Um 20 Uhr war es endlich soweit. Pressiert und hungrig strömten die Damen und Herren Nationalräte von der nicht enden wollenden Debatte über die Masseneinwanderungsinitiative in die «Galerie des Alpes». Auch einzelne Ständeräte liessen sich im Restaurant des Bundeshauses blicken. Dabei hätte der Lobbyinganlass der Metropolitankonferenz Basel am Montagabend schon anderthalb Stunden früher starten sollen.

Das Zielpublikum aber hatte auf sich warten lassen. Claude Janiak nutzte die Gelegenheit und ergriff sogleich das Wort. Der Baselbieter SP-Ständerat kennt seine Pappenheimer. Als erster einer stattlichen Delegation aus der Region bewarb er das Basler Herzstück, jenes Bahnprojekt, das dereinst den Bahnhof Basel SBB und den Badischen Bahnhof unterirdisch verbinden soll. Und tatsächlich: Bald verzogen sich die ersten Bundespolitiker wieder.

Dabei hat die Region Basel einigen Erklärungsbedarf. So war es eine böse Überraschung, als Mitte Oktober bekannt wurde, dass das federführende Bundesamt für Verkehr (BAV) das Projekt als nicht prioritär erachtet. Geht es nach den Bundesbehörden, werden beim nächsten Ausbau des Bahnnetzes Step 2030, für den sieben bis zwölf Milliarden Franken bereitgestellt werden sollen, andere Regionen vorgezogen. Der Ausbau der S-Bahn in Basel hat gerade mal dritte Priorität.

«Alles im grünen Bereich»

Damit will sich die Region nicht einfach abfinden. Mit dem Lobbyinganlass hat sie eine eigentliche Werbeoffensive für das Bahnprojekt gestartet – und dabei mit der grossen Kelle angerührt: Vertreter der beiden Basel, dem Aargau, Solothurn und Jura sowie aus dem angrenzenden Ausland waren anwesend, um die Parlamentarier zu überzeugen. So warb Stararchitekt Pierre de Meuron nicht nur für den Standort Basel, sondern betonte auch die Bedeutung des Herzstücks – für den regionalen, für den nationalen wie den internationalen Bahnverkehr. Sein Pech: Bereits nach wenigen Minuten huschten die Politiker wieder zur Abstimmung in den Nationalratssaal. Es folgte der nächste Unterbruch. Die Regionalvertreter hatten einen ungünstigen Abend erwischt.

Am Rande des Anlasses versicherte Rémy Chrétien von der Organisation Agglo Basel immer wieder, dass beim Herzstück alles «im grünen Bereich» sei. Zudem seien die SBB längst wieder mit im Boot, ergänzte Martin Dätwyler, stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel. SBB-Chef Andreas Meyer hatte sich an einem Bahnkongress im April von einer neuen Projektvariante aus der Region kurzzeitig vor den Kopf gestossen gefühlt, hatte er doch bis dahin nichts davon gewusst – und anschliessend nichts davon wissen wollen.

Bund erkennt keine Probleme

Auch die Hiobsbotschaften der «Basler Zeitung» würden nicht zutreffen. Von schwerwiegenden Versäumnissen hatte diese berichtet, von zu steilen Neigungswinkeln, die vom internationalen Bahnverkehr nicht zu bewältigen seien. Die Zeitung berief sich dabei auf einen internen BAV-Bericht. Die nötigen Korrekturen wiederum würden zu hohen Mehrkosten führen. Der Bericht prognostiziere statt 2 über 3,5 Milliarden Franken. Alles gar nicht wahr, widersprechen die Verantwortlichen aus der Region. Von Versäumnissen könne keine Rede sein. Das Bauvorhaben stehe erst auf Stufe Vorprojekt, welches nun rasch vorangetrieben werde.

Olivia Ebinger bestätigt: Das Projekt sei im Fahrplan, sagt die BAV-Sprecherin. Die Planungsarbeiten würden noch bis im Februar 2017 optimiert: «Von Fehlplanungen kann definitiv keine Rede sein, und ein Abbruch ist ohnehin kein Thema.» Beim Dossier, auf welches sich die «BaZ» beruft, handle es sich nicht um einen Schlussbericht. Derzeit sei noch vieles offen, verschiedene Linienführungen würden geprüft. Konkrete Kosten seien daher noch nicht bekannt. Die geschätzten Gesamtkosten von 3,5 Milliarden würden denn auch sämtliche zu prüfenden Elemente im Raum Basel umfassen. Derzeit wird etwa eruiert, welche davon zwingend sind, ob Optimierungen möglich sind und einzelne Elemente gestaffelt werden könnten.

Die Differenzen wurden von den am Montag zuletzt doch zahlreich vertretenen Parlamentariern kaum zur Kenntnis genommen. Dem Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels wird es recht gewesen sein, als er neben seiner Baselbieter Kollegin Sabine Pegoraro für das Herzstück warb: «Wir wollen nichts anderes, als Zürich bereits hat und in Genf im Bau ist: eine Durchmesserlinie.» Auch betonte er erneut, dass Basel-Stadt zu einer Vorfinanzierung bereit sei. Die Politiker haben es zur Kenntnis genommen: «Ein welscher Parlamentarier hat mir gesagt, ihm sei klar, dass Basel bei der Bahn Nachholbedarf hat», erzählte Handelskammer-Vertreter Dätwyler zufrieden. «Unsere Botschaft ist angekommen, aber wir müssen am Ball bleiben.»