Der Stau ist die Verkehrsplage der Region Basel. Nicht nur kommt es täglich zum grossräumigen Infarkt während den Stosszeiten. Auch zeigte der Crash des Methanol-Lastwagens im März, von dem jetzt ein Video des Unfallmoments im Internet aufgetaucht ist, dass ein einzelner Unfall zum totalen Kollaps führen kann.

Immerhin stellten vor zwei Wochen das Bundesamt für Strassen (Astra) und die Regierungen beider Basel Massnahmen vor, wie in einiger Zukunft der Verkehr entlastet werden soll, so etwa mit einem vorerst skizzierten Autobahnwestring oder einem Ausbau auf acht Spuren. Auch der Zubringer Bachgraben und die Umfahrung Allschwil sind Zukunftsprojekte der Region. Doch die Umsetzung dauert noch Jahrzehnte.

Baselbieter-Spur oder Pannenstreifennutzung

Die Wirtschaftsverbände begrüssen diese Absicht zwar. Doch allen voran die Baselbieter Wirtschaftskammer fordert Sofortmassnahmen, um gegen die täglichen Staulawinen anzukommen. Dringend notwendig seien als Ergänzung kurz- und mittelfristig wirksame Erhöhungen der Kapazität.

Das abgefilmte Video zeigt den Unfall auf der A2 bei Muttenz vom März 2018

Das abgefilmte Video zeigt den Unfall auf der A2 bei Muttenz vom März 2018

So sagt Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser, der auch die Taskforce Anti-Stau mitverantwortet: «Eine solche Sofortmassnahme wäre es, die Verkehrsströme zu entflechten. Ein relativ kurzfristig realisierbarer Beitrag wäre beispielsweise eine eigentliche ‹BL-Spur› auf der A2.» Er verweist dazu auf ein Interview mit Astra-Chef Jürg Röthlisberger in der Verbandszeitschrift «Standpunkt der Wirtschaft»: Dort spricht Röthlisberger auch von einer Umnutzung des Pannenstreifens und verschiedenen Verkehrsmanagement-Massnahmen.

Stossstange an Stossstange

Dass dringender Handlungsbedarf gegeben ist, sagt auch Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel: «Man muss eigentlich konstatieren, dass die Kapazitätsgrenzen überschritten sind.» Dätwyler bearbeitet die Verkehrsdossiers der Region seit Jahren. Betrachte man allein die Situation entlang der Basler Osttangente, könne man sagen, dass der Verkehrsfluss nur so gut funktioniere, weil sich die Fahrzeuglenker gut auskennen. «Sonst gäbe es deutlich mehr Unfälle auf dieser Strecke, wo die Leute Stossstange an Stossstange fahren.»

Dätwyler würdigt die Absicht der Regierungen beider Basel, ein gemeinsames Zielbild für die Hochleistungsstrassen zu entwickeln und dies auch mit dem Astra abzustimmen. «Wir müssen wirklich unterstreichen: Es ist schon mal sehr gut, dass diese drei ein Zielbild entwickeln, in dem sie sich einig sind.» Zu oft war die Region in verkehrsplanerischen Fragen gespalten, was zu einem vorzeitigen Ende vieler Projekte führte.

Dass sich das Astra nun der Region Basel angenommen hat und mit den Regierungen einheitlich plane, sei ein sehr gutes Zeichen. «Das gemeinsame Zielbild ist aber nur ein erster Schritt», hält Dätwyler fest. Auf diesem basierend müsse ein verbindliches Infrastrukturprogramm mitsamt der Finanzierung beschlossen werden. «Wir hoffen, dass der gute Auftakt mit dem Rheintunnel und dem Ausbau Hagnau-Augst anhält.»

Verkehr nahm bereits deutlich zu

Klar ist, dass das Verkehrsaufkommen nicht geringer wird. Das Bundesamt für Raumentwicklung geht davon aus, dass bis 2040 national der Autoverkehr um 20 Prozent, der Personenbahnverkehr um 50 Prozent wachsen wird. Und auch Buser führt an, dass sich die Staustunden allein auf dem Nationalstrassennetz laut Bundesamt für Statistik 2017 gegenüber 2009 praktisch verdoppelt hatten.

«Für die grosse Mehrheit der Task Force Mitglieder ist zudem klar, dass der Kanton Baselland auch rasch ‹sein› Zielbild für ein künftiges Hochleistungsstrassensystems präsentieren muss», sagt Buser. Die heute einseitig radiale, das heisst sternförmige Ausrichtung mit Basel-Stadt im Zentrum solle mit geeigneten Tangential- oder Querverbindungen zwischen den Baselbieter Tälern ergänzt werden: «Erst dann werden Ereignisse auf der Achse Rheinfelden-Basel geringere Auswirkungen haben.»