Regionale 22
Silke Baumann im Interview: «Es ist schwieriger geworden, verlässlich zu planen»

Die Regionale-Geschäftsführerin Silke Baumann spricht über die Herausforderungen, mit denen sich der trinationale Kunstanlass aufgrund steigender Covid-Zahlen konfrontiert sieht.

Michael Gasser
Drucken
Teilen
Installation von Tatjana Stürmer in der Kunsthalle Basel.

Installation von Tatjana Stürmer in der Kunsthalle Basel.

Regionale 22

625 Künstlerinnen und Künstler haben sich dieses Jahr für die Regionale 22 ­beworben, rund ein Viertel von ihnen wurde eingeladen, Arbeiten im Dreiländereck zu präsentieren. Im Interview erklärt Regio­nale-Geschäftsführerin Silke Baumann, warum sich die gezeigten Arbeiten vermehrt um Themen wie Widerstand und Eskapismus drehen.

Die Regionale, die heute Donnerstag beginnt, fusst auf grenzüberschreitendem Austausch und trinationaler Zusammenarbeit. Aufgrund der Coronapandemie vermochte der Kunstanlass diesem Anspruch im vergangenen Jahr nicht gerecht zu werden. Wie präsentiert sich die Lage aktuell?

Silke Baumann, Geschäftsführerin Regionale.

Silke Baumann, Geschäftsführerin Regionale.

Zvg

Silke Baumann: Wir sind – noch – optimistisch. Obschon wir uns natürlich darüber im Klaren sind, dass sich die Situation kurzfristig verändern kann. Momentan gehen wir jedoch davon aus, dass die Eröffnungsevents der Regionale wie geplant stattfinden.

Während für die meisten Veranstaltungsorte 3G gilt, wird in einigen Häusern 2G vorausgesetzt. Ist damit zu rechnen, dass sich diese unterschiedlichen Einlassbedingungen negativ auf die Zuschauerzahlen auswirken werden?

In Baden-Württemberg gilt jetzt 2G, doch die meisten unserer trinationalen Events lassen sich gemäss 3G besuchen. Wie sich diese unterschiedlichen Regeln auf die Zuschauerzahlen auswirken, lässt sich nur schwer abschätzen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr bieten wir jedenfalls wieder unsere kostenlosen Shuttlebusse und unsere Bustouren an. Ich bin gespannt, ob sich das Publikum sicher genug fühlt, um sich für die Regionale im Dreiländereck zu bewegen.

Die Regionale ist ein Verbund von 19 permanent teilnehmenden Institutionen für zeitgenössische Kunst. War für alle Häuser klar, dass sie trotz Pandemie auch in diesem Jahr wieder mit dabei sein wollen?

Für alle Kulturinstitutionen ist es schwieriger geworden, verlässlich zu planen. Aber die Regionale ist zu einem festen Bestandteil des Kulturkalenders geworden. Und ich bin überzeugt, dass die Regionale seit der Pandemie für die beteiligten Häuser sogar weiter an Relevanz gewonnen hat.

Im vergangenen Jahr haben sich noch knapp 800 Künstlerinnen und Künstler für die Regionale beworben, dieses Mal waren es noch 625. Worauf führen Sie diesen Rückgang zurück?

Die letztjährige Anzahl der Bewerbungen war ein Ausreisser nach oben. Dieser dürfte vor allem dem Lockdown geschuldet gewesen sein. Die Künstlerinnen und Künstler hatten vermehrt Zeit und wohl auch Musse, ihr Portfolio einzureichen. Die 625 Bewerbungen im 2021 entsprechen wieder dem langjährigen Durchschnitt. Letztlich wurden 155 Kunstschaffende eingeladen, ihre Arbeiten an der Regionale zu präsentieren. Übrigens sind nicht nur deren Positionen äusserst unterschiedlich, sondern auch jene der beteiligten Institutionen. Was mit sich bringt, dass die Regionale einen spannenden Überblick über die trinationale Kunstlandschaft bietet.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Mulhouse trägt den Titel «Resisting Permanence», jene in der Kunsthalle Basel heisst «... von möglichen Welten». Ist es Zufall, dass jetzt Themen wie Widerstand und Eskapismus im Fokus der Regionale stehen?

Darüber habe ich sehr viel nachgedacht. Es gibt in der Tat viele dieser Themen, und die Kunst beschäftigt sich derzeit vermehrt damit, andere Welten zu kreieren. Die Wirklichkeit ist rau, also gibt es diese Sehnsucht. Die anhaltende Pandemie wirkt dabei jedoch auch wie eine Folie, die sich über alles legt und dazu verführt, alles nur noch vor diesem Hintergrund zu interpretieren.

Welche Erwartungen und Hoffnungen haben Sie für die diesjährige Regionale?

Vor allem hoffe ich, dass sie parallel in allen drei Ländern zu sehen sein wird. Im vergangenen Jahr waren während der offiziellen Laufzeit nur die Häuser in der Schweiz geöffnet. Glücklicherweise stehen uns für die Durchführung der diesjährigen Regionale die nötigen Werkzeuge, Wege und Schutzkonzepte zur Verfügung. Allerdings bietet unser Kunstanlass merklich weniger Veranstaltungen als früher. Vielleicht auch, weil sich die beteiligten Institutionen vor einer Absage fürchten.

Wird die Regionale angesichts der sich hartnäckig haltenden Pandemie zukünftig doch digitaler werden müssen?

Die Pandemie hat uns gezeigt, dass Konferenzen per Video funktionieren, Kunsterlebnisse hingegen nur sehr beschränkt. Will man Kunst vermitteln, muss dies in einem räumlichen Kontext und in der direkten Konfrontation geschehen.

Regionale 22. 25.11.2021-9.1.2022.
Programm unter: www.regionale.org

Aktuelle Nachrichten