Rheinschifffahrt

Rekord: Erster 135-Meter-Kahn durchquert Basel

Faszinierend: Die 135 Meter lange Helena fährt durch Basel und passiert die Schleuse in Birsfelden.

Faszinierend: Die 135 Meter lange Helena fährt durch Basel und passiert die Schleuse in Birsfelden.

Genau am Tag, an dem die Rheintalstrecke wieder eröffnet wurde, hat ein erstes 135-Meter-Schiff die Ausnahmebewilligung des Bundes genutzt – als Probelauf für 2018.

Es sind nur zehn zusätzliche Meter – aber dass die «Helena» am Montag die Mittlere Brücke passieren und in Birsfelden geschleust werden durfte, brauchte ein Eisenbahnunglück in Deutschland und eine Ausnahmezulassung des Bundesamts für Verkehr. «Wir haben die Ausnahmebewilligung beantragt, weil es durch den Unterbruch der Rheintalbahn zu Engpässen in der Logistik kam und 135-Meter-Schiffe die Situation entschärfen können», sagt Simon Oberbeck von den Schweizerischen Rheinhäfen.

Dass die erste solche Fahrt just am Tag durchgeführt wurde, an dem die seit Mitte August gesperrte Zugstrecke zwischen Karlsruhe und Basel wieder freigegeben wurde, sei reiner Zufall, sagt Oberbeck. «Wir sehen die Probefahrten auch als Testlauf, da wir davon ausgehen, dass 135-Meter-Schiffe ab 2018 sowieso zugelassen werden.» Die entsprechende Verordnung befinde sich derzeit in Vernehmlassung.

Diese Schiffskategorie hat sich laut Oberbeck auf dem Rheinabschnitt bis Basel durchgesetzt. Auch die Schleuse in Birsfelden sei lang genug. «Die längere der beiden Kammern misst 190 Meter, was im Normalfall für einen Schubverband mit zwei Schiffen reicht. Die neuen 135-Meter-Schiffe werden jeweils mit einer Ausnahmebewilligung einzeln geschleust.» Das werde auch mit der neuen, ab 2018 gültigen Verordnung so gehandhabt.

Training am Simulator

Einen 135-Meter-Kahn rheinaufwärts durch die Mittlere Brücke und in die enge Schleuseneinfahrt zu manövrieren, das braucht viel Erfahrung und Geschick. Und darf nur von speziell ausgebildeten Lotsen durchgeführt werden. Im Falle der Probefahrt vom Montag waren sogar zwei Lotsen an Bord. «Die Lotsen sind diese Schiffstypen gewohnt und haben die Stadt- und Schleusendurchfahrt im Simulator trainiert», sagt Oberbeck. Roland Blessinger, Mitglied der Geschäftsleitung und Passagier auf der ‹Helena›, sagte zum Reporter der SRF-Tagesschau, der mit einer Kamera an Bord war: «Die Herausforderung ist, dass man in Basel das Rheinknie hat. Und da haben wir¨ünf Brücken. Da gilt es mit den 135-Meter-Schiffen den optimalen Kurs zu fahren.»

Bei der Mittleren Brücke, die ohne Ausnahmebewilligung des Bundes bisher für solche Schiffe nicht passierbar war, kommt zur seitlichen Enge noch die Knappheit nach oben dazu. Der Lotse fährt das Dach ein beim Passieren und verlässt sich zusätzlich auf Videokameras, um den seitlichen Abstand einschätzen zu können. «Die Mittlere Brücke ist bekannt für die tiefe Durchfahrt», sagt Blessinger.

Länger geht, breiter ist unmöglich

Wie eng die Verhältnisse in der Schleuse sind, zeigt sich auf dem Blick von oben: Wobei die «Helena» mit 11,45 Metern Breite kein Zentimeter breiter ist als der 110-Meter-Kahn GMS Bern, der am Montagnachmittag gleichzeitig geschleust wurde. «Die Breite ist normiert und hat mit der Länge nichts zu tun», erklärt Oberbeck. Alle Schleusen auf dem Rhein seien exakt 12 Meter breit – die Durchfahrt sei für Lotsen und Kapitäne absolute Routine.

Die Ausnahmebewilligung des Bundes gilt noch bis Ende Oktober. Oberbeck erwartet, dass es bis dann noch mehrere Probefahrten geben wird. «Es wird auch mit der neuen Verordnung so sein, dass alle Schiffe zunächst eine Probefahrt durchführen müssen. Wir haben bereits mehrere Anfragen für Probefahrten bis Ende Monat von Schiffsbetreibern, die rechtzeitig auf die Gesetzesänderung bereit sein wollen.»

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