Strafgericht
Rentner erhält mildes Urteil nach Schussabgabe

Ein 68-Jähriger, der auf seinen Kontrahenten schoss, handelte in Notwehrexzess. Das Strafgericht verurteilte den Rentner zu zwei Jahren auf Bewährung. Das Opfer trägt eine Mitschuld an der Eskalation.

Jonas Hoskyn
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Das Strafgericht verurteilte den Täter zu zwei Jahren auf Bewährung.

Das Strafgericht verurteilte den Täter zu zwei Jahren auf Bewährung.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Am Ende der Verhandlung blieben viele Fragen offen. So konnten weder die Ermittler noch das Strafgericht klären, ob der angeklagte 23-jährige Bulgare seine Ehefrau zur Prostitution gezwungen und auch entführt hatte, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Klar war nur das Ende: Nachdem die Frau vor ihrem Mann zu einer ihrer Liebschaften geflüchtet war, hatte sich dieser mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschafft. Dort zückte der Widersacher einen Revolver und streckte den Aggressor mit einem Schuss nieder. Der Bulgare wurde dabei lebensgefährlich verletzt.

Entsprechend verurteilte das Strafgericht heute einen der beiden Angeklagten – einen 68-jährigen Rentner – wegen versuchter vorsätzlicher Tötung in Notwehrexzess zu zwei Jahren auf Bewährung. Er habe zwar in einer Notwehrlage gehandelt, attestierte ihm das Gericht. Aber die Abwehr sei nicht den Umständen entsprechend gewesen, so der Gerichtspräsident. «Sie hatten die Situation eigentlich im Griff. Sie können nicht einfach abdrücken.»

Lügende Hauptzeugin

Auch wenn der Mann nicht ins Gefängnis muss, trifft ihn das Urteil hart. So muss der Rentner, der in bescheidenen Verhältnissen mit zwei Kindern lebt, die Verfahrenskosten und Urteilsgebühr von rund 18'000 Franken übernehmen. Ausserdem schuldet er dem Opfer eine Genugtuung von 7000 Franken. Angesichts der Tat wäre diese eigentlich deutlich höher ausgefallen. Das Gericht trug allerdings dem Umstand Rechnung, dass der Bulgare letztlich eine erhebliche Mitschuld an der Eskalation der Situation trug.

Das Problem des Gerichts: Die Ehefrau war als Hauptzeugin unbrauchbar. «Es ist allen in diesem Raum klar, dass sie von A bis Z gelogen hat», sagte der Richter. Doch auch wenn dem Mann die Hauptanklagepunkte – Förderung der Prostitution und Entführung – nicht nachgewiesen werden konnten, summierte sich eine beträchtliche Anzahl an Delikten.

Unter anderem wurde er wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Nötigung und Hausfriedensbruch zu einer Strafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Strafe ist durch die neun Monate lange Untersuchungshaft aber bereits verbüsst. Die Haftentschädigung, die der Mann zugute hätte, wird mit seinen Verfahrenskosten verrechnet. So konnte er das Gefängnis gestern zwar entlassen, kassierte aber gleichzeitig einen Landesverweis für fünf Jahre.