Begegnungszone

Rheinweg-Anwohner wehren sich gegen Umgestaltung

Sitzgelegenheiten statt Parkplätze sollen künftig diesen Platz am Unteren Rheinweg einnehmen.

Sitzgelegenheiten statt Parkplätze sollen künftig diesen Platz am Unteren Rheinweg einnehmen.

Die Bewohner des unteren Kleinbasel befürchten, dass mit der geplanten Umgestaltung des Unteren Rheinwegs ihre Lebensqualität durch Lärm, Grillrauch, Musik, Abfall und Verschmutzung sinkt.

«Falls Sie unser Anliegen unterstützen, bedanken sich viele Mieter und Anwohner sehr herzlich bei Ihnen.» So schliesst der anonyme Brief, den die Bewohner des unteren Kleinbasel diese Woche in ihren Briefkästen fanden. Bei dem Anliegen handelt es sich darum, offiziell Einsprache gegen ein geplantes Bauprojekt am Unteren Rheinweg zu erheben.

Dort, auf dem sogenannten Schneeabladeplatz nahe der Oetlinger-Buvette, sollen 17 Autoparkplätze aufgehoben werden. Stattdessen sollen Steinkorbmauern und fixe Sitzgelegenheiten die Begegnungszone am Rheinufer für Spaziergänger und Rheinschwimmer attraktiver machen. Die Einsprachefrist gegen das Projekt läuft heute ab.

Lebensqualität statt Parkplatzstreit

«Viele Anwohner haben langsam die Nase voll», erklärt A., der selber am Unteren Rheinweg wohnhafte Verfasser des Briefes, der weiterhin anonym bleiben möchte. Das Rheinbord sei im Sommer übernutzt. «Unser Hauseingang dient schon als Urinal und einmal haben wir sogar Kot in unserem Kellerabgang gefunden. Das geht einfach zu weit.» Lärm und Grillrauch seien auch nicht seine Hauptsorge. «Mir gibt vor allem die Entwicklung der Drogenszene zu denken. Wenn man auf dem Parkplatz Steinkorbmauern hinbaut, bietet man noch mehr Schlupfwinkel für Dealer.»

Heike Oldörp vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel sagt: «Das Rheinbord ist übernutzt und auch über die normalen Nutzungszeiten hinaus rege belebt. Dem wollen die meisten Anwohner nicht unbedingt noch mehr Platz geben.» Während in der Grossratsdebatte vor allem das Politikum Parkplatzaufhebung die Gemüter bewegte, gehe es den Anwohnern darum, ein Signal zu setzen. «Viele haben nichts gegen Aufwertung. Aber sie sehen ihre Lebensqualität durch Lärm, Grillrauch, Musik, Abfall und Verschmutzung bedroht.» Daher gehe sie davon aus, dass einige Einsprachen gegen das Projekt erhoben werden.

A. sagt: «Mich ärgert es, dass das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) das Vorhaben vorangetrieben hat, ohne ein einziges Mal die Anwohner einzubeziehen.» Erst bei der Info-Veranstaltung im April habe man dann gemerkt, wie viel Widerstand das Projekt auslöste. «Da war das BVD dann erstaunt.» Den Brief an die Anwohner habe er auf Bitten von Betroffenen verfasst. Es sei wichtig, dass die Leute informiert seien. «Die öffentliche Planauflage des Bauprojekts wurde lediglich im Kantonsblatt publiziert. Niemand wusste Bescheid.» Er erklärt: «Von mir aus wäre ich eher nicht aktiv geworden. Ich bin sonst eher für laisser faire.»

Auch Grossrat René Häfliger, der selber am Unteren Rheinweg wohnt und schon eine Interpellation gegen das «anwohnerfeindliche» Projekt eingereicht hat, sagt: «Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen das Leben am Rhein. Der ist schliesslich für alle da.» Die Anwohner seien aber jetzt schon über Gebühr belastet. «Und wenn im Grossen Rat Wortmeldungen kommen, dass man wegziehen solle, wenn es einem nicht passt, dann fühlen sich die Anwohner auch einfach nicht ernst genommen.» Er selber habe sich im Interesse seiner Nachbarschaft im Rahmen seiner politischen Möglichkeiten eingesetzt. «In meiner Wahrnehmung ist die Mehrheit der Anwohner dagegen.»

Mehrere Projekte in Gang

Hingegen hat Häfliger eine Motion von FDP-Grossrat Christian C. Moesch mitunterzeichnet, welche das Vorantreiben der Neugestaltung des Rheinufers am Schaffhauserrheinweg und am Oberen Rheinweg fordert. Das Projekt von 2009, das breitere Treppen, Kiesstrände und neue Bepflanzungen vorsieht, wurde vorübergehend auf Eis gelegt. Häfliger sagt: «Wenn der obere Teil des Rheins aufgewertet wird, bewirkt das vielleicht eine gleichmässigere Verteilung des Besucheransturms auf die Gesamtlänge und entlastet so den Unteren Rheinweg.» Daher unterstütze er, dass man mit dem Projekt nicht noch 20 Jahre warten wolle.

Auch sonst tut sich einiges bei der Frage, wie das beliebte Kleinbasler Rheinbord künftig gestaltet werden soll. Das Tiefbauamt hat letztes Jahr zwei neue Buvetten am Schaffhauserrheinweg und am St. Alban-Rheinweg ausgeschrieben. Im Grossen Rat schlägt Sebastian Kölliker (SP) eine durchgehende Fussgängerverbindung auf dem Uferweg zwischen Dreirosenbrücke und Uferstrasse vor. Und Grossrätin Salome Hofer (SP) bittet, die Option weiterer öffentlicher Grillstationen zu prüfen. Zum Projekt am Unteren Rheinweg sagt BVD-Sprecher Daniel Hofer: «Es sind bereits Einsprachen eingegangen. Die juristische Behandlung wird zeigen, welche Konsequenzen das für das Projekt haben wird.»

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