Vermarktung

Rheinschwimm-Fotofalle: Basel Tourismus ignoriert Empfehlungen des Datenschützers

Seit Montag hat die Kamera am Floss über 200 Fotos gemacht und im Internet veröffentlicht. Dabei zeigt sich, dass einige Aufnahmen heikel sind, etwa von Kindern. Basel Tourismus ist sich bewusst, dass in Einzelfällen gewisse Personen ungewollt auf ein Bild gelangen können.

Tourismus-Vermarktung passiert heute über Soziale Netzwerke und dort hauptsächlich über Bilder. Ob ein Selfie vor dem Eiffelturm, die eigenen Füsse auf dem Liegestuhl mit entsprechendem Meerblick oder den appetitlich angerichteten Teller: Gewöhnliche Menschen inszenieren sich und transportieren dabei auch immer eine Werbebotschaft, sei es für die schöne Stadt, den traumhaften Strand oder das angesagte Restaurant.

Basel hat zwar keinen Eiffelturm, dafür aber einen sauberen Fluss zum Schwimmen. Doch es gibt ein Problem: Die authentischen Bilder fehlen, weil das eigene Handy im Wickelfisch bleibt und keine facebook-tauglichen Schnappschüsse schiesst. Hier will Basel Tourismus mit einem Pilotversuch nachhelfen, wie am Montag bekannt gegeben wurde. Drei Wochen lang knipst eine hochauflösende Kamera automatisch Bilder von Rheinschwimmern, die diese von einer Website herunterladen und selbst via Soziale Netzwerke weiterverbreiten können.

Über 200 Bilder sind schon online

Damit rechtlich alles zulässig ist, haben sich die Verantwortlichen beraten lassen. Rasch war klar, dass es für die Veröffentlichung eine Zustimmung braucht. Diese holt sich der Tourismus-Verein ein, indem die Schwimmenden aufgefordert werden, zu winken, wenn sie mit der Veröffentlichung ihres Fotos auf dem Bild einverstanden sind. Und das scheinen viele zu sein. Bis Dienstagabend wurden bereits über 200 Bilder veröffentlicht.

Ein Blick in die Bildergalerie zeigt, dass auch Fotos von Rheinschwimmerinnen und Rheinschwimmern veröffentlicht wurden, die nicht selbst gewinkt haben, von denen also keine Einwilligung vorliegt. Auch gibt es Aufnahmen von Minderjährigen, für die es gemäss Empfehlungen des Datenschützers die Einwilligung der Eltern bräuchte.

Anneke Geyer, Marketingverantwortliche bei Basel Tourismus, sagt: «Wir sind uns bewusst, dass in Einzelfällen gewisse Personen ungewollt auf ein Bild gelangen können. Wir überprüfen die Aufnahmen aber täglich und entfernen von uns aus Fotos, die nicht veröffentlicht werden sollten.» Die Kamera, die das Winken registriert, werde zudem immer besser. «Die Künstliche Intelligenz, die diese Einschätzung vornimmt, lernt mit jedem neuen Bild dazu», sagt sie. Zudem hätten alle das Recht, ihre Bilder löschen zu lassen – eine Rückmeldung via Formular auf der Basel-Tourismus-Homepage würde genügen.

Fischergalgen-Aktion hatte keine Bewilligung

Im vergangenen Jahr bot die Tourismusorganisation in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus einmalig Übernachtungen in einem Fischergalgen an – obwohl dies in der entsprechenden Verordnung deutlich verboten ist. Basel-Tourismus-Vizedirektor Christoph Bosshardt sagte damals zur bz, man gehe davon aus, dass dies auch ohne Bewilligung machbar sei, weil es sich um eine vorübergehende Aktion handle.

Fischergalgen und Rheinschwimmer-Fotoapparat zeigen gut, welch ein Drahtseilakt attraktive Tourismus-Vermarktung heute ist. Geyer sagt: «Wir wollen mit diesem Pilotversuch auch herausfinden, wie die Basler Bevölkerung, aber auch die Touristen, dieses Angebot aufnehmen. Wenn die Akzeptanz breit ist und viele Bilder gemacht und geteilt werden, dann ist es durchaus vorstellbar, den Fotoautomaten irgendwann fix zu installieren. Aber daran ist momentan noch nicht zu denken». Entsprechende Gespräche mit dem Kanton müssten dann erst noch stattfinden.

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