des Spitalpersonals mit Patientenkontakt sei geimpft. «Wir hoffen, die Quote in den kommenden Jahren zu erhöhen.» Steht ein Impfobligatorium zur Debatte? «Es gibt sicher Pro-Argumente», antwortet Sarah Tschudin. «Die Diskussion muss jedoch nicht nur im Universitätsspital Basel, sondern gesamtschweizerisch in allen Spitälern geführt werden».

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