Es ist 17.45 Uhr, die Sonne scheint, und alle kommen aus den Büros geströmt: Das 36. Basler Rheinschwimmen steht an — und sorgt schon auf der Wettsteinbrücke für Stau im Fussverkehr. Am Schaffhauserrheinweg ist auch mit Velos dann kein Durchkommen mehr, also abgesattelt und eingereiht in den zügigen Marsch zum Startpunkt.

Ehrgeizig sind sie, die angehenden Rheinschwimmer. Drängler werden mit Sprüchen in Schach gehalten: «Die Ersten gehen immer unter!», mahnt eine Frau ihren zu forschen Nebenmann, während sich andere angeregt über Schwimmfischdesign und die besten Wickeltechniken austauschen.

Gratis-Eistee und Gummitiere werden dankbar mitgenommen; auch Senioren begrüssen die bunten Badeschildkröten und lassen sich die putzigen Gefährten gleich vor Ort maschinell aufblasen.

Unterhalb des Tinguely-Brunnens erreicht der Stau schliesslich seinen Höhepunkt, die Spannung steigt – und entlädt sich Punkt 18 Uhr in einem kurzen, scharfen Knall – dem Startschuss.

Nur langsam ergiesst sich die Menschenmenge in die Fluten; die Temperaturschranke sorgt für eine natürliche Verzögerung des Bewegungsflusses. Grosses, lautstarkes Erstaunen allerseits über das tatsächlich kühle Nass.

Keine Burkinis im Rhein

Doch das sonst so bunte Basler Sprachengewirr ist im Wasser deutlich reduziert: Zum Geplätscher mischt sich deutsches Geplauder in all seinen Varianten; sonst überwiegend englischer Smalltalk und französische Neckereien. Vielleicht sind den Mitbürgern aus Südeuropa die 30 Grad Lufttemperatur nicht heiss genug, oder das 22 Grad frische Wasser zu kalt, die Strömungen des Rheins zu bewegt oder die Dichte an halb nackten Körpern zu hoch. Burkinis werden nicht gesichtet, dafür Ganzkörper-Neoprenanzüge, gegen das Frieren.

Denn dieses setzt tatsächlich ein, sobald die knapp zwei Kilometer Flussstrecke nicht schwimmend, sondern treibend zurückgelegt werden. Auch andere Gefahren drohen beim sorglosen Dösen auf dem Wickelfischkissen: Immer wieder tauchen unvermutet die farblich von all den Fischen, Tieren und Leibern nicht zu unterscheidenden bunten Bojen auf.

Wer sie – und die Rettungsschwimmer der schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft auf ihren Surfbrettern – gekonnt umschwimmt, darf sich unter der Mittleren Rheinbrücke im Seifenblasenregen von den Schaulustigen wie Olympia-Sieger bejubeln lassen. Der Andrang auf die Goodies beim Ausstieg erinnert hingegen an sozialistische Warenknappheit. Selten sind gratis Migros-Farmer-Stängeli so begehrt wie nach einem Schwumm im Rhein.