Herr Holzach, worüber reden wir?

Über Glaube. Spannend.

Woran glauben Sie?

An sehr vieles, vor allem an das Leben. Abergläubisch bin ich aber nicht.

Sind Sie religiös?

Ich glaube an eine Energie, an eine Kraft. Allerdings nicht im engeren religiösen Sinne. Ich bin protestantisch aufgewachsen, besuche aber eher selten Messen. Jedoch besichtige ich die Kirchen, weil ich die Bauwerke interessant finde, die teils üppige Kunst im Innern, und die mystische Atmosphäre. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin nicht gegen Religion. Wir müssen zu dieser Kultur, die Teil unserer Gesellschaft ist, Sorge tragen.

Gibt es Himmel und Hölle?

Nein. Menschen suchen triviale Antworten, um ihr Dasein zu erklären. So einfach ist es wohl nicht. Ich glaube an einen ewigen Kreislauf.

Beschäftigen Sie sich also mit Wiedergeburt?

Ja, durchaus. Ich finde es hochinteressant, über Rückführungen zu lesen. Es geht nicht darum, dass ich alles davon glaube; es ist spannend, sich damit zu befassen.

Wie manifestiert sich der Glaube in Ihrem Alltag, in Ihrem Leben?

Glaube hat auch damit zu tun, dass man Ziele im Leben hat. Wenn man seine Wünsche klar formuliert, ist es gut möglich, dass sich diese materialisieren. Mein Ziel als junger Mann war es unter anderem, im Beruf etwas bewegen zu können.

Sie sind 2008 bei der UBS eingestiegen, einem rabenschwarzen Jahr. Was hat Sie an die Bank glauben lassen?

Es war eine dramatische Zeit. Nachdem mich ein Headhunter mit dem Job-Angebot kontaktiert hatte, rieten mir alle davon ab. Und ich habe mich trotzdem dafür entschieden. Der 1. August war mein erster Arbeitstag, ein Jahr später wurde ich zum Regionaldirektor ernannt.

Hatten Sie keine Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren?

Ich gebe zu: In dieser Zeit hatte ich schlaflose Nächte; die Verunsicherung der Mitarbeiter war gross. Damals habe ich zum ersten Mal erfahren, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen. Heute haut mich so schnell nichts mehr um. Leben heisst, auch mal kalkulierte Risiken einzugehen.

Das UBS-Risiko war nicht kalkulierbar.

Klar, ich hätte damals den Job schnell wieder verlieren können. Dann hätte ich eine andere interessante Stelle gefunden, es gibt immer neue Chancen im Leben. Ich habe daran geglaubt, dass es sich für die UBS gut entwickelt. Und heute wissen wir: Es hat sich alles zum Guten gewendet.

Heute wird moniert, die Bankenbranche sei überreguliert.

Nicht nur die Banken! Unsere Gesellschaft befindet sich in einem engen Korsett von Gesetzen. Das ist eine Entwicklung, die fast irreversibel ist.

Inwiefern?

Nehmen Sie die Gesetzesflut in der Schweiz. Die Entwicklung geht in Richtung Entmündigung des einzelnen Bürgers. Warum können Eltern nicht selber entscheiden, ab welchem Alter ihr Kind einen Velohelm tragen soll? Ich bin ein liberaler Mensch und glaube an Toleranz und gute Erziehung. Dann sind Verbote unnötig.

In der Finanzbranche ist das enge Korsett aber nachvollziehbar.

Natürlich gab es Übertreibungen. Aber die Korrekturen sind massiv.

Der Ruf des Bankers hat sehr gelitten. Geht Ihnen das nahe?

Ich kann mit Stereotypen nichts anfangen. In der Region arbeiten 1700 Personen für die UBS. Man kann doch nicht alle in einen Topf werfen! Es stimmt nicht, dass alle gierig sind und nur hinter dem Geld her sind.

Noch heute sind die Löhne in der Branche teilweise exorbitant. Und die Gewinnmaximierung steht im Vordergrund.

Wenn ein Kunde Geld anlegt, möchten wir das Maximum für ihn herausholen. Push-Strategien für gewisse Produkte gibt es aber nicht; wir handeln nach seinen Bedürfnissen. Und: Auch in anderen Bereichen werden gute Löhne ausbezahlt.

Viele Banken gelten in ihrem Handeln noch heute als unethisch.

Bei der UBS steht der Wert «Integrität» im Zentrum. Dass wir ethisch denken und auch so handeln.

Das lassen wir jetzt mal so stehen. Welche Werte sind Ihnen privat wichtig?

Ehrlichkeit, Loyalität und Offenheit. Ich kann und will Probleme sehr direkt ansprechen. Umgekehrt schätze ich das auch. Kritik bringt einen weiter.

Sie sind in Basel sehr engagiert, zum Beispiel als Präsident des Theaters. Was treibt Sie an?

Ich möchte einen Beitrag ausserhalb der Bank leisten. Die UBS ist Teil der Gesellschaft, wir möchten etwas zurückgeben.

Es ist ja auch gute Werbung für die Bank, wenn Sie so präsent sind...

Sicherlich profitiert die UBS davon, dass ich mich derart engagiere. Ich habe aber auch als Privatmensch ein sehr grosses Interesse am Wohl meiner Heimatstadt, am Theater und an dessen Weiterbestehen.

Welche Sparte gefällt Ihnen am besten?

Früher konnte ich mich fürs Schauspiel begeistern. Heute bin ich auch ein grosser Fan der Ballettkompanie und der Oper.

Die Finanzen sind immer wieder Thema im Haus. Auf welche der drei Sparte könnten Sie am ehesten verzichten?

Auf keine. Und das werden wir auch nie müssen, ich weigere mich, darüber reden zu müssen. Einem solchen Szenario möchte ich keine Kraft geben. Das Theater Basel ist sehr gut unterwegs.

Und wenn der Kanton Baselland seine Beiträge kürzt? Die Kulturpauschale soll auf fünf Millionen Franken halbiert werden. Das ist ein Haufen Geld.

Das wäre eine Katastrophe – für alle Kulturinstitute! Ich bin aber zuversichtlich, dass die beiden Regierungen eine vernünftige Lösung finden werden.

Warum sind Sie eigentlich nie Politiker geworden?

Das hätte mich tatsächlich gereizt. Aber wenn Politik, dann eher im Grossen. Also als Regierungsrat. Das hätte sich allerdings nicht mit meinem Beruf vereinbaren lassen, ich hätte ihn aufgeben müssen. Um in der Politik erfolgreich zu sein, braucht es viel Geduld. In der Bank kann ich deutlich schneller etwas bewegen. Das mag ich.