Die Skulptur eines bedeutenden Schweizer Künstlers verschrotten? Das geht eigentlich gar nicht, droht jedoch in diesem speziellen Fall. Die SRG sucht einen Abnehmer für Paul Suters «Fanfare».

Die meterhohe Eisenplastik steht zurzeit noch im Innenhof des ausgedienten Radiostudios auf dem Basler Bruderholz. Ende Juli beginnen die Abbrucharbeiten, spätestens am 31. Juli muss das Kunstwerk demontiert sein, sonst droht ihm die Entsorgung beim Alteisen.

Diesen brutalen Countdown musste die SRG letzte Woche bekannt geben. «Wir sind seit über einem Jahr intensiv auf der Suche», sagt Jürg Schäffler der ehemalige Präsident der Kunstkommission der SRG. Schweizer Museen, die Kulturfachstellen von Basel-Stadt und -Land, wichtige Kunst-Player der Schweiz sind angefragt worden. Doch alle hätten letztlich abgesagt, erklärt Schäffler.

Zu gross sei die Skulptur, zu klein die Lager und Ausstellungsorte, zu kostspielig Demontage, Restaurierung und Wiederaufbau. Doch nun kommt vielleicht doch noch Rettung in letzter Minute.

Architekturbüros klären neue Standorte ab

«Es haben sich auf den Artikel private Kunstinteressierte bei uns gemeldet, die gerne eine solche Skulptur in ihrem Garten hätten», sagt Schäffler. Die Interessenten unterschätzen jedoch die Dimensionen der Skulptur. Sie ist fünf Tonnen schwer, mehrere Meter hoch und kann nur mit einem Kran demontiert werden. Also nicht unbedingt etwas für den durchschnittlichen Einfamilienhausgarten.

Die vielversprechendsten Interessenten sind gemäss Schäffler Architekten. Gleich drei Büros haben sich gemeldet. Eines, das die «Fanfare» auf einem Platz in einer Baselbieter Gemeinde sieht. Name des Büros und Standort sind noch nicht kommuniziert.

Dann ist da das Basler Architekturbüro Staehelin, Gysin und Partner. Die Architekten würden Paul Suters Plastik gerne auf dem Dach ihres Ateliers auf dem Bruderholz platzieren. Eine interessante Lösung, wäre das Kunstwerk so doch öffentlich sichtbar und das erst noch im selben Quartier, in dem sie bereits steht. Zudem hat die Bürogemeinschaft einen Bezug zum Künstler. In der Vergangenheit teilte sie die Nachbarschaft mit Suters Atelier.

Rascher Entscheid

Der Basler Architekt Stefan Meyer stellt in Allschwil gerade einen Rohbau mit einem grossen Atrium fertig. «Da würde die ‹Fanfare› wunderbar hinpassen», sagt er. Auch Meyer hat einen Bezug. Er kannte den 2009 verstorbenen Künstler privat. Vor drei Jahren habe er ein 15 Zentimeter hohes Multiple der «Fanfare» erworben, ohne zu wissen, dass das Original im Bruderholz steht.

Meyer betont, dass der Zeitplan sehr eng sei. Kommende Woche werde das Dach in Allschwil geschlossen. Die Skulptur müsste jedoch vorher im Innern des Baus platziert werden.
Beide Architekturbüros haben gestern Nachmittag Abklärungen betreffend Demontage, Transport, Baubewilligung getroffen. Bei Redaktionsschluss war noch unklar, ob die Pläne der Prüfung vor Ort standhalten.

Jürg Schäffler von der SRG rechnet mit einem raschen Entscheid. «Das erste valable Angebot erhält den Zuschlag», sagt er. Würde ein Museum die Skulptur abholen, müsste es einen symbolischen Franken bezahlen. Bei privaten Abnehmern werde man den Alteisenpreis verrechnen, also rund 1000 Franken. Das ist immer noch wenig für ein Werk Suters, notabene einer der bedeutendsten Schweizer Eisenplastiker seiner Generation. Den definitiven Entscheid würde er in Absprache mit der Kulturkommission der SRG und mit den Erben von Suter treffen.

Es winken hohe Kosten und eine rettende Hand

Animiert durch den Artikel der bz hat auch Pascal Suter, der Sohn von Paul, nochmals Kontakt mit weiteren Interessenten aufgenommen. Da ist einerseits der Skulpturenpark La Balade de Séprais im jurassischen Le Noirmont. «Dort, in die grüne Landschaft, würde die Plastik hervorragend hinpassen», sagt Pascal Suter.

Ein weiterer Interessent sei die jurassische Gemeinde Soubey. Seine Eltern hätten dort ein Haus bewohnt, erzählt Suter. Noch immer stünden im Garten Skulpturen des Vaters. Ob die Gemeinde sich die Installation ohne finanzielle Hilfe des Kantons Jura leisten könnte, bezweifle er jedoch.

Laut SRG belaufen sich alleine die Demontagekosten auf 30'000 Franken. Hilfe könnte da von unerwarteter Seite kommen. Ein hoch gestellter Mitarbeitender der Schweizer Armee schrieb unserer Zeitung: «Mein jetziger Arbeitgeber ist einer der grössten Immobilienbesitzer der Schweiz. Da sollte es doch im Inventar von rund 7500 Gebäuden ein Objekt geben, das der ‹Fanfare› eine neue Heimat geben könnte.» Zudem könnte die Armee auch Hand bieten, um die Skulptur abzubauen, zu transportieren oder zu lagern. «Das wäre doch eine gute Übung für geeignete Formationen», so Schmid.

Und wenn alle Stricke reissen, ist da noch Franz Mäder. Der Basler Galerist hat mit seinem Engagement die Rettungsaktion losgetreten. Er stellt 50 Grafiken, Siebdrucke und Radierungen von Paul Suter für je 500 Franken zum Verkauf. Der Erlös ginge nötigenfalls an den Transport der Plastik.

Laut Mäder zeichne es sich ab, dass eine Zwischenlagerung irgendwo in der Stadt möglich wäre. Der umtriebige Galerist ist dieser Tage fast nur noch in Sachen «Fanfare» unterwegs. «Ich hab mir in den Kopf gesetzt, die Plastik zu retten.» Er ist seinem Ziel näher gekommen.