Herr Salvi, worüber sprechen wir heute?

Über Neuanfänge, das passt ja perfekt.

Weshalb?

Jeder Tag ist ein Neubeginn. Vor allem in meinem Beruf, in dem kein Tag wie der andere ist. Im vergangenen Jahr hat sich für mich viel verändert. Zum einen habe ich mich nach elf Jahren Fasnachtskiechli von meinem Bühnenpartner Patrick Allmandinger (Almi) getrennt und eine neue Vorfasnachtsveranstaltung, das Kopfladäärnli, ins Leben gerufen. Zum anderen arbeite ich neu als Theater-Projektmanager bei der Firma Pamy Media Productions.

Die Medien haben Ihre Trennung von Almi mehrfach aufgegriffen. Wie war das für Sie?

Nicht so dramatisch, wie sich das alle vorstellen. Ich war schon lange unzufrieden. Almi und ich waren auch nie wirklich beste Freunde. Es hat sich bei unseren Zuschauern einfach gut gemacht, wenn sie dachten, wir würden auch zusammen in die Ferien gehen und ab und zu ein Bier trinken. Privat haben wir uns aber damals schon nie getroffen.

Sie mussten also keinen Selbstfindungstrip machen und sich auch nicht neu erfinden?

Nein, überhaupt nicht. Das Einzige, was sich geändert hat, ist meine Laune. Meine Frau sagt mir oft, dass ich viel entspannter und fröhlicher sei. Während der Zeit als Duo habe ich meine Unzufriedenheit auch an meinen Mitmenschen ausgelassen und war oft gereizt oder verkrampft. Ich merke ausserdem, dass ich in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen werde.

Wieso das?

Mein ehemaliger Bühnenpartner hatte die Rolle des «Dotteli». Die hat er auch abseits der Bühne gespielt. Ich übernahm immer den Grossteil der Arbeit. Heute habe ich den gleichen Arbeitsaufwand wie früher, nur dass ich mein eigenes Ding durchziehen kann. Ich merke aber auch, dass die Leute vorsichtig sind, wenn es um meine neuen Produktionen geht. Sie wollen sich zuerst überzeugen, dass ich auch alleine bestehen kann. Vielfach werde ich immer noch mit Almi in einen Topf geworfen und als Hallodri abgestempelt. Ich möchte, dass die Leute sehen, dass ich ganz anders bin.

Hatten Sie keine Angst, Almi und Salvi und das Fasnachtskiechli aufzugeben?

Als Schauspieler in meinem Umfeld hat man sowieso immer Existenzängste. Bei mir ist es sogar eine regelrechte Panik. Ich frage mich bei jeder neuen Produktion: Was, wenn sich ein Schauspieler das Bein bricht? Was, wenn sich die Tickets nicht verkaufen? Was, wenn die Location abbrennt?

Das klingt ja anstrengend. Wie beruhigen Sie sich?

Was mir hilft, ist die Freude am Spielen und Produzieren. Ich lasse mich heute nur noch auf Dinge ein, die mir Spass machen und auf die ich wirklich Lust habe. Es ist zwar immer noch zu viel (lacht), aber ich mache alles gerne. Wenn die Panik steigt, denke ich mir auch immer: Konkurs gegangen bin ich noch nie. Bis jetzt haben immer alle, mit denen ich zusammengearbeitet habe, ihren Lohn bekommen. Wenn einer leer ausging, dann war das ich.

Haben Sie auch beim Kopfladäärnli gewisse Ängste?

Ja, sicher. Die Offene Kirche Elisabethen, wo das ganze stattfinden wird, lässt auch viel Raum für Horrorszenarien, die ich mir ausmale. Einen Brand zum Beispiel. Auf das Kopfladäärnli freue ich mich aber vor allem. Die Vorfasnacht bietet so viel Platz für Kreativität. Für mich ist sie eine Spielwiese. Es geht um eine Region und das Thema verbindet alle.

Wieso soll gerade das Kopfladäärnli zwischen Pfyfferli, Charivari und all den anderen Vorfasnachtsveranstaltungen bestehen?

Weil es nicht nur für die Ur-Fasnächtler gemacht ist. Auch jemand, der die Gerbergasse und die grossen Cliquen nicht kennt, soll beim Kopfladäärnli lachen können. Zum Beispiel haben wir eine Nummer, bei der es um Arbeitslosigkeit im Alter geht. Die versteht jeder, ob Basler oder nicht. Ausserdem haben wir insgesamt sieben Schnitzelbänke, auf die wir stolz sind.

Neben dem Kopfladäärnli haben Sie dieses Jahr noch etwas Neues angefangen. Sie spielen ab Oktober im Scala bei der Basler Fassung des Stücks «Polizeiruf 117» mit und waren auch bei der Produktion dabei. Wann war Ihre letzte Begegnung mit der Polizei?

Da kommt mir eine Geschichte in den Sinn. Ich wohne am Münsterberg und eines Nachts hörte ich vor meiner Wohnung eine Frau um Hilfe schreien. Als ich dann eine Minute später in Unterhosen und Unterhemd und mit einer Leiter bewaffnet vor ihr und zwei Männern stand, stellte sich heraus, dass die drei betrunken waren und herumblödelten. Es war eher unangenehm, das alles der Polizei zu erklären, die meine Frau gerufen hatte.

Wegen Ihnen wurde die Polizei noch nie gerufen?

Zum Glück nicht. In «Polizeiruf 117» werde ich von meiner Kollegin Annina Frey mit Handschellen an einen Stuhl gekettet. Das reicht mir bereits. Annina entschuldigt sich jedes Mal leise. Das würde ein Polizist wohl nicht tun.