Das Handy im Skianzug vibriert und piept wie verrückt, doch es ist nicht die Tochter, die sich von unterhalb der Nebeldecke übers Wohlergehen erkundet, sondern die Überwachungskamera. Und zwar nicht nur mit lieben Grüssen, sondern mit einer Live-Übertragung per Video eines Einbrechers, der gerade in die eigenen vier Wände einsteigt. 1-1-7, «Polizei, bei mir wird eingebrochen, sie sind schon in der Garage...»

Die Szene ist zwar frei erfunden, aber deswegen nicht weit weg von der Realität, wie Jugendanwältin Verena Schmid Lüpke bestätigt. 2017 habe eine Überwachungskamera, die Bilder eines Einbruchs ans Smartphone des Hauseigentümers schickte, zur Festnahme einer Gruppe Jugendlicher geführt. Auch Hans Ammann, Chef der Kriminalpolizei Basel-Stadt, kennt solche Fälle.

Noch stärker sei allerdings der präventive Effekt von Überwachungskameras. «Egal, ob es sich um tatsächliche Kameras oder um gut gemachte Attrappen handelt», sagt er. Und natürlich sei auch klassische Polizeiarbeit mit Präsenz in den Quartieren und Personenkontrollen mit ihrer abschreckenden Wirkung verantwortlich dafür, dass die Einbruchszahlen in Basel-Stadt im vergangenen Jahr signifikant zurückgegangen sind.

Drei statt vier Einbrüche pro Tag

Tatsächlich sind die Deliktszahlen stark rückläufig: 1028 Einbruchsdiebstähle sind 2018 verzeichnet worden, das sind knapp drei pro Tag. In den Vorjahren waren es jeweils rund 1350 oder knapp einen mehr pro Tag, 2013 sogar noch 1608. Gleichzeitig steigt auch die Aufklärungsrate; von durchschnittlich 17,6 Prozent im Vierjahresschnitt auf 20,6 Prozent im vergangenen Jahr.

Dafür hat Ammann eine einleuchtende Erklärung: «Wenn wir weniger Fälle haben, so bleibt mehr Zeit, um den begangenen Einbrüchen nachzugehen.» Und mittels DNA-Analyse könnten heute auch Fälle aufgeklärt werden, die länger zurückliegen. «Die Aufklärungszahlen in den Statistiken sind demnach tendenziell zu tief», sagt er. Ob Überwachungskameras mitverantwortlich sind für die höheren Aufklärungsraten, ist unklar. Ebenso unklar ist, wie viele dieser Geräte bereits im Einsatz sind.

Der Kanton verfügt über keinerlei Zahlen; am ehesten Bescheid weiss vermutlich Alex Hämmerli. Er ist Mediensprecher bei Digitec Galaxus, dem grössten Onlinehändler der Schweiz. Er sagt: «Der Umsatz mit Überwachungskameras hat bei uns von 2017 auf 2018 um 170 Prozent zugenommen.» Mit Produkten aus dem Bereich Einbruchschutz würden bei Digitec und Galaxus jährlich mehrere Millionen umgesetzt.

Trend zu Premium-Produkten

Das starke Verkaufswachstum der vergangenen Jahre habe unter anderem damit zu tun, dass früher Spezialisten nötig gewesen seien, um eine Überwachungskamera in Betrieb zu nehmen. «Heute können Privatpersonen sogar mehrteilige Sicherheitssysteme selbstständig in Betrieb nehmen.» Digitec rechne für die die kommenden Jahre mit einem weiteren Wachstum in diesem Produktsegment. «Wir spüren ausserdem den Trend hin zu Premium-Produkten, die im Set über 1000 Franken kosten können», sagt der Mediensprecher.

Gerade sei der letzte Schrei in Sachen Überwachungskameras eingetroffen – die erste Smart-Kamera mit vierfacher HD-Auflösung und automatischer Zoom-Funktion. Über die der erste Digitec-Tester begeistert schreibt: «Damit kannst du die Pickel deiner Einbrecher zählen.»