«Sie ist schuld!» Andreas «Andy» Cavegn zeigt auf Rahel Linder. Diese hebt ihrerseits den Finger: «Er ist schuld!» Es sind lieb gemeinte Schuldzuweisungen, die an einem Holztisch des Restaurants «Zum Tell» in der Spalenvorstadt gemacht werden. Die beiden Beizer sind glücklich, je einen «Schuldigen» gefunden zu haben.

Rahel Linder hat das Traditionslokal vor drei Jahren übernommen und nach einer Flaute-Zeit der Vorgänger wieder auf Vordermann gebracht. Anfangs waren sie zu dritt, inzwischen ist Linder alleinige Wirtin. Es ist viel für sie, das Lokal zu führen, zu viel. Drum hat sie sich entschlossen, ihr «Baby» noch in seiner «Blütezeit» in andere, gute Hände zu geben. Nun ist klar: Diese Hände gehören Andreas Cavegn. Und der sagt, Linder sei schuld, dass er diesen Schritt mache. Linder als Wegbereiterin, aber auch die Beiz selber, die ihm immer gefallen habe, der überschaubaren Grösse wegen und weil es einer der letzten Basler Traditionslokale sei.

Von den Langen Erlen in die City

Aufgewachsen als Sohn der Betreiberfamilie des Kleinbasler Hotels und Restaurants Basilisk, wurde Cavegn das Wirten in die Wiege gelegt. Er lernte Koch, machte die Hotelfachschule und blieb der Gastronomie stets treu. Zuerst im familieneigenen Betrieb und zuletzt 16 Jahre als Wirt des Restaurants Lange Erlen, das er Ende vergangenen Jahres verliess. Zudem ist Cavegn Pächter der Beiz «Schliessi» an der Wiese, die er mit der «Tell»-Übernahme im Oktober nicht ganz abgeben, aber operativ aus den Händen geben wird. Cavegn weiss: Der «Tell» braucht die volle Energie. Erst recht, wenn man wie er zeitweise wieder an den Herd stehen und gleichzeitig als Gastgeber fungieren will.

Es sind schwierige Zeiten für gastronomische Wagnisse. Und natürlich hört sie auch Cavegn, die Wehklagen anderer Wirte, die Sorgen wegen des starken Frankens und der Konkurrenz im Dreiland; er sieht die leer stehenden Lokalitäten einst gut besuchter Restaurants; bekommt die schnellen Wechsel in der Branche mit; hört, wie das Rauch- und das Fahrverbot beklagt werden und was es sonst noch alles für angebliche Gründe gibt, weshalb eine Beiz schlecht oder gar nicht läuft.

Doch er lässt sich nicht beirren. Im Gegenteil. Cavegn ist zuversichtlich, den «Tell» auf seine Art zum Laufen zu bringen. Und diese, so versichert er, unterscheide sich kaum von Linders Art. Die Hoffnung, die Gäste mögen bald sagen: «Wir gehen zu Andy!» ist gross. Denn die Persönlichkeit des Beizers gehört im «Tell» zum Konzept. Genauso wie die Garantie, «saisonal, lokal und ehrlich» verköstigt zu werden. Mit Essen und Trinken allein sei es allerdings nicht getan, sagt Cavegn – und kündigt kulturelle Events an.

Das «Hecht» wird zum «East West»

Da haben es die Gebrüder Christian und Markus Hüttenmoser vom Hotel und Restaurant Hecht am Kleinbasler Rheinufer einfacher: Ihr Standort ist für sich ein Event, auch dann, wenn nicht gerade «richtige» Veranstaltungen wie das Kulturfloss stattfinden. «Uns ist bewusst, dass viele Gäste wegen der Rheinsicht zu uns kommen», sagt Christian Hüttenmoser.

Trotz Standortortvorteil haben die Brüder viel Geld in die Hand genommen, um das Haus umfassend zu sanieren. Rund sieben Millionen kostet der Umbau, der sich in den letzten Zügen befindet. Die Wiedereröffnung des Betriebs ist per Juni pünktlich zur Sommersaison geplant. Und die Brüder klingen ganz so, als wäre ihr Lokal dann nicht mehr wiederzuerkennen: Im Haus wurden die alten, verschiedenen Holzböden «rausgeholt» und jedes Zimmer zu einem Unikum gestaltet. Und die biederen Tischtücher draussen werden durch stilvolle Tische ersetzt. Geplant ist «kleine, aber feine» Küche und ein grosses Cocktail-Sortiment.

Im Gegensatz zu den anderen Beizen in der Rheingasse, wo sich der Haupteingang befindet, verzichten Hüttenmosers auf ein Boulevard-Café auf der dortigen Seite. Zumal sie als Hotelbetrieb oft internationale Gäste beherbergen, die den Rhein – anders als der Basler – nicht ohnehin fast täglich sehen.

Die internationale Gäste werden es auch sein, die den neuen Namen «East West Hotel» rasch aufnehmen werden, ist Christian Hüttenmoser sicher. «Die Basler aber, die werden weiterhin Hecht sagen.»