Die Firma Rhenus drängt darauf, dass der Basler Rheinhafen im Elsass neu gebaut wird. Überrascht Sie der Vorschlag, Herr Hadorn?

Hans-Peter Hadorn:Nein, überhaupt nicht. Mit dieser Idee haben wir uns ebenfalls auseinandergesetzt – auch mit dem Branchenverband SVS. Die Logistikclusterstudie der Handelskammer beider Basel hat gezeigt, dass die Nachfrage nach Logistikflächen im Dreiland das Angebot übersteigt. Mittelfristig haben wir mit dem Containerterminal Basel Nord eine konkrete Lösung gefunden. Hinzu kommt der Kooperationsvertrag mit der Rheinhafengesellschaft Weil am Rhein über gemeinsame Infrastrukturprojekte in Weil. In 20 bis 30 Jahren stellt sich die Frage nach einem trinationalen Hafen. Mit dem Güterverkehr wäre die Bahn dann definitiv überlastet.

Halten Sie einen Dreiland-Hafen im Elsass für die beste Lösung?

Ja, diesen benötigen wir langfristig, wenn der Bedarf nach Logistikflächen effektiv weiter ansteigt. Dann müssen wir grenzüberschreitend planen und denken.

Ist die Vision realistisch?

Das können wir noch nicht sagen, Heute müssen wir zuerst das Potenzial in der Schweiz ausschöpfen, etwa mit der Erweiterung der Hafenzone Auhafen Richtung Schweizerhalle. Derzeit ist der Dreiland-Hafen erst eine Vision. Ich hoffe, dass wir ihr in zehn Jahren näher gekommen sind.

Wäre ein Elsässer Hafen nicht zu weit weg von Basel?

Nein, die Distanz würde ja nur wenige Kilometer betragen. Ein trinationaler Hafen würde aber bedingen, dass analog zum Euro-Airport Schweizer Arbeits- und Steuerrecht gelten würde. Zudem braucht es eine leistungsfähige Erschliessung mit der Bahn. Sonst würde die Osttangente den Lastwagen-Verkehr nicht mehr aushalten.

Die Verhandlungen für Schweizer Arbeitsrecht am Euro-Airport dauerten sehr lange.

Wenn sich die Secteur-Suisse-Lösung am Euro-Airport in den nächsten Jahren bewährt, lässt sich ein analoges Modell für einen Dreiland-Hafen hoffentlich schneller umsetzen.

Hätte sich die Hafenlobby nicht früher einschalten müssen?

Nein. Der Zeitpunkt ist jetzt richtig, da sich beim Euro-Airport eine Lösung beim Arbeitsrecht abzeichnet.

Erhalten Sie von der Politik genügend Unterstützung?

Ja, seit der Fusion der Rheinhäfen unterstützen uns die Trägerkantone stark. Der politische Wille ist auch im Südelsass spürbar. Da die Logistiknachfrage im Elsass geringer und die Landreserven grösser sind, entsteht eine Win-win-Situation.

Denken Sie, dass Sie die Eröffnung eines Dreiland-Hafens selber erleben werden?

Im Pensionsalter werde ich vielleicht den politischen Entscheid noch miterleben. Für mehr reicht es wohl nicht. (lacht)