Herr Borja-Villel, im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía sind die Basler Ausstellung «Fuego Blanco» und die beiden Basler Sammlungen «Im Obersteg» und «Staechelin» zu sehen, während das Prado zehn Meisterwerke Picassos zeigt und damit fast mehr Rummel macht. Wieso haben Sie sich für die beiden privaten Sammlungen und die öffentliche Ausstellung des Kunstmuseums entschieden?

Manuel Borja-Villel: Es ist nicht so, dass wir die zehn Picassos nicht auch gerne gezeigt hätten. Aber in den beiden Sammlungen «Im Obersteg» und «Staechelin» hat es auch vier Picassos und in «Fuego Blanco» noch einen weiteren. Also haben wir auch fünf Werke Pablo Picassos. Was für uns aber das Wichtige an der Sammlung aus Basel ist, ist die Sammlung an sich. Denn es ist eine Sammlung, die einzigartig ist auf der Welt. Sie hat einen speziellen Charakter und zeigt eine spezielle Epoche. Sie deckt nicht nur Picasso, sondern auch andere grosse Namen ab, wie beispielsweise Le Corbusier. Uns war einfach wichtig, die Sammlung des Kunstmuseums zu zeigen und wie das Kunstmuseum private Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich macht. Basel ist eine faszinierende Stadt – mit einer einmaligen Sammlung.

Was bedeutet die Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum für das Reina Sofía?

Die Kollaboration mit dem Kunstmuseum bedeutet für unser Museum sehr viel. Es sind beides grosse und wichtige Museen ihrer Länder. Für ein Museum gibt es drei wichtige Dinge: Die Werke, die es besitzt, die privaten Sammlungen, die es ausstellen darf, und wie die Besucher die Ausstellungen wahrnehmen. Und in diesem Fall ist die Zusammenarbeit der beiden Museen das Fundament dieser drei Punkte.

Und welche Bedeutung hat es für Madrid? Königin Letizia hat sich heute ja sogar die Ehre gegeben.

Für Madrid, ist es ein einzigartiger Event, diese drei Sammlungen – die beiden privaten und die öffentliche – zeigen zu können.

Ist es also die grösste Ausstellung der letzten Jahre?

Es ist ohne Zweifel die grösste und wichtigste des Jahres.

Wenn wir schon von grossen Ausstellungen sprechen: Zu Ihren Dauerausstellungen gehören mit Werken Salvador Dalís, Joan Mirós und Pablo Picassos Bilder grosser Künstler der klassischen Spanischen Moderne – mit Werken von Gerhard Richter oder Fischli und Weiss aber auch Exemplare der Westeuropäischen Postmoderne. Wie funktioniert der Dialog zwischen diesen beiden Teilen?

Grundsätzlich verstehen wir eine Kunst-Sammlung immer als interkulturellen Austausch, als Wechselwirkung verschiedener Sichtweisen. Wir sind schliesslich eine Mischung daraus, wie wir die Welt sehen und wie die Welt uns sieht. Und diese Vermischung der lokalen und internationalen Sichtweisen wollen wir auch beibehalten, wenn wir auswärtige Sammlungen zeigen. So können wir unser Leitbild auf auswärtige Sammlungen adaptieren, und das ist eine der Philosophien des Reina Sofía.

Eine andere Philosophie des Reina Sofía ist, dass die Werke nicht chronologisch ausgestellt sind, sondern in thematische und soziokulturelle Kontexte gestellt werden. Wird dieses Prinzip auch bei den Basler Ausstellungen angewandt?

Ja. Das Publikum spricht weniger auf lineare und chronologische als vielmehr auf thematische Ausstellungen an.

Momentan sind 170 Werke aus Basel im Reina Sofía zu sehen. Wann wird Basel in den Genuss der Werke des Reina Sofía kommen?

Nun, bei einer Kollaboration ist die Idee, dass es immer in beide Richtungen gehen soll. Es gibt jedoch kein genaues Datum, wann unsere Werke nach Basel kommen. Aber die Kollaboration zwischen diesen beiden Museen funktioniert absolut.