Die Temperatur im Rhein hat eine kritische Grenze erreicht: Bei 26 Grad sterben die Salmoniden, also Fische wie die Äsche und die Forellen. Darum gilt ab einer Wassertemperatur von 25 Grad eigentlich von Gesetzes wegen, es darf kein Wasser mehr für Kühlzwecke entnommen werden. Damit nicht auch noch der Mensch zur Erwärmung des Flusses beiträgt, der - vor allem im Bodensee - schon von der Natur mächtig aufgeheizt wird.

Aber von dieser Regel gibt es zahlreiche Ausnahmen. Beispielsweise dürfen die Atomkraftwerke am Rhein weiterhin mit dessen Wasser kühlen. Und dabei jagen sie die Temperatur um bis zu ein Grad nach oben, wie der Leiter des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt (AUE), Matthias Nabholz sagt. Sein Amt hat für das Gebiet von Basel-Stadt zahlreiche Spezialbewilligungen an Institutionen erteilt, die ihre Anlagen mit Rheinwasser kühlen. Diese Befugnis hat das AUE laut Gewässerschutzgesetz neuerdings. Bei der letzten Hitzewelle im Sommer 2013 wurden solche Sonderbewilligungen noch auf wackliger rechtlicher Grundlage erteilt. In Basel sind es vor allem die grossen Pharma-Unternehmen, die ihre Medikamentenproduktion mit Rheinwasser kühlen müssen. Dabei gibt es klare Regeln, wie Nabholz sagt, beispielsweise darf jeder Einleiter von Kühlwasser die Temperatur des Rheins um nicht mehr als 0,01 Grad nach oben treiben. Also um einen Hundertstel dessen, was ein einzelnes Schweizer Atomkraftwerk verursacht.

Massnahmen ergriffen

Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass hat bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Leistung des Reaktors 2 von 900 auf 600 Megawatt heruntergefahren. Grund dafür ist, dass der Rheinseitenkanal die von den französischen Behörden erlaubte Höchsttemperatur überschritten hat. Und die liegt in Frankreich sogar drei Grad höher, als in der Schweiz, also bei 28 Grad. Sollte die Hitze anhalten, könnte das Kraftwerk eventuell abgestellt werden müssen. Im Landkreis Lörrach wurde bis Ende August die Wasserentnahme aus allen Gewässern verboten.

Mehr schwitzen im Büro

Im Universitätsspital Basel (USB) setzt man auf Vater Rhein, um die Lüftung zu betreiben. Das Rheinwasser besorgt die Rückkühlung der Luft. Wie Monica Terragni sagt, habe man Massnahmen getroffen, um den Rhein möglichst wenig zu belasten. In den Gängen des Spitals wird die Luft um zwei Grad weniger gekühlt. In den kritischen Bereichen, wie etwa den Operationssälen läuft die Kühlung elektrisch und ohne Zuhilfenahme von Rheinwasser. Dort kann man die erforderliche, sehr tiefe Temperatur also weiterhin halten, ohne den Forellen zu schaden.

Auch bei Novartis reduziert man die Kühlung in den Bürogebäuden, die mit Rheinwasser gekühlt werden, teilt Sprecher Daniel Zehnder mit. Aber auch die Produktion werde dort gedrosselt, wo man auf flusswassergestützte Kühlung angewiesen sei. Dies sei aber an sehr wenigen Standorten der Fall. Glück haben jene Novartisangestellten, die in den neuen Gebäuden auf dem Campus arbeiten. Diese Gebäude werden mit einem Erdwärme/Erdkälte-Register gekühlt und brauchen darum kein Wasser, um die hier Arbeitenden vor der Hitze zu schützen. Bei der Konkurrentin ennet des Rheins, der Roche, ist die Lage um einiges entspannter. Wie Sprecher Karsten Kleine schreibt, sei die Roche «weitestgehend unabhängig, da wir in den letzten Jahren im Areal Kühlanlagen installiert haben. Ausserdem verfügen wird über ein Brauchwassernetz.»

Wenig Grund zur Hoffnung

Trotzdem, Matthias Nabholz ist für die weitere Entwicklung wenig optimistisch. Er geht davon aus, dass die Rheintemperatur weiter steigen wird. Und sagt auch, man könne das in Basel-Stadt nicht verhindern. Auf den sieben Kilometern, die der Rhein durch Basel fliesst, wird der Kampf um das Leben der Salmoniden nicht entschieden werden. Ein Kampf, der aller Voraussicht nach verloren gehen wird.