Lebhafte Farben zieren die weissen Wände der Galerie Daeppen. Knapp bekleidete Frauen und Skelette tanzen durcheinander. Nebenan eine Leinwand mit knallblauem Himmel, während ein Flugzeug in die Twin Towers in New York fliegt. Ein Hund auf einem Tisch, darunter steht in Grossbuchstaben «In dog we trust» geschrieben: Remo Keller verbindet in seiner Kunst fröhliche Farben mit politischen Themen und feinen Wortspielereien. Die daraus entstehenden Werke zu übersehen, ist unmöglich.

Heute Samstag Abend findet in der Galerie mit der grossen Fensterfront die Vernissage von Kellers neuster Ausstellung statt. Der 44-Jährige, für den Arbeit und Freizeit das Gleiche bedeutet, zündet sich eine Zigarette an. Selbst auf den Armen des Mannes mit dem schulterlangen, schwarzen Haar lebt die Kunst: Da sind Tattoos, unter anderem Motive seiner Arbeiten, verewigt. «Das Neuste ist schon fünf Jahre alt. Es wird Zeit, dass ich wieder eines stechen lasse», sagt er zurückhaltend.

Überhaupt ist Kellers Rock-’n’-Roll-Naturell vor allem in seiner Kunst zu sehen: Im Gespräch gibt er sich überraschend ruhig.

Der Kunstschaffende besuchte nach der obligatorischen Schulzeit die Kunstgewerbeschule in Zürich und absolvierte dort den Vorkurs für Gestaltung. «Seit dann mache ich dieses Zeug», sagt er lachend.

Nur keine Rassisten

Als Mitglied einer Punkband in Schaffhausen begann er mit dem Malen von Flyern und Plakaten und fand so zu seinem heutigen Stil, den er selbst als «Pop-Brut» bezeichnet: irgendwo zwischen Warhols Pop-Art und verrückter Kunst im Stile der Art brut. Für seine Kunstwerke verwendet der Mann mit den schwarzen Haaren diverse Materialien: Mit Acrylfarben malt er auf Papier, Karton, Leinwände oder Holz. «Je nachdem, was gerade vorhanden ist.»

Wenn Leute seine klar gemalten Bilder mit Comics in Verbindung bringen, dann ist er damit völlig einverstanden. Mit der gleichen Offenheit begegnet er seinem Publikum: «Ich wehre mich gegen diesen Kunstszenenkuchen. Ein superintellektueller Hintergrund ist bei meiner Kunst nicht nötig.» Nur Rassisten und Sexisten wolle er nicht als Besucher haben, «aber die gehören sowieso nirgendwo hin».

Die Kunst, Freude zu vermitteln

Nebst der Malerei widmet sich Keller seiner Band DennerClan. Musik und Malerei fliessen bei ihm ineinander. Zusammen mit einem Mitglied aus früheren Bandzeiten, Roman Mäder, hat er 1999 das Künstlerduo Milk & Wodka gegründet und damit auch schon in vielen europäischen Städten ausgestellt. Der Name des Duos ist während einer Bandreise nach Slowenien entstanden. «Dort trinken sie das! Milch und Wodka pur.»

Mit seinem Leben, bei dem sich alles um Kunst dreht – sei dies nun als bildender Künstler oder als Mitglied einer Band – ist Keller zufrieden. Ironisch fügt er an: «Wenn es noch besser wird, dann ist das natürlich auch gut.» Er erhalte viele Angebote, trotzdem müsse er «schon immer aufs Geld schauen».

Eine Botschaft vermitteln will der Künstler nicht unbedingt. «Vor allem möchte ich mit meiner Kunst Freude bereiten.» Bei seinen Bildern mit musizierenden Skeletten ist die Assoziation mit dem von Fröhlichkeit dominierten mexikanischen Totenfest «Dia de los muertos» also ziemlich treffend. Der schwarze Humor kommt in Kellers Werken auf jeden Fall nicht zu kurz.

Die Ausstellung in der Galerie Daeppen an der Basler Müllheimerstrasse 144 ist gratis und läuft bis zum 12.Mai.