Polizeileitung

Revolution bei der Basler Polizei – Kommandant Roth baut seine Macht aus

Martin Roth wurde nach einigen Krisen und Affären Basler Polizeikommandant, mit dem Auftrag aufzuräumen. Das hat er nun getan. Grosser Verlierer ist der einst einflussreiche Vizekommandant Rolf Meyer.

Der Titel der Medienmitteilung ist einigermassen unspektakulär: «Kantonspolizei Basel-Stadt modernisiert und verflacht die oberste Führungsstufe». Doch was sich hinter den dürren Worten verbirgt, ist nichts anderes als eine komplette Revolution der Machtverhältnisse an der Spitze der Basler Ordnungshüter. Der neue Kommandant, Martin Roth, tut, was er anlässlich seiner Ernennung angekündigt hatte: Er räumt auf. Und kommt damit auch der Forderung des Departementsvorstehers nach. Baschi Dürr forderte bei Roths Amtsantritt: «Jetzt sind alle ‹ghaue oder gstoche› in der Pflicht, eine Lösung zu finden». Und so soll die nun aussehen: Die Polizeileitung bestand bis anhin aus den Abteilungsleitern.

Über ihnen standen der Stabschef, Roth selbst, der Kommandant und der Vizekommandant Rolf Meyer. Meyer spielt im neuen Organigramm der Polizeileitung keine Rolle mehr. Er wechselt gemäss Mitteilung als Projektleiter in den Bereich Services des Justiz- und Sicherheitsdepartementes. Gemäss Departementssprecher Martin Schütz werde er sich dort um «technische, organisatorische und andere übergeordnete Projekte» kümmern. In der offiziellen Mitteilung heisst es zudem: «Regierungsrat Baschi Dürr und Oberst Martin Roth danken ihm für den jahrelangen engagierten Einsatz.»

Ein Mann an der Spitze

Damit scheidet ein Mann aus der Polizeileitung aus, dem der Ruf der «Macht hinter dem Thron» anhaftete. Meyer war weit mehr als ein Abwesenheitsvertreter seiner Kommandanten. Er hatte sich bereits vor, aber vor allem seit seiner Wahl zum Vize-Kommandant 2004 eine beachtliche Machtbasis innerhalb der Kantonspolizei aufgebaut. Unter den Kommandanten Roberto Zalunardo und Gerhard Lips sass er an den zentralen Schalthebeln der Macht. Da er für Rekrutierungs und Ausbildungsfragen zuständig war, war jeder Polizist gut beraten, es sich mit Meyer nicht zu verscherzen. Doch hört man sich heute im Korps um, hatte Meyer seit den diversen Affären rund um die Kantonspolizei massiv an Einfluss eingebüsst. Auch wenn er sich nie vorwerfen lassen musste, er habe juristisch gesehen etwas Falsches gemacht. «Als Roth kam, war es für Meyer vorbei», sagt eine Quelle aus dem Polizeikorps. Denn Roth ist ein Mann aus dem Korps. Respektiert und vor allem bekannt. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern, die von extern kamen und so einfacher zu «führen» waren, kenne Roth den Laden und seine Machtstrukturen aus dem Effeff.

Doch die Reorganisation geht weit über das blosse Entfernen von Meyer hinaus. Roth etabliert sich als einsame Spitze über einer flachen Hierarchie von gleichgestellten Abteilungsleitern. Er hat keinen Stabschef mehr und keinen Vizekommandanten. Die Stellvertretung bei Abwesenheiten übernehme jeweils «einer der Leiter der operativen Abteilungen», wie Schütz ausführt. Diese Abteilungen sind die bisherigen «Sicherheitspolizei», «Spezialformationen» und «Verkehr». Die Funktion eines Vize-Kommandanten mit eigenen Befugnissen, die gibt es unter Roth nicht mehr.

Neue Abteilungen

Damit die neue Struktur funktioniert, hat Roth drei neue Abteilungen geschaffen: Die Abteilung Logistik wird aufgewertet und erhält auch Meyers ehemaliges Ressort Ausbildung und Rekrutierung zugeschlagen. Dazu kommen eine Abteilung «Operationen» und die Kommandoabteilung mit Recht und Kommunikation. Augenfällig wird Roths neue Machtfülle auch bei der Kantonalen Krisenorganisation, der er bisher in seiner Funktion als Stabschef der Polizei auch als Stabschef diente. Nun ist er zudem noch Gesamtverantwortlicher.

Hier wird allerdings nach einer definitiven Lösung gesucht. Ebenso werden die Spitzenjobs der neuen Abteilungen öffentlich ausgeschrieben. Eine Stellungsnahme der Gewerkschaft der Polizistinnen und Polizisten, dem PBVB, zu den Neuerungen gibt es vorerst keine. Man wolle noch nichts zu den Auswirkungen der Entscheidungen sagen, heisst es nur. Die Umsetzung der neuen Führungsstruktur soll per 1. Juni 2018 greifen. Laut Angaben des JSD koste sie nichts: «für die gesamte Kantonspolizei fällt die Reorganisation budget- und stellenneutral aus.»

Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

Meistgesehen

Artboard 1