Die Schweiz ist im Reisefieber: Koffer werden gepackt, der Pass bereitgelegt und alle nötigen Vorbereitungen getroffen. Natürlich spielt dabei auch die Reiseapotheke eine wichtige Rolle. Vor allem Ferien in exotischen Ländern verlangen oft den Kauf von teuren Medikamenten wie zum Beispiel Artemether/Lumefantrin zur Malaria-Prophylaxe. Oder jene Mittel, die man nehmen muss, wenn man die Krankheit einmal hat. Ist alles gut gegangen, werden solche Medikamente nach der Rückkehr aus dem Urlaub meist unbenutzt weggeworfen. Dem wollen Schweizer Apotheken nun entgegenwirken, indem sie «Medikamente zum Mieten» anbieten.

Enrik Hippmann, Apotheker und Inhaber der Engel-Kronen-Apotheke in Rorschach, tut dies bereits seit vielen Jahren. Er und sein Team vermieten ihren Kunden individuell zusammengestellte Reiseapotheken und ersparen ihnen somit unnötige Ausgaben. «Wir besprechen immer erst genau mit unseren Kunden, wohin die Reise geht und was sie alles benötigen, und stellen dann ein passendes Reiseköfferchen zusammen», erzählt eine Angestellte der Apotheke. Die Arzneimittel werden in Folien eingeschweisst, durch die Welt getragen und danach wieder zurückgebracht. «Diejenigen Medikamente, die gebraucht wurden, werden verrechnet. Ungeöffnete Packungen werden nach Möglichkeit wiederverwendet», so die Angestellte weiter. Zusätzlich zu den gebrauchten Arzneimitteln kostet die Miete der besagten Reiseköfferchen einen Franken pro Tag.

Nur frei erhältliche Medikamente

In den Köfferchen können sich Medikamente gegen Kopfweh, Bauchschmerzen oder ähnliches befinden, jedoch keine rezeptpflichtigen Arzneimittel. Obwohl dieses Konzept eine dankbare Lösung darstellen könnte, stösst es bei anderen Apothekern auf viel Kritik: «In der Apotheke gelten strenge Regeln für die Abgabe von Medikamenten. Die pharmazeutische Sorgfaltspflicht schliesst auch ein, dass kein verantwortungsbewusster Apotheker Medikamente zurücknimmt, um sie wieder zu verkaufen. Und dann geht ein Apotheker hin und vermietet Medikamente für Ferienreisen», lautet etwa ein Kommentar im Journal des unabhängigen Apothekerverbands IFAK. Und weiter: «Unterwegs werden die Produkte in brütend heissen Autos, in überhitzten Stauräumen von Bussen und im flirrenden UV-Licht am Strand praktisch gekocht, nach zwei bis drei Wochen, nachdem sie womöglich zu Hause weitere Tage im Bad oder in der Küche herumlagen, endlich zurückgebracht und dem nächsten Kunden vermietet. Das ist verantwortungslos und gefährlich.»

Scharfe Kritik auch aus Basel

Auch Stephan Meyer, Geschäftsführer der Amavita-Apotheke in Basel, lehnt das Konzept ab. «Wir kümmern uns um eine korrekte Lagerung der Medikamente bis zum Verkauf. Was nachher passiert, liegt nicht in unserer Hand und deshalb nehmen wir auch keine Medikamente zurück.» Ein solches Verhalten sei rechtlich und sicherheitstechnisch nicht vertretbar.

«Mir sind bisher in unserem Kanton keine Vermietungen von Reiseapotheken bekannt», sagt Thomas Steffen, Kantonsarzt und Leiter der Abteilung Präventiv- und Sozialmedizin. «Bei solchen Vermietungen wäre zu prüfen, welche Art der Medikamente vermietet wird und ob die notwendige Produktesicherheit gewährleistet werden kann.» Und weiter: «Sichergestellt werden müsste je nach Inhalt zum Beispiel die korrekte Lagerung, die Unversehrtheit der Produkte und die Ausschliessung eines Missbrauchs.» Wie also kann Hippmann sicherstellen, dass seine Medikamente vor Wärme, Licht und Feuchtigkeit geschützt sind? «Die Arzneimittel sind auf die Verhältnisse der Reiseziele getestet», so der Apotheker. Zudem könne man an der Folie, in welche die Medikamente eingeschweisst werden, gut erkennen, ob das Arzneimittel gebraucht wurde oder nicht. Dass das Konzept unter Basels Apothekern doch noch Freunde findet, scheint derzeit unwahrscheinlich.