Kino-Business
Rheincenter-Kinobetreiber lässt die Konkurrenz im Stücki kalt: «Wir haben ein treues Stammpublikum»

Mit 18 Kinosälen wird die neue Konkurrenz im Stücki mehr Möglichkeiten haben als der «Familienbetrieb» von Wolfgang Traber im Rheincenter. Dennoch bleibt der Kinobetreiber gelassen.

Peter Schenk
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Wolfgang Traber betreibt das Kino im Rheincenter.

Wolfgang Traber betreibt das Kino im Rheincenter.

Peter Schenk

Wolfgang Traber lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. 2014 hat er mit einem Geschäftspartner das Kino im Rheincenter in Weil am Rhein (D) gekauft. 690 Plätze in fünf Sälen hat der «Familienbetrieb», wie Traber ihn nennt, zu bieten. Voraussichtlich 2020 bekommt der Kinopalast, wie er heisst, Konkurrenz – und die hat es in sich. Nur einige hundert Meter weiter südlich entsteht im Stücki ein riesiger Kinokomplex mit 18 Sälen, 2400 Sitzen und dem neusten Schnickschnack aus der digitalen Kinowelt.

Mehrere Säle mit 4DX-Technologie, bei der alle Sinne wie riechen, spüren und schmecken angesprochen werden, sind geplant. Dazu ein Saal mit einer riesigen IMAX-Leinwand – eine Investition von 25 bis 30 Millionen Franken. «Wir können daran nichts ändern, aber damit umgehen. Wir sind sehr gut aufgestellt und haben ein treues Stammpublikum», kommentiert Traber.

Viele Schweizer Besucher

Sound-System, Leinwände und 3D- System im Kinopalast seien auf der Höhe, sagt Traber. Nach dem Kauf erhielt das Kino, in dem sonst nicht viel gemacht worden war, neue Böden, ein Foyer mit Bar sowie 690 neue bequeme Kinosessel aus Kunstleder statt Samt. Ab Ende Februar sind weitere Arbeiten an den WC-Anlagen geplant. Die Kinosäle bleiben während dieser Zeit geöffnet.

Über die Hälfte der Besucher kommen aus der Schweiz. Genauere Zahlen lässt Traber sich nicht entlocken. Die Stücki gehört der Swiss Prime Site Immobilien. Als neuen Ankermieter des serbelnden Einkaufscenters hat sie den Kinobetreiber Arena Cinemas gewonnen. Dort wäre man sehr an den Schweizer Besucherzahlen interessiert, ist Traber überzeugt.

Im Schweizer Kino-Business kennt er sich ausgezeichnet aus. Traber (55) kommt ursprünglich aus dem Gastro- und Hotelleriegeschäft, ist aber Anfang der neunziger Jahre bei Hans-Joachim Flebbe angestellt worden, der in Deutschland Multiplex-Ketten lancierte. Traber hat für die Flebbe-Gruppe einige Kinos in Deutschland eröffnet. 1999 schickte sein Chef ihn in die Schweiz, wo er bis 2014 bei verschiedenen Unternehmen in der Kinobranche arbeitete. Seine Frau ist Schweizerin und er lebt mit den vier gemeinsamen Kindern weiterhin in der Nähe von Olten.

Am Nachmittag laufen im Kinopalast Kinderfilme. Das macht Sinn, denn so können die Eltern, die im Rheincenter einkaufen wollen, sie danach wieder abholen. Am Abend gibt es die üblichen Hollywoodfilme und Blockbuster zu sehen, in deutsch synchronisierter Fassung.

Aufgrund seiner Erfahrungen in der Schweiz ist Traber überzeugt, dass viele Schweizer mittlerweile ausländische Filme lieber synchronisiert als mit deutschen Untertiteln sehen. «Wir haben das ausprobiert und beide Versionen gezeigt. In die untertitelten Filme gingen nur etwa ein Drittel der Zuschauer.»

Auch Filme auf Russisch

Einmal in der Woche zeigt der Kinopalast Originalversionen in Englisch, Französisch und Türkisch. «Derzeit gibt es sehr gute türkische Filme und durchaus eine Klientel dafür.» Ab Februar kommen Filme in Russisch dazu. In Weil am Rhein leben neben Türken auch viele Russlanddeutsche.

Mit besonderen Aktionen wie der Ladies Night, einem Männer-Abend oder Horrorfilmen lässt sich Traber etwas einfallen. Natürlich ist er sich bewusst, dass er mit den niedrigeren deutschen Gehältern und Kosten gegenüber den Schweizer Konkurrenten einen Vorteil hat. Mit 6,50 Euro Eintritt am Kinotag Dienstag sind die Billette konkurrenzlos billig. Zusätzlich gibt es auch Familientickets. «Leute aus Bern oder dem Aargau, die im Rheincenter einkaufen, schliessen dann oftmals noch einen Kinobesuch an.»

Als grossen Vorteil sieht er die gute Anbindung mit dem Tram, mit dem viele Kinobesucher kommen würden. Ausserdem verweist er auf die über 1000 Gratisparkplätze im Einkaufszentrum. Wenn sich Autos und Tram am Samstag an der Hiltalinger Grenze stauen, hat das aber auch Nachteile. «Ohne dieses Verkehrschaos hätten wir am Samstag mehr Besucher», ist Traber überzeugt.

Eines weiss auch er: Mit 18 Kinosälen wird die neue Konkurrenz mehr Möglichkeiten haben als sein «Familienbetrieb». «Sie könnten dort pro Tag zirka 36 Filme zeigen und haben ganz andere finanzielle Mittel. Wir müssen unser Geld erst verdienen, ehe wir wieder investieren können.» Traber schliesst nicht aus, vielleicht den einen oder anderen Kunden zu verlieren, da alles Neue neugierig mache und ausprobiert werde. Im Rheincenter ist der Kinopalast Mieter. Theoretisch gebe es zwar noch Platz für eine Erweiterung um zwei Kinosäle, aber derzeit sprechen bauliche Gründe dagegen.