Neun Affen mit Hüten und Kleidern aus feinster Seide erheben ihre kleinen Musikinstrumente - das Konzert beginnt. Wie von Zauberhand beginnen die Figuren sich zu bewegen, öffnen ihre Mäulchen, streichen den Bogen über die Instrumente und rollen mit den Augen. Das Ganze wird begleitet von einer rhythmischen Melodie.

Von alleine spielt sich dieses Spektakel allerdings nicht ab. Hinter der grossen Drehorgel steht Peter Rohrer, leidenschaftlicher Sammler von mechanischen Musikinstrumenten und Hausherr des Museums «Wunderwelt der mechanischen Musik» am Claragraben. Gleichmässig dreht er die Kurbel und blickt zufrieden in die begeisterten Gesichter der Museumsbesucher.

Prestigeobjekt des 19. Jahrhunderts

Die Drehorgel mit den neun Affen ist die neuste Anschaffung von Rohrer. Sie wurde im Jahr 1860 angefertigt und war ursprünglich für den Salon eines Herrschaftshauses gedacht. Wo heute modernste Surround-Sound-Anlagen stehen, standen am Ende des 19. Jahrhunderts solche mechanischen Instrumente.

Sie sorgten für Prestige der stolzen Besitzer, für Unterhaltung und musikalische Begleitung bei Tanzabenden. «Die Variante mit neun Affen ist sehr selten», erzählt Rohrer. «In Paris wurden viele ähnliche Drehorgeln verkauft, allerdings immer nur mit acht beweglichen Affen.» Rohrer hat sie in London an einer Auktion für 26 000 Franken gekauft. Zu dem Zeitpunkt war die Mechanik der Orgel allerdings nicht mehr funktionstüchtig. Für die Reparatur musste er nochmals 16 000 Franken ausgeben.

Peter Rohrer präsentiert seine Sammlung mechanischer Musikinstrumente

Peter Rohrer präsentiert seine Sammlung mechanischer Musikinstrumente


Spielen für ein paar Münzen

 
Rund um die Drehorgel stehen noch viele weitere grosse und kleine mechanische Musikinstrumente. Jedes hat seine eigene Geschichte, die Rohrer gerne und ausführlich erzählt. Und genauso individuell wie die Geschichten hinter den Instrumenten sind auch ihre Melodien.


Eindeutig aus weiter Vergangenheit stammt die Melodie einer Drehorgel, die Rohrer auf einen alten, umgebauten Kinderwagen geschraubt hat. Ursprünglich wurde sie mit einem Ledergurt vor dem Bauch getragen. Diese Variante der Drehorgel wurde nicht von gut betuchten Herrschaften zur Unterhaltung genutzt, sondern war ein Instrument der Ärmsten, um Geld zu verdienen. «Einzelne Drehorgelspieler haben ihre Instrumente geerbt, die meisten mussten sie aber ausleihen.

Mit den Einnahmen wurde zuerst die Miete für das Instrument bezahlt. Wenn dann noch etwas übrig blieb, konnte sich der Spieler damit etwas zu Essen kaufen», erzählt Rohrer. Entdeckt hat er diesen Schatz auf einem Flohmarkt in Paris. Die Drehorgel ist das älteste Instrument der Sammlung und stammt etwa aus dem Jahr 1760.


Peter Rohrers Leidenschaft für mechanische Musikinstrumente ist schon früh in ihm entflammt. Sein erstes Instrument kaufte er nach seiner Lehre vor rund 50 Jahren. Seither hat er immer weiter gesammelt, bis die Instrumente nicht mehr in seine Wohnung passten.

Deshalb entschloss er sich vor zwölf Jahren, den Schuppen in seinem Hinterhof zu einem Museum umzubauen und eine Stiftung zu gründen, in deren Besitz sich die Instrumente nun befinden. Laut Rohrer kommen pro Jahr rund 100 Besuchergruppen vorbei, die sich die Musikinstrumente erklären lassen und sich an deren Melodien erfreuen. Helena Krauser