Kantone, Gemeinden und Bürgergemeinden sowie die verschiedenen Interessengruppen nähmen die Waldentwicklungspläne (WEP) als gutes Instrument wahr, sagte Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Art und Weise, Konflikte anzugehen, werde mehrheitlich begrüsst. In allen fünfzehn WEP-Teilgebieten konnten Kompromisse gefunden werden.

Grösste Hürde bei der Erstellung war laut Meier die Lösung der Konflikte zwischen Freizeit- und Schutz-Interessen: Die Frage etwa, wo der Wald dem Naturschutz oder der Wildruhe vorbehalten sei und wo er als Erholungsgebiet Platz für Picknick-Plätze oder Waldhütten biete, habe im ganzen Kanton zu Diskussionen geführt.

Waldnutzende haben Gesicht bekommen

Bewährt habe sich insbesondere das mehrstufige Entwicklungsverfahren auf lokaler Ebene: Naturschützende und Sporttreibende hätten so ein Gesicht bekommen, sagte Meier - meistens durch eine Person aus der Gemeinde. Dank dieser Personifizierung sei ein neues Neben- und Miteinander entstanden.

Generell liesse sich festhalten, dass die Entwicklung eines WEP in Stadtnähe schwieriger gewesen sei als in ländlichen Gebieten. Die Ansprüche an den Wald seien in Stadtnähe vielseitiger und komplexer. Zu Verzögerungen kam es daher etwa im Gebiet Schauenburg/Gempen, dies aufgrund des Streits um Waldwege für Mountainbikes.

Zwar liegen nun bald alle WEP vor, doch nicht erreicht sind bisher zwei wichtige Ziele: Die Erstellung eines jeweils durchgehenden Bike- und Reitwegenetzes.

2016 neuer Anlauf für Bikenetz

Beim Bikenetz seien lokal zwar überall Lösungen gefunden worden, doch fehle der flächendeckende Zusammenhang, den einst auch eine Petition von Bikern verlangt hatte. Noch in diesem Jahr will der Kanton laut Meier deshalb ein von den WEP losgelöstes Projekt starten, das die fehlenden Wegverbindungen schaffen soll.

Bei den Reitwegen sieht Meier dagegen die Gemeinden in der Pflicht. In Gebieten mit hohen Reitfrequenzen gebe es inzwischen vielerorts Lösungen.

Ursprünglich war vorgesehen, die WEP alle rund 15 Jahren zu überarbeiten. Als erstes hätten noch in diesem Jahr Revisionen der WEP für Basel-Stadt und das Leimental angepackt werden sollen. Vorgängig will das Amt für Wald jedoch Studien auswerten, die den Nutzen der WEP untersucht haben. Im Gesetz sei der Revisionsturnus nicht festgelegt.

Gesamtkosten 3 Millionen Franken

Im Weiteren will Meier Wege suchen, um die "schweigende Mehrheit" der Bevölkerung einzubinden. Denkbar wäre eine breit angelegte Umfrage. Vor Revisionen will das Amt zudem klären, ob die bisherige WEP-Gebietsaufteilung auch künftig beibehalten werden soll.

Über das weitere Vorgehen müssten letztlich jedoch Regierungen und Parlamente bestimmen. Nicht zuletzt geht es um Kosten: Die Erarbeitung aller WEP hat laut Amt für Wald insgesamt zwischen 2,5 und 3 Millionen Franken gekostet.

Als Variante wären laut Meier kostengünstigere Teilrevisionen denkbar. Kleinere Veränderungen wie etwa der Standort für ein Windkraftwerk könnten so ohne vollständige Revision in einen WEP integriert werden.

Erster WEP von 1999

Die WEP basieren auf dem Leitbild der Forstpolitik der beiden Basel aus dem Jahre 1999. Sie legen Entwicklungsabsichten für den Wald in beiden Kantonen fest. Ziel ist insbesondere, Lösungswege für Konflikte zu suchen, damit der Wald seine Nutz-, Schutz- und Wohlfahrtsfunktion gemäss Leitbild nachhaltig erfüllen kann.

Der erste WEP war 1999 für das Forstrevier Bubendorf erstellt worden. Mit den Gemeinden im Diegtertal erhalten in diesem Jahr auch die letzten Baselbieter Gemeinden einen WEP.