Traditionsbeiz
Restaurant-Betreiberin Lotti Weber: «Das ‹Torstübli› ist mein Leben»

Seit 15 Jahren wirtet Lotti Weber im «Torstübli» – das Restaurant ist längst mehr als ein Ort zum Essen. Die Atmosphäre ist stadtbekannt. Zu verdanken hat die Traditionsbeiz dies allem seiner Wirtin. In der Ferien vermisst Weber ihre Arbeit.

Tobias Gfeller
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Bald 70 und kein bisschen müde: Lotti Weber wirtet seit 15 Jahren im «Torstübli» und das wird von Montag bis Mittwoch gefeiert.

Bald 70 und kein bisschen müde: Lotti Weber wirtet seit 15 Jahren im «Torstübli» und das wird von Montag bis Mittwoch gefeiert.

Kenneth Nars

«Göön mr zem Lotti?», heisst die obligate Frage, wenn es ins «Torstübli» gehen soll. Denn «Zem Lotti – wott i» sind im Kleinbasel längst geflügelte Worte. Selten kommt es vor, dass die Wirtin oder der Wirt eines Lokals bekannter ist als sein Gasthaus selber. Bei Lotti Weber und dem «Torstübli» ist dies zweifelsfrei der Fall.

Bereits seit 15 Jahren leitet sie das Traditionshaus in der Riehentorstrasse. Den Geburtstag feiert die Wirtin ab heute Abend mit einem dreitägigen Fest. Eingeladen sind rund 300 Gäste, die sich in regelmässigen Abständen im «Torstübli» einfinden.

Das hat sie zur Einweihung vor 15 Jahren und beim Zehnjährigen vor fünf Jahren so. Alles auf ihre Kosten – jeder Biss und jeder Schluck. «Das ist typisch Lotti», sagt der Kleinbasler Werner Blatter, der das «Torstübli» kennt wie kein Zweiter. «Bevor Lotti kam, war das ‹Torstübli› eine mehr oder weniger serbelnde Traditionsbeiz. Sie brachte wieder Schwung in das Lokal.»

Mit 50 an die Wirteschule

Ein ruhiges Gespräch mit Lotti Weber? Unmöglich. Man sitzt nicht mit ihr alleine an einen Tisch und stellt seine Fragen und sie antwortet artig. Bereits ein kleineres Interview wird zum gesellschaftlichen Anlass. Man sitzt unter Stammgästen und alle reden mit. Das ist sie also, die stadtbekannte «Torstübli»-Atmosphäre.

Zu verdanken ist sie Lotti Weber. Mit fünfzig Jahren besuchte sie die Wirteschule, obwohl sie als Sekretärin in der Baubranche einen tollen und gut bezahlten Job auf sicher hatte. «Alle fragten mich damals, ob ich verrückt bin», erinnert sich Lotti Weber mit einem Lachen.

Zuerst übernahm sie den «Rebstock» in der Klingentalstrasse. Als sie das Inserat für das «Torstübli» sah, bewarb sie sich mit einem Konzept und klaren Vorstellungen beim Genossenschaftsvorstand, der über das Lokal die Entscheidungsmacht besitzt.

«Ich habe ganz klare Fakten gesetzt. Sollte ich dieses ‹Torstübli› bekommen, schwatzt mir niemand rein. Ihr bekommt den Zins, ich bin die Wirtin.»

Sehnsucht in den Ferien

Lotti Weber schwärmt noch heute, wenn sie auf die vergangenen 15 Jahre zurückblickt. «Es war immer mein Wunsch, irgendwo zu wirten. Das ‹Torstübli› ist mein Leben, mein Hobby – alles zusammen.» D

iese Leidenschaft geht so weit, dass sie in den Ferien Sehnsucht nach ihrem «Torstübli» hat. Am Samstag und Sonntag ist das Lokal geschlossen. «Schon am Freitag freue ich mich auf Montag», sagt sie vollen Ernstes. Und man glaubt es der bald 70-jährigen.

Ode des besten Dudelsackspielers

«Der Kunde ist König», ist bei Lotti Weber kein leeres Wort. Während des Gesprächs weist sie ihr Personal auf wartende Gäste hin und hat auch mit nur einem Auge und einem Ohr den Betrieb im Griff.

Das «Torstübli» bietet alles, was das Kundenherz begehrt: im Parterre die Beiz mit dem stadtbekannten Stammtisch, im ersten Stock die gemütliche Zurkinden-Stube.

Auch draussen in den Gärten bietet sich den Gästen viel Platz. Im grossen «Torstübli»-Garten herrscht vor allem während Grossanlässen reger Betrieb.

Lotti Weber hat sich dieses Renommee hart erarbeitet. Sie setzte früh auf Erik Julliard und das Basel Tattoo. Diese gegenseitige Wertschätzung gipfelte am diesjährigen Tattoo, als der wohl weltbeste Dudelsackspieler Stuart Samson als Dank für die vielen tollen Stunden im «Torstübli» den «Lotti’s Jig» ins Programm nahm.

Ein extra für sie geschriebene Ode, welche er auch live im «Torstübli» spielte. Lotti Weber gibt ihren Gästen viel und wird weiterhin mit Leib und Seele wirten. Denn: «Wenn ein Gast zufrieden ist und wieder kommt, macht mich das glücklich.»