Erinnern Sie sich an die erste Juli-Woche 2015? Ein Tipp: Es war heiss, sehr heiss. Wenn Sie in Basel waren, dann haben sie geschwitzt und vermutlich schlecht geschlafen. Die Stadt fühlte sich an wie ein Backofen mit eingeschalteter Grillfunktion, Meteo Schweiz meldete für Basel eine Woche lang durchschnittliche Tagesmaximal-Temperaturen von 34,7 Grad.

«Wegen der Sommerhitze waren 2015 rund 800 Todesfälle mehr zu beklagen als in einem normalen Jahr», schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem letzte Woche veröffentlichten Bericht.

Darin enthalten sind auch Zukunftsperspektiven, und diese zeigen: Ein Sommer wie 2015 wird ab Mitte dieses Jahrhunderts zum Normalfall. «Hitzewellen mit sieben aufeinanderfolgenden Tagen über 30 Grad kamen in der Periode von 1980 bis 2009 in Basel ungefähr jedes zehnte Jahr vor.

Mit dem Klimawandel werden solche Verhältnisse in Zukunft deutlich häufiger auftreten. Mitte des Jahrhunderts dürfte es in Basel im Mittel sogar jedes Jahr zu einer Hitzewelle kommen», schreiben die Experten. Und fügen an: «Extremereignisse werden entsprechend noch höhere Temperaturen aufweisen, sodass die heisseste Woche künftig in einzelnen Jahren nochmals einige Grade wärmer sein wird.»

Zusätzlicher Wärmeinsel-Effekt

Dazu komme, dass die Temperaturen für Basel bei der Messstation in Binningen gemessen werden. In städtischen Gebieten seien die Temperaturen aber jeweils noch höher: Weil wegen der dichten Bebauung die Windzirkulation eingeschränkt ist, weil die einfallende Sonnenstrahlung durch die vielen versiegelten Flächen absorbiert wird und weil Industrie, Gebäude und Verkehr ihrerseits Wärme abgeben. Dieser Wärmeinsel-Effekt steigere die Aufheizung tagsüber und reduziere die nächtliche Abkühlung deutlich.

Basel revidiert Klima-Planung

Die neuen Erkenntnisse aus der Bafu-Studie werden nun konkrete Einflüsse auf die Basler Klima-Planung haben. Dominik Keller vom Amt für Umwelt und Energie sagt, dass der Klimafolgenbericht aus dem Jahr 2011 derzeit überarbeitet werde und die Ergebnisse berücksichtigt würden.

Bereits in der ersten Version des Klimafolgenberichts wurde mit einer Zunahme von Hitzewellen gerechnet, eine genaue Quantifizierung wie in der Bafu-Studie wurde jedoch noch nicht angegeben. Dafür wurden die konkreten Auswirkungen von Hitzewellen thematisiert:

Gesundheit: Herz-Kreislauf-Probleme, Dehydratation, Hitzeschlag und Hyperthermie werden zunehmen, besonders bei älteren Personen und Kleinkindern. Im Hitzesommer 2003 wurden in Basel 128 zusätzliche Todesfälle registriert, was einer Zunahme von 24,4 Prozent entspricht im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Ökologie: Der Temperaturanstieg der Fliessgewässer ist für die Gewässerökologie schädlich. Gerade im Sommer besteht ein grosser Kühlbedarf in der Industrie, welche durch die Nutzung von Flusswasser zu Kühlzwecken zusätzlich einen Wärmeeintrag in die Fliessgewässer verursacht.

Trinkwasser: Hitzewellen führen durch verstärkte Wärmeübertragung im Leitungssystem und in den Reservoirs zu erhöhten Trinkwassertemperaturen und damit Qualitätseinbussen.

Luft: Die Klimaänderung wird sich im Sommer negativ auf die Luftqualität, speziell die Ozonbelastung, auswirken.

Wie alle Prognosen unterliegen auch die Annahmen von Meteo Schweiz gewissen Unsicherheiten. Die Klimatologen geben im Bericht an, dass den Berechnungen «14 unterschiedliche Kombinationen globaler und regionaler Klimamodelle zugrunde liegen», die jedoch allesamt eine Häufung von Hitzeereignissen vorhersehen.

Für die Klimaperiode ab 2040 ergeben sich daher für Basel minimal jedes zweite Jahr und maximal fast zweimal jährlich Hitzewellen (siehe Grafik oben) – und das, obwohl sämtlichen Prognosen bezüglich des künftigen CO2-Ausstosses ein «optimistisches Szenario» zugrunde liegt, wie die Autoren schreiben. Für stärkere Emissionsszenarien seien prinzipiell auch noch häufiger Hitzewellen zu erwarten.