Finanzkrise

«Reine Salamitaktik»: Historisches Museum Basel sprengt Budget

Kämpft ums Überleben: Das Historische Museum am Barfüsserplatz.

Kämpft ums Überleben: Das Historische Museum am Barfüsserplatz.

Ein Vergleich mit Bern zeigt: Eine Inventarisierung dürfte das Historische Museum Basel mehrere Millionen kosten.

Einen Monat ist es her, seit Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann den Medien ihren Rettungsplan fürs Historische Museum vorstellte. Das Museum am Barfüsserplatz kämpft seit Jahren ums Überleben. Eine «defizitäre Infrastruktur» führe dazu, dass das Museum gewisse Standards bei der Bewahrung und Pflege der Sammlung nicht einhalten könne, so das Fazit des Präsidialdepartements. 290'000 Franken hat das Präsidialdepartement als einmalige Anschubfinanzierung für die anstehende Inventarisierung gesprochen. Laut Betriebsanalyse fehlen dem Museum jährlich weitere 1,1 Millionen Franken.

Der Vergleich mit dem Bernischen Historischen Museum zeigt nun, dass auf das Basler Museum Zusatzkosten in Millionenhöhe zukommen dürften. Das Berner Museum befindet sich mitten in einem Inventarisierungsprozess, der dem Basler Museum als Vorbild dienen soll. Die Firma Actori, die die Betriebsanalyse durchgeführt hat, empfiehlt darin «dringend eine Generalinventur» analog zum Berner Projekt.

«Das ist reine Salamitaktik»

Ein Blick auf das Vorbild Bern lässt die Summe erahnen, die auf Basel zukommen dürfte. Rund 7,7 Millionen Franken kostet das Projekt dort. Sowohl das Berner als auch das Basler Projekt dürften nach Schätzungen der Firma Actori fünf Jahre dauern und rund 15 Mitarbeitende beanspruchen. Selbst wenn der nur halb so grosse Basler Sammlungsbestand beachtet und die Berner Projektkosten halbiert werden, müsste der Kanton einen Betrag von ungefähr 3,85 Millionen Franken zusätzlich für das Museum aufwerfen.

Mit den Zahlen konfrontiert, schreibt Regierungspräsidentin Ackermann: «Bereits an der Medienkonferenz habe ich darauf verwiesen, dass es sich um ein grosses Projekt handeln wird, das das Museum mehrere Jahre beschäftigen wird.» Aufwand, Kosten und Dauer der Inventur müssten allerdings erst noch eruiert werden.

Die Kosten des Inventarisierungsprojekts in Bern alarmieren nun aber Politiker aus der Bildungs- und Kulturkommission (BKK). «Es scheint eindeutig so zu sein, als würden massive Mehrkosten auf uns zukommen», sagt FDP-Grossrat Stephan Mumenthaler. «Wer soll das alles bezahlen? Das ist reine Salamitaktik.» Auch SP-Grossrätin und BKK-Mitglied Franziska Reinhard sagt auf Anfrage: «Besorgtsein ist definitiv vorhanden.» Es stelle sich die Frage, wie man solche Beträge stemmen wolle.

Trotz der Befürchtungen aus der Kommission: Das Historische Museum will mit Prognosen zu anstehenden Kosten noch zuwarten. «Zurzeit können wir nicht sagen, wie teuer die Generalinventur sein wird. Erst nach Abschluss des Vorprojekts wissen wir hier mehr», sagt der kaufmännische Direktor Manuel Eichenberger. «Klar ist aber: Wir können das Projekt nicht mit eigenen Betriebsmitteln finanzieren.»

Auch Stiftungsgelder sind «willkommen»

Für SVP-Grossrat Joël Thüring ist deshalb klar: Es braucht zusätzliches Geld, das nicht vom Kanton kommt. «Das Museum ist aufgefordert, hierfür auch Drittmittel via Stiftungen zu generieren.» Ein Ansatz, den Ackermann nicht ausschliesst. Bereits heute seien Stiftungen und private Mäzene an Sonderausstellungen beteiligt. «Sollten sich private Mäzene oder Stiftungen an der Generalinventur beteiligen, ist dies selbstverständlich willkommen», schreibt Ackermann.

Wie hoch die Kosten tatsächlich sein werden, kann zurzeit noch niemand sagen. In einem Jahr soll das Vorprojekt zur Generalinventur vorliegen. Die Aussage von Gudrun Föttinger, Sammlungsleiterin im Bernischen Historischen Museum, lässt allerdings bereits heute Ungutes erahnen. «Der Aufwand für eine Inventur ist beträchtlich», sagt sie. «In unserem Fall war sie nur dank einer substanziellen Zusatzfinanzierung der Stiftungsträger möglich.»

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