Die Basler Bahnhofspasserelle wird neu. Nicht nur in ferner Zukunft, wenn die Passagierkapazität erhöht werden soll, sondern bereits diesen Sommer: Dann müssen diverse Ladengeschäfte ihren Platz räumen und einer neuen Generation von Mietern weichen. Dies, weil die alten Mehrjahresverträge auf dieses Jahr hin ausgelaufen sind. Mehrere Anbieter wie das Schreibwarengeschäft oder der Schmuckladen am Südausgang sowie die Import Parfümerie werden den Bahnhofskomplex verlassen, dazu legt die Sprüngli-Filiale eine Pause ein. Sie zieht um und wird dereinst im Westflügel wiedereröffnen, sobald dieser fertig saniert ist.

Die neue Generation von Anbietern hat es in sich. Das eigentliche Vorzeigeprojekt wird von den «Kaffeemachern» realisiert: Das noch junge Unternehmen, das vor gut zwei Jahren aus der Belegschaft des Unternehmens Mitte hervorging, eröffnet am Südausgang ein Pilotprojekt. Dort, wo heute der Schmuckladen Anhänger, Ohrringe, Plugs und Mützen im Räumungsverkauf anbietet.

Edel-Kaffee, Pendler-Freuden, Leistungsschau

Hinter dem Projekt stecken Benjamin und Felix Hohlmann, das Brüderpaar, das die Kaffeemacher GmbH betreibt und mittlerweile zur Gastro-Lokalprominenz von Basel gehört. Hohlmanns eifern nicht nur für wertvollen Kaffee quer durch die Region und die Schweiz, sondern investieren derzeit in den Aufbau einer eigenen Kaffeeplantage in Nicaragua, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Sie führen in ihrer Münchensteiner Kaffee-Akademie jährlich Kurse für rund tausend Gastro-Experten sowie Laien durch, beliefern mit ihrer Rösterei eine Vielzahl trendiger Lokale in der Schweiz – und betreiben nebenbei noch das Café «Frühling» an der Klybeckstrasse. Und jetzt expandieren die Lieblinge der nationalen Kaffee-Szene also in ein kleines Glas-Kabäuschen, das bislang eher verschämt sein Dasein am südlichen Passerellen-Ausgang fristete.

Bloss: Warum? «Naja, um die gut 100 000 Pendler, die täglich über die Passerelle gehen, komplett zu versorgen, dürfte selbst eine weitere Profi-Kaffeemaschine mehr nicht ausreichen», sagt Benjamin Hohlmann. In anderen Worten: Das Potenzial für den Kaffeeverkauf an gestresste Pendler sei nach wie vor gross – obwohl am Südeingang des Bahnhofs kürzlich ein Tibits-Restaurant eröffnet hat. Was das Projekt aber wirklich anders mache, sei die Tatsache, dass es nicht nur um den Kaffee-Umsatz allein gehe, sondern um den Effekt als Showroom und überhaupt um Kaffee von A bis Z. «Das Café wird der Ort, wo wir Kaffee und Röstungen verkaufen, über Herkunft und Kultur informieren und allenfalls mit Events arbeiten werden», so Hohlmann. Dabei profitieren die Kaffeebetreiber davon, dass sie eine kleine Aussenbestuhlung einrichten dürfen, gleich neben den bestehenden Bänken.

Erlebniswelt statt Shopping-Elend

Damit haben die SBB als Vermieterin einen Coup gelandet: Wo bislang ein eher eklektisches Sammelsurium an Souvenir-Waren geboten wurde, entsteht nun ein kleiner Kosmos: Statt eine Aneinanderreihung von Shopping-Gelegenheiten, die man mal braucht oder nicht, entwickelt sich durch Aufwertungen wie dieser eine Erlebniswelt. Der Detailhandel profitiert zudem von den speziellen Öffnungszeiten auf dem SBB-Areal , denn die Geschäfte dürfen dort abends und an Wochenenden länger geöffnet haben, in der Regel bis 22 Uhr.

Geleitet wird der Cafébetrieb von Felix Hohlmann, selbst mehrfach ausgezeichneter Barista und Röster. Für das Geschäft auf den 38 Quadratmetern Fläche arbeiten Hohlmanns mit zehn Mitarbeitern, alle ausgebildete Baristas, teils mit Plantagen-Erfahrung. Die Preise für die Tasse oder den Becher Kaffee sollen sich im «passerellenüblichen Bereich» bewegen, allerdings erwartungsgemäss nicht im Billigsegment. Das heisst nach Basler Standards, dass Pendler mit bis zu fünf Franken pro Tasse rechnen müssen. Immerhin sollen sie dafür etwas erhalten: Der neue Kaffee-Shop wird mit Öffnungszeiten ab 5.30 Uhr morgens der erste sein, der Pendler mit Koffein eindeckt. Die Eröffnung des neuen Ladens ist laut Benjamin Hohlmann auf September angesetzt, derzeit läuft auf der Plattform www.startnext.com ein Crowdfunding.