Schifffahrt

Rheinkapitäne fordern den Abriss der Mittleren Rheinbrücke

Dem Wachstum des Containerverkehrs in die Baselbieter Häfen steht die Basler Mittlere Brücke im Weg. Nun wird von verschiedenen Seiten gefordert, die Brücke abzureissen und schiffgängig neu zu bauen.

«Man hat damals die Mittlere Brücke extra so engmaschig und niedrig gebaut, damit die Schifffahrt nur flussabwärts möglich ist», glaubt Thomas Lutz, Adjunkt der Basler Denkmalpflege. Er betont zwar sofort, dies sei nur eine Legende und er wisse nicht mehr, wo er das gehört habe. Doch Legenden haben ihren realen Grund: «Die Mittlere Brücke ist ein Riesen-Schifffahrtshindernis», erklärt Rolf M. Vogt, CEO der Birs Terminal AG. Die Idee des holländischen Schiffführers Ton Smits, man solle wie in Maastricht die Brücke über der Fahrrinne abreissen und schiffgängig neu bauen, kommentiert Vogt mit: «Das wäre das Beste.»

Geht es dem Wahrzeichen bald an die Substanz?

«Diese Diskussion flackert regelmässig auf, seit die Brücke 1905 fertig wurde», stellt Denkmalpfleger Lutz fest. Doch diesmal könnte es dem Basler Wahrzeichen an die Substanz gehen: «Eine Container-Lawine kommt auf Basel zu», berichtet André Auderset, Geschäftsführer Schweizerische Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft. Zwar solle in erster Linie der geplante Terminal «Basel Nord» in Kleinhüningen den Container-Umschlag übernehmen. «Doch wir werden jeden Meter Terminal benötigen.» Der bestehende Container-Terminal in Birsfelden sei deshalb mehr als nur eine Zwischenlösung.

Weniger Lastwagen durch die Stadt

Vogt sieht den geplanten Terminal Basel-Nord vor allem in der Rolle, im Transitverkehr die Container vom Schiff auf Shuttle-Züge nach Mailand oder Genua oder zum Gateway Limmattal zu verladen.

Für den Container-In- und -Export zieht Vogt dagegen den Umschlag in Birsfelden vor. «In der Schweiz sind die Distanzen so kurz, dass die Feinverteilung mit Lastwagen direkt ab Hafen am wirtschaftlichsten ist.» Indem man die Container oberhalb von Basel umlädt, entfallen Tausende von Lastwagenfahrten durch die Stadt. Und für die im Muttenzer Auhafen auf die Bahn umgeschlagenen Mineralöl-Produkte liegt der Rangierbahnhof gleich nebenan. «Das Schiff ist das sicherste, wirtschaftlichste und ökologischste Transportmittel», betont Vogt. «Deshalb ist es sinnvoll, den Wasserweg so weit wie möglich zu nutzen.»

Es gibt auch Nachteile auf dem Wasserweg

Dem stehen Nachteile auf dem Wasser gegenüber: Die zusätzliche Schleuse beim Kraftwerk Birsfelden, und ein Unterwasser-Nagelfluhbuckel bei der Eisenbahnbrücke. Letzterer verhindert bei Niederwasser, dass Tankschiffe voll beladen Muttenz und Birsfelden anlaufen können. Das Haupthindernis bleibt jedoch die Mittlere Brücke: Unter dieser können Schiffe nur mit zwei Lagen Containern passieren. «Wir behelfen uns derzeit, indem wir so disponieren, dass wir die dritte Lage vorher entladen», erklärt Vogt. Doch dies sei umständlich und gegenüber anderen Standorten wie beispielsweise Weil am Rhein ein Wettbewerbs-Nachteil. «Die Holländer lachen sich über uns Schweizer kaputt: Da fahren wir 800 Kilometer auf dem Rhein von Rotterdam nach Basel. Und auf den letzten paar hundert Metern kriegen wir keine anständige Fahrrinne hin», ärgert er sich.

Kein Denkmalschutz

Also weg mit der Brücke? «Es hat bisher niemand gewagt, an der Mittlere Brücke zu rütteln», meint Auderset. Angesichts der erwarteten Kapazitätsknappheit hält er es für «verkraftbar, dass man nach Birsfelden nur mit zwei Lagen fahren kann».

Da ist Auderset wohl sein Basler Grossratshemd näher als die Schifffahrtsjacke, denn in ihrer heutigen Gestalt «ist die Mittlere Brücke ein unverzichtbarer Bestandteil des Basler Rheinpanoramas und ein schutzwürdiges Denkmal erster Güte», erklärt Lutz von der Denkmalpflege. Und Daniel Egloff, Direktor Basel Tourismus, bezeichnet sie als «eines der Wahrzeichen Basels, das symbolisch den historischen Stellenwert dieses Rheinübergangs symbolisiert.» Die Brücke sei ein oft verwendetes Sujet der Tourismuswerbung.

Doch selbst wenn sie wortwörtlich in Stein gemeisselt ist, ist sie doch nicht heilig: «Die Mittlere Brücke steht nicht im Denkmalverzeichnis und ist somit nicht geschützt», stellt Lutz klar. Und Egloff ergänzt: «Sägt man die Brücke entzwei und kann sie dann wie in Holland hochziehen, würden wir dafür sicher Hand bieten. Das wäre die noch grössere Touristen-Attraktion.»

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