Neue Niederschläge
Rheinpegel steigt: «Erhebliche Gefahr» in der Region Basel

Die letzten Tage hat es stark geregnet. Das schlägt nicht nur auf das Gemüt, sondern hat auch Auswirkungen auf die Gewässer: Am Freitag kann es nahe des Rheinufers gefährlich werden, warnt das Bundesamt für Umwelt.

Dominique Waldmann
Drucken
Teilen
Der Rheinpegel ist zu hoch: Der «Lällekönig» kommt nicht mehr unter der Mittleren Brücke durch.

Der Rheinpegel ist zu hoch: Der «Lällekönig» kommt nicht mehr unter der Mittleren Brücke durch.

Nicole Nars-Zimmer

Am Donnertag kam es erneut zu einem Anstieg des Rheinpegels. (siehe Interview unten) Deshalb hat das Bundesamt für Umwelt (Bafu) die «Gefahrenstufe 3 – Erhebliche Gefahr» für den Freitag von der Mündung Ergolz bis nach Basel ausgerufen.

Vor allem am Donnerstag wütete in der ganzen Schweiz stundenlang ein Unwetter. Für etliche Regionen wurden ebenfalls Gefahrenstufen ausgerufen, einzig Graubünden hat laut Bafu mit Stufe vier von fünf ein grösseres Gefahrenpotenzial. Wenn die Schweizer Gewässer überfluten, hat das Folgen für Basel. Wenn der Bodensee, die Thur und die Aare mehr Wasser führen, legt auch der Rhein stark zu. Über 3050 Kubikmeter Wasser pro Sekunde wird der Rhein am Mittag transportieren, warnt das Bafu. «Im Laufe des Freitagmorgens ist ein schneller Anstieg des Rheinpegels auf über 8,50 Meter zu erwarten», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements. Der Rhein tritt ab einem Pegelstand von 10,40 Meter über das Kleinbasler Ufer am Unteren Rheinweg. Ab Pegelstand 8,20 Meter wird die Rheinschifffahrt zwischen Rheinfelden und Kembs eingestellt. Boote werden eingeholt und im Hafen sicher gemacht. Ab Pegelstand 9,30 Meter kann die Kantonale Krisenorganisation einberufen werden.

Weitere Massnahmen sind: Sandsäcke am Unteren Rheinufer auslegen und Zugänge zum Rhein absperren. Die Rettung Basel-Stadt leistet heute ihren Einsatz mit dem üblichen Bestand von 24 Feuerwehrleuten pro Schicht.

Die Ruhe vor dem Sturm

Unsicher bleibt, ob die Stufe noch weiter erhöht wird. Am 8. Juni waren im Raum Basel rund 100 Häuser von Überschwemmungen in Folge des starken Regens betroffen. In den letzten sieben Tagen hat es laut Schütz siebzig witterungsbedingte Einsätze gegeben. Hauptursache war eindringendes Wasser. Keller und Einstellhallen seien vorwiegend betroffen gewesen. Das Regenwetter liess nicht nach. Zu den gestrigen, landesweiten Regenschauern sagt Schütz: «Aus Sicht der Rettung Basel-Stadt ist die Lage in unserem Kanton mit Blick auf die Witterung gut zu bewältigen.»

Bis 18 Uhr fielen gestern in Basel nach Angaben von Meteo Schweiz ungefähr 13,6 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Wetterstationen gehen von einem Gesamtniederschlag von 30 Litern pro Quadratmeter aus. Zum Vergleich: Im Tessin kamen alleine gestern Morgen 75 Liter pro Quadratmeter vom Himmel. Die Wetterstation Basel-St. Jakob beschrieb die Wetterlage sogar mit «trocken». Im Baselbiet sah die Situation ähnlich aus. «Es gab kein Ereignis», sagt Meinhard Stöcklin, Mediensprecher der Baselbieter Polizei. Kein einziges Feuerwehraufgebot sei verzeichnet worden.

Die Nervosität war offensichtlich aber so hoch, dass gewisse Onlineportale Bilder der überfluteten A2 bei Augst gepostet haben – nur stammen diese vom 8. Juni:

Die Autobahn-Überschwemmungen vom 8. Juni
4 Bilder
Die Autobahn A2 und A3 im Bereich der Verzweigung Augst wurden überflutet.
Die Autobahn A2 und A3 im Bereich der Verzweigung Augst wurden überflutet.
Die Autobahn A2 und A3 im Bereich der Verzweigung Augst wurden überflutet.

Die Autobahn-Überschwemmungen vom 8. Juni

Kapo BL

Michael Lyons: «Für uns ist das nichts Spezielles»

Michael Lyons von der Organisation Schweizerische Rheinhäfen äussert sich zu den Auswirkungen der starken Regenfälle und erklärt, warum Freitag und Samstag in Basel keine Schiffe fahren.

Herr Lyons, es hört nicht auf zu regnen und der Rheinpegel steigt stetig an. Wie ist die Situation derzeit in Basel?

Michael Lyons: Zurzeit ist der Pegelstand des Rheins auf zirka 770 Zentimeter, was der Hochwasserstufe I entspricht. Es fehlen also noch 20 Zentimeter bis zur nächsten Stufe. Dann würde die komplette Schifffahrt in Basel eingestellt werden, bis der Pegel wieder tiefer steht. Gewisse Einschränkungen im Schiffsverkehr wurden jedoch bereits getroffen.

Das Wetter soll jetzt aber immer besser werden. Die Schiffe werden also auch in den nächsten Tagen fahren dürfen?

Nein, ich denke nicht. Die Schifffahrt wird vermutlich am Freitag und Samstag zwischen Birsfelden und der Dreirosenbrücke eingestellt werden.

Warum?

Die Situation in der Innerschweiz ist extremer als hier. Die Seen sind voll, was natürlich mittelfristig auch einen Einfluss auf den Rhein haben wird. Die Auswirkungen des Regens wird man hier also erst jetzt wirklich spüren.

Wie ist es möglich, genau vorherzusagen, wie lange das Wasser zu hoch sein wird für die Schifffahrt – also in diesem Beispiel bis Samstag?

Wir sind im engen Kontakt mit dem Bundesamt für Umwelt in Ittingen. Wir können anhand der Abflussmengen in anderen Schweizer Gewässern ziemlich genau bestimmen, wie die Situation im Rhein für die nächsten Tage aussehen wird. Darum ist eine solche Prognose möglich. Ausserdem verfügen wir seit den extremen Überschwemmungen im Jahr 1999 über exakte Frühwarnsysteme, die uns ein klares Bild der Situation geben.

Hat Hochwasser in dieser Dimension, wie wir es zurzeit hier in Basel erleben, ernsthafte Konsequenzen?

Nein, das sicher nicht. Für das ist der Pegel zu wenig hoch und die Dauer der Überschwemmungen zu wenig lang. Da müsste schon für zwei bis drei Wochen Hochwasser herrschen, was momentan nicht der Fall ist.

Was ist denn eigentlich konkret die Gefahr für die Schifffahrt bei Hochwasser?

Die Strömung hier im Rhein ist, sobald der Wert der 790 Zentimeter überschritten wird, zu stark für die Schiffe. Ausserdem würden dann die Brücken zu tief stehen, um gefahrlos untendurch fahren zu können.

Was ist der übliche Pegelstand des Rheins, also ohne Hochwasser?

So zwischen 6 und 6,50 Meter ist der Normalstand.

Und wie hoch stand der Rhein im Jahr 1999?

Damals war er wesentlich höher, die genauen Zahlen kenne ich aber nicht. Der Rhein war damals von Rheinfelden bis nach Frankreich für Schiffe gesperrt.

Gab es in der Vergangenheit Schiffs-Unfälle bei Hochwasser?

Nein, meines Wissens nach nicht.

Wann war der Pegel das letzte Mal so hoch, wie er zurzeit ist?

Vergangene Woche war der Rhein bereits so hoch wie momentan. Und vergangenen Januar ebenfalls. Es ist also nichts Aussergewöhnliches, dass der Rhein so hoch steht wie zurzeit, da es doch schon öfters mal vorkommt. Für uns als Aufsicht ist das daher eine Routinearbeit, nichts Spezielles.

Aktuelle Nachrichten