MCH Group
René Kamm: «Das grösste Risiko ist, dass gute Leute abspringen und zur Konkurrenz gehen»

Die Basler Messebetreiberin MCH Group hat den amerikanischen Eventveranstalter MC2 gekauft. Wir haben mit René Kamm, CEO der MCh Group, über die Übernahme gesprochen.

Stefan Schuppli
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René Kamm (l.), mit Regierungspräsident Guy Morin, Bundesrat Alain Berset und Ulrich Vischer (VR-Präsident MCH Group) beim Ribbon Cut an der letztjährigen Muba.

René Kamm (l.), mit Regierungspräsident Guy Morin, Bundesrat Alain Berset und Ulrich Vischer (VR-Präsident MCH Group) beim Ribbon Cut an der letztjährigen Muba.

Kenneth Nars

Herr Kamm, wie sind Sie auf die Firma MC2 gestossen?

René Kamm: Wir halten seit Jahren Ausschau nach Firmen, die zu uns passen und unser Angebot optimal ergänzen, auch in den USA. Wir haben bereits 2005 begonnen in den sogenannten Live Marketing Solutions- oder Event-Services-Markt zu diversifizieren, das heisst ausserhalb des reinen Messegeschäfts aktiv zu werden. Zunächst vor allem in der Schweiz, wo wir verschiedene Firmen aus den Bereichen Marketing Consulting, Event Management, Multi Media Events und Messe- und Eventbau übernommen haben.

In den letzten Jahren haben wir in diesem Bereich auch unsere Auslandpräsenz erhöht durch die Gründung der MCH Global, die Beteiligung an der Metron in Deutschland und Niederlassungen in Schanghai, und Dubai. Seit vielen Jahren heissen wir deshalb auch nicht mehr MCH Messe Schweiz, sondern MCH Group, Global Live Marketing.

Warum haben Sie das gemacht?

Die Messe ist als Marketing-Instrument in vielen Branchen immer noch ausgesprochen wichtig. Als Veranstalter ist es aber von Vorteil sogenannte «Weltleitmessen» im Portfolio zu haben. Bei der MCH sind dies die Art Basel und die Baselworld. In anderen Branchen haben unsere Messen nur regionale oder nationale Bedeutung.

Und wenn der Markt wie in der Schweiz eher klein ist und sich zudem noch konsolidiert, kommen diese Messen oft unter Druck. Die Vision der MCH ist den global operierenden Unternehmen den "one-stop-shop" für alle ihre internationalen Messebeteiligungen und "Corporate Events" anbieten zu können. Deshalb brauchen wir eine gute Präsenz in wichtigen Märkten.

Die USA sind offenbar ein sehr wichtiger Absatzmarkt.

In der Tat. Die USA sind ein riesiger Markt mit enormem Potential im Bereich der Live Marketing Solutions. Die Marketingbudgets der dort operierenden Firmen sind sehr hoch.

MC2 ist seit vielen Jahren erfolgreich auf diesem Markt tätig und kann nun in der neuen Konstellation als Tochtergesellschaft der MCH Group ihren amerikanischen Kunden zusätzlich und glaubwürdig sogenannte «Outbound» Dienstleistungen nach Europa und Asien anbieten. Es gilt also im amerikanischen Markt weiter zu wachsen und zusätzlich von den internationalen MCH Synergien zu profitieren.

Warum eine Übernahme und keine Firmengründung?

In den USA beginnen Sie nicht mit einer Neugründung. Dort haben Sie nur eine Chance, wenn Sie eine etablierte lokale Firma übernehmen.

Wie viele Firmen wie MC2 gibt es in USA?

Es gibt schon einige vergleichbare Firmen, aber aufgrund unseres Anforderungsprofils waren letztlich weniger als 5 auf der Shortlist. Und deren Aktionäre müssen dann auch noch verkaufen wollen.

Wer waren die Aktionäre der MC2?

Zwei Private Equity Funds und das Top Management. Wir haben den US-Markt aktiv seit drei Jahren untersucht und verschiedene Optionen geprüft. Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir angefangen mit MC2 zu verhandeln und haben eine vertiefte Unternehmensprüfung, eine Due Diligence, gemacht und dabei jeden Stein umgedreht.

Wie stark steigt der MCH-Group-Gewinn durch die Übernahme?

Wenn alles andere gleich bleibt, steigt er. Aber es ist ja bekannt, dass unser Geschäft im Schweizer Markt eher rückläufig ist. Zudem wird die Baselworld, unsere wichtigste Messe, kleiner, das heisst Umsatz und Gewinn fallen. Aber die MC2 ist profitabel, sonst wären wir nicht eingestiegen. Sie macht, bezüglich Umsatz, einen Betriebsertrag (Ebitda, Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von über 10 Prozent.

In den Top-Jahren erreichte die MCH Group eine Ebitda Marge von 20 Prozent. Müssen sich die Investoren daran gewöhnen, dass der Betriebsgewinn künftig also eher bei 10 als bei 20 Prozent liegt?

In unserem Geschäft wurden wir in der Vergangenheit von einzelnen Messen mit sehr hohen Margen verwöhnt. Im nationalen Geschäft gehen diese seit Jahren zurück. In Zukunft werden wir deshalb mehr Umsatz brauchen um frühere Betriebserträge zu erreichen bzw. diese zu übertreffen.

Wir sind zuversichtlich, dass MC2 den Umsatz von heute umgerechnet rund 160 Millionen Franken in den nächsten Jahren weiter ausbauen kann, ohne die Marge zu verwässern.

Auch im Kunstbereich expandiert die MCH...

Korrekt. Neben der Marke Art Basel, welche mit Messen in Basel, Miami Beach und Hong Kong aktiv ist, beteiligen wir uns seit letztem Jahr auch an führenden regionalen Kunstmessen. In den kommenden drei bis fünf Jahren bauen wir ein Portfolio von 10 solcher Messen auf allen Kontinenten auf.

Wie haben Sie den MC2 Deal finanziert?

Die Übernahme ist «eigenfinanziert» aus Bargeldbeständen, das heisst, es gibt keine zusätzliche Kreditaufnahme.

Wo sehen Sie die Risiken der Übernahme?

Das grösste Risiko ist, dass die guten Leute abspringen und unter Umständen zur Konkurrenz gehen. Die Integration muss deshalb sorgfältig und mit dem nötigen Respekt für das was bisher vorort geleistet wurde vollzogen werden.

Ansonsten sehen wir die die normalen Marktrisiken: Mal gewinnt man einen Kunden, mal verliert man einen. Und sicher gibt es auch politische und konjunkturelle Risiken. Mit dieser US-Expansion wird aber auch die geografische Risikostreuung der MCH Group grösser, was aufgrund unserer nach wie vor grossen Abhängigkeit vom kleinen und sich konsolidierenden Schweizer Markt mit dem zu teuren Schweizer Franken gewünscht ist.