Bei den aktuellen Temperaturen denken wohl nur Härtestgesottene an ein Bad im Rhein. Entsprechend antizyklisch liest sich die Medienmitteilung des Bau- und Verkehrsdepartements von dieser Woche. Darin bestätigte dieses einen Bericht der «Schweiz am Wochenende» von vergangenem September: Basel erhält einen neuen Badestrand.

Auf der Höhe des Schaffhauserrheinwegs wird der Kiesstrand breiter, was den Rheinschwimmern zugutekommen soll. Auch beim beliebten Einstieg vor dem Tinguely-Museum finden Aufschüttungen statt: «Die bisherige, unangenehm hohe Stufe kurz vor dem Einstieg in den Rhein fällt weg», schreibt das BVD in einer Mitteilung. Dazwischen hat die Natur Vorrang. Buhnen und kleine Inseln sollen unterhalb der Solitude bessere Lebensbedingungen für Tiere bieten. Hintergrund der Aktion ist der Aushub der Schifffahrtsrinne; das Material wandert also von der Rheinmitte ans Ufer.

Mit im Boot ist – neben Schweizerischen Rheinhäfen und Kanton – eine Begleitgruppe. Die darin vertretenen Rheinschwimmer freuen sich auf neue Liegeplätze und verschönerte Uferzonen. «Allerdings wäre es mir lieber, man hätte unten angefangen», sagt Vincenz Winkler von der IG Rheinschwimmen. Die Arbeiten beginnen Anfang August unterhalb der Schwarzwaldbrücke, gibt BVD-Sprecher Daniel Hofer bekannt. «Für die Rheinschwimmer wird der Einstieg in dieser Zeit enger», sagt er, zudem müssten sie ein Floss für die Arbeiten umschwimmen. Der beliebte Einstieg beim Museum Tinguely bleibe aber trotz der Unannehmlichkeiten jederzeit offen.

«Auch das Wasser wird wohl etwas dreckiger», meint Winkler. Allgemein seien die Folgen fürs Baden aber nicht schlimm, wenn die Arbeiten wie versprochen im Frühjahr 2019 abgeschlossen sind. «Und am Wochenende sowie abends ruhen die Arbeiten.»

Container und Velo-Abstellplätze

Skeptisch sind auch die Anwohner, wie das «Regionaljournal» des SRF berichtete. Sie fürchten sich vor Lärm am Abend, vor Dreck und zu vielen abgestellten Velos. Das BVD nimmt diese Sorgen zur Kenntnis. In den nächsten Wochen fänden Sitzungen für Begleitmassnahmen statt, sagt Hofer. Wahrscheinlich sind blaue Gross-Container, möglich auch Asche-Stationen wie sie bereits an anderen Orten stehen.

Das BVD klärt zudem ab, ob es zusätzliche Velo-Abstellplätze auf Kosten von ein oder zwei Parkplätzen braucht. Lärm hingegen erachtet das Baudepartement nicht als grosse Gefahr: Die Bedingungen aufgrund der Böschung seien am Schaffhauserrheinweg besser als anderswo. Eine neue Buvette ist indes nicht geplant. Erst will das BVD ein Urteil abwarten. Anwohner gingen gegen eine geplante Buvette am Schaffhauserrheinweg bis vors Bundesgericht.

Mehr Biber in Basel?

Naturschützer nehmen die Veränderungen am Basler Rheinbord durchweg positiv auf. «Das schafft neuen Lebensraum und ist spannend», sagt Urs Leugger-Eggimann. Der Baselbieter ist Geschäftsführer von Pro Natura Schweiz und Biber-Experte. Auch für diesen Flussbewohner verheisse die stückweise Renaturierung nur Gutes. «Zwar sind die Bedingungen für eine Biber-Familie aufgrund der zu starken Strömung nicht ideal», sagt Leugger. Dennoch steige die Wahrscheinlichkeit, den Biber oder zumindest seine Spuren zu sehen, da er sich gerne an solchen Inseln ausruhe oder am Weidengebüsch knabbere.

Das natürlichere Ufer werden auch andere Tiere anziehen. «Libellen, aber auch Vögel wie die Bach- und Bergstelze», ist sich Leugger-Eggimann sicher. Vielleicht auch den Eisvogel. Der zumindest scheut sich auch jetzt nicht vor dem kalten Wasser.