Nach der umfangreichen Renovation erstrahlt der Spiesshof im neuen Glanz. 150 Jahre lang hat der Gebäudekomplex am Heuberg 5 und 7 ein Schattendasein gefristet. Der historisch wertvolle Komplex war als Verwaltungsgebäude der Centralbahngesellschaft (später SBB) genutzt worden. Nachdem Jürg Eichenberger die Liegenschaft erworben hatte, wurde sie zu neuem Leben erweckt.

Der Basler Heimatschutz lobt das Engagement des neuen Eigentümers für die fachgerechte Restaurierung der komplexen historischen Bausubstanz: Der Spiesshof wird als eines von drei Projekten mit der Bautenprämierung 2010 ausgezeichnet. «Mit Christian Lang fand der Bauherr einen Architekten, der dieser anspruchsvollen Aufgabe gewachsen war und ausgesprochen innovative Lösungen zustande brachte», schreibt der Heimatschutz bei der Würdigung. Christian Lang (Villa Nova Architekten AG, Basel) hatte schon mit der Sanierung des Hotels Les Trois Rois Berühmtheit erlangt.

Projekt als «Glücksfall»

Auch der Kunsthistoriker Martin Möhle, bei der kantonalen Denkmalpflege zuständig für das Kunstdenkmälerinventar, bezeichnet das Projekt als «Glücksfall». Der Eigentümer habe den Komplex ohne Zeitdruck sanieren lassen und verzichte bewusst auf eine intensive Nutzung. Sämtliche Sanitärräume, Küchen und der Aufzug konnten in einen Anbau mit früherem Toilettenschacht integriert werden, ohne die historische Bausubstanz stark zu beeinträchtigen. In der Liegenschaft sind neu eine Anwaltskanzlei und mehrere Wohnungen untergebracht.

Erbaut wurde der Renaissanceflügel des Spiesshofs 1585 bis 1590. Der Handelsherr Balthasar Irmi liess ihn durch den berühmten Baumeister Daniel Heintz errichten. Der Flügelbau mit seinen Festsälen zählt zu den bekanntesten Schweizer Bauwerken der Renaissancezeit. Mit dem Zunfthaus zu Weinleuten am Marktplatz, wo heute die Bank Cial untergebracht ist, gehört der Spiesshof zu den einzigen Zeugen dieser Baukunst in der Region Basel.

Wunderschöne Kassettendecke

Im ersten Stock liess Irmi 1590 einen vertäferten Saal mit einer wunderschönen Kassettendecke bauen. Unter seinem Nachfolger Hieronymus Mentelin entstand im zweiten Obergeschoss eine weitere Täferstube.

Beide wurden 1891 ausgebaut und ins Historische Museum verfrachtet, wo sie als «grosse und kleine Spiesshofstube» ausgestellt wurden. Dass bei der Renovation die grosse Kassettendecke vom Historischen Museum zurück in den Spiesshof gebracht werden konnte, ist laut Möhle ein weiterer Glücksfall. «Die Decke konnte mit den alten Eisenbändern aufgehängt werden, alles hat zentimetergenau gepasst.»

Kunsthistorisch ebenfalls wertvoll ist das Barockgebäude, mit dem die Anlage 1724 rechts vom Renaissanceflügel vervollständigt wurde. Beim Anbau handle es sich um ein Frühwerk des französischen Barocks in Basel, erklärt Möhle. Ein weiterer Zeitzeuge dieser Baustilepoche ist beispielsweise der Ramsteinerhof in der Rittergasse.