Strafgericht
Rentnerin im Streit geschubst – jetzt ist diese pflegebedürftig

Eine Autofahrerin verletzte im Streit eine betagte Fussgängerin derart schwer, dass diese nun pflegebedürftig ist.

Patrick Rudin
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Die Autofahrerin verletzte eine Rentnerin, sodass diese jetzt pflegebedürftig ist. (Symbolbild)

Die Autofahrerin verletzte eine Rentnerin, sodass diese jetzt pflegebedürftig ist. (Symbolbild)

Keystone

Es muss ein schnittiges Wendemanöver gewesen sein, dass die 42-jährige Autofahrerin im Oktober 2016 auf der Basler Gellertstrasse bei der Einmündung des Hardrain vollführt hatte. Ziel: ein Parkplatz auf der anderen Strassenseite. Eine damals 78-jährige Spaziergängerin fand, dabei sei ein Mann auf dem dortigen Fussgängerstreifen gefährdet worden und stellte die Frau zur Rede.

Der genaue Wortlaut ist nicht überliefert, doch die Autofahrerin konterte offenbar, die Rentnerin solle sich doch lieber um ihren Hund kümmern, damit der nicht überall «herumscheisst». Der verbalen Eskalation folgte ein Stoss, jedenfalls fiel die 78-jährige Frau zu Boden und donnerte mit dem Hinterkopf gegen den Randstein.

Die Diagnose im Spital: Schädel-Hirn-Trauma, eine Felsenbeinfraktur sowie Ohrverletzungen. Zuvor kam die Spitex bei der Frau lediglich zum Putzen vorbei, inzwischen benötigt sie weitere Hilfe. Am Freitag sagte sie vor Gericht aus, sie leide vor allem an Kopfschmerzen und könne sich auch nicht mehr so frei bewegen wie früher. «Ich habe sie sicher nicht gepackt und geschubst. Nur leicht geschubst. Ich habe nie erwartet, dass so etwas passiert», sagte die 42-jährige Autofahrerin im Gerichtssaal. Sie habe die Rentnerin auch keinesfalls verletzen wollen. Verteidiger Jürg Tschopp betonte, seine Mandantin habe lediglich als Abwehrreaktion im Reflex die Hände gehoben und sei daher wegen Notwehr freizusprechen. «Sie durfte sich gegen die Attacke wehren», so Tschopp.

Einzelrichter Marc Oser allerdings meinte, die Autofahrerin sei nicht derart bedroht worden, dass sie sich hätte wehren müssen. Immerhin habe die 78-jährige Frau an der linken Hand eine Tasche und Hundeleine gehabt, der rechte Unterarm ist eine Prothese. «Wenn man eine alte Frau schubst, dann kann alles passieren. Sie haben völlig unverhältnismässig reagiert. Und Sie haben damit in Kauf genommen, dass sie sich verletzen kann», so Oser.

Er verhängte eine bedingte Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 50 Franken wegen einfacher Körperverletzung sowie fahrlässiger Körperverletzung mit schwerer Schädigung. Die Autofahrerin muss zudem 5100 Franken für die Anwaltskosten der Rentnerin bezahlen, dazu kommt der Selbstbehalt der Heilungskosten von über 6100 Franken, die Verfahrenskosten belaufen sich auf 2800 Franken. Das Gericht verdonnerte die 42-Jährige zusätzlich zu einer Genugtuungszahlung von 4000 Franken an die Rentnerin.