Kaum Frauen in der engeren Auswahl: Bei der Suche nach einer Nachfolge für den abtretenden Theologie-Professor Ekkehard Stegemann werden die Verantwortlichen der Universität Basel mit Vorwürfen aus den eigenen Reihen konfrontiert (die bz berichtete).

Eine der kritischen Stimmen gehört Helen Schüngel-Straumann, Präsidentin der Helen Straumann-Stiftung für Feministische Theologie. Die Professorin an der Uni Kassel ist während ihrer Karriere immer wieder auf ähnliche Fälle gestossen.

«Vor mehr als 20 Jahren habe ich mich an einer deutschen Universität auf eine Stelle beworben und danach mitbekommen, dass die Begründung für die Absage die war, dass die Verantwortlichen keine Frau ernennen wollten.» Dass es auch heute noch ähnliche Vorfälle gibt, ist für sie unverständlich.

Dossier liegt auf dem Rektorat

Auch Antonio Loprieno, der bis gestern noch in den Ferien weilte, hat die Diskussionen rund um die Neubesetzung der Stelle Stegemann mitbekommen. Der Uni-Rektor will sich zum laufenden Verfahren nicht äussern: «Erstens ist es mir institutionell nicht erlaubt, über ein laufendes Verfahren zu sprechen, zweitens weiss ich eigentlich gar nichts.»

Das Dossier zur uniinternen Debatte über Stegemanns Nachfolge liege seit einer Weile auf dem Rektorat, er habe sich bis jetzt aber noch nicht damit auseinandergesetzt. Einen ähnlichen Fall unter seinem Rektorat hat Loprieno nicht in Erinnerung. «Ab und zu gibt es Fälle, bei denen die Besetzung einer Professur für Unzufriedenheit sorgt», erzählt er, «aber das war bisher immer erst bei einer definitiven Entscheidung der Fall.»

Weibliche Kompetenzen erkennen

Keine neue Situation ist für den Rektor allerdings die Problematik des geringen Frauenanteils. In der Theologischen Fakultät sind sogar neun von neun Professuren durch Männer besetzt.

Zwei mögliche Gründe gibt es Loprienos Ansicht nach für die hohe Anzahl an männlichen Professoren: Entweder, die Zahl an männlichen Kandidaten sei übermässig hoch - «das gibt es wohl auch in einigen Naturwissenschaften» - oder es handle sich um eine Generationenfrage, wie sie bereits der Dekan der theologischen Fakultät, Martin Wallraff, erwähnt hatte.

Damit Professuren in Zukunft vermehrt auch von Frauen besetzt werden, würden die Verantwortlichen der einzelnen Fakultäten vermehrt Frauen auf offene Stellen ansprechen und diese ermuntern, sich zu bewerben.

«Die Uni muss sich bemühen, weibliche Kompetenzen frühzeitig zu erkennen», sagt Loprieno. «Wir wollen qualifizierte Frauen auf einen Job aufmerksam machen.»

Zurückhaltend reagierte gestern das Basler Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern. «Wir sind nicht für die Uni zuständig und können zu diesem Fall nicht Stellung nehmen,» sagt Mitarbeiterin Regula Bühlmann, «aber wir begrüssen es selbstverständlich, wenn der Professorinnenanteil erhöht werden kann.»

Wie sich das Verfahren an der theologischen Fakultät entwickelt, wird sich am 19. August erweisen. Dann kommt es zu einem Gespräch zwischen dem Rektor, der Berufungskommission und Kirchenratspräsident Kundert.

«Ich hoffe, dass wir uns dabei auf das Verfahren konzentrieren können und nicht zu sehr über einzelne Personen sprechen werden», sagt Loprieno.