WM 2018

«Richtige Festival-Stimmung» – Basler Public Viewings ziehen Halbzeit-Bilanz

Ob in Beizen oder vor Vereinslokalen, Public Viewing boomt in Basel. Während der WM können sogar Bewilligungen für Gelegenheitswirtschaften eingeholt werden. Jeder Hinterhof und Garten kann so zur WM-Bar werden.

Das WM-Spektakel hat die Halbzeit erreicht. In den Basler Bars und Gartenbeizen ist kräftig gefiebert und gefeiert worden. Nach dem Ausscheiden der Schweiz am Dienstag gegen Schweden wurde die Euphorie der Schweizer Fans zwar etwas getrübt, das stadtweite Fussballfieber wird dadurch aber bestimmt nicht verfliegen. Davon sind zumindest die Basler Wirte überzeugt. «Klar, die Schweizer Spiele waren natürlich immer am besten besucht. Aber wir machen uns keine Sorgen, dass die Fussballfans jetzt ausbleiben werden», sagen die «Werk 8»-Betreiber.

Fernseher neben dem Pissoir

Dieser Meinung ist auch Bruno Zihlmann vom «Bar du Nord». Er blickt auf eine sehr erfolgreiche und friedliche erste Hälfte zurück. Das liegt auch daran, dass sich das Gedränge in der Bar deutlich gelockert hat. Das Public-Viewing-Areal wurde etwas ausgeweitet und das Team hat über das ganze Gelände 30 Fernseher verteilt, so kann das Spiel wirklich in jeder Ecke verfolgt werden. Sogar neben dem Pissoir und auf der Damentoilette steht ein Fernseher, damit man auch ja keinen entscheidenden Moment verpasst.

Im «Viertel» beim Dreispitz verwandelte sich der Club während des Public Viewings zeitweise in ein buntes brasilianisches Volksfest. «Im Club und im Hof davor haben brasilianische Tänzerinnen in der Halbzeit Samba getanzt. An solchen Abenden mussten wir den Einlass oft stoppen, sonst wäre es zu voll geworden», erzählt der Geschäftsführer Valentin Aschwanden.

1200 Liter Bier pro Spiel

Das Team im «Voltabräu» wurde regelrecht überrannt von durstigen Fussballfans. Für die WM hat Betriebsleiter Gabriele Papale die Terrasse leergeräumt und eine Tribüne aufgestellt. «Wir haben damit gerechnet, dass alle Plätze auf der Tribüne besetzt sein werden, aber nicht, dass die Fans den ganzen Platz füllen. Hier herrscht zeitweise richtige Festival-Stimmung», erzählt er. Der Ansturm kam so überraschend, dass der Bar bereits in der zweiten Woche eine Biersorte nach der anderen ausging.

An Spitzenabenden gingen hier 1200 Liter Bier über die Theke. «Die vier Wochen WM reichen leider nicht, um das Bier noch rechtzeitig fertig zu brauen», erzählt Papale. Durstig bleiben müssen die Fans bei den kommenden Spielen aber nicht, es sind noch genügend andere Sorten vorhanden.

Seit 2008 die EM in der Schweiz stattfand, hat sich das gemeinsame Fussballschauen auch in Basel von den Wohnzimmern auf die Strasse und in die Bars verschoben. Neben den grossen Public Viewings in den Gastrobetrieben gibt es aber auch kleinere Veranstaltungen.

Wirt auf Zeit

Während der WM können nämlich Bewilligungen für Gelegenheitswirtschaften eingeholt werden, die es Clubs und Vereinen, aber auch Privatpersonen erlauben, während den Spielzeiten einen öffentlichen Barbetrieb zu führen.

Jeder Hinterhof und Garten kann so zur WM-Bar werden und jeder Hobby-Barkeeper zum Wirt. Für die Bewilligung müssen einmalig 150 Franken bezahlt werden, danach dürfen alle Spiele sowohl im Innen-, als auch im Aussenbereich gezeigt werden. Allerdings muss der Aussenbereich jeweils 15 Minuten nach Spielende geschlossen werden, im Innenraum kann die Feier aber weitergehen.

Im Hinterhof der «Jukebox» am Vogesenplatz haben die Vereinsmitglieder eine solche Gelegenheitswirtschaft eingerichtet. Vor der improvisierten Leinwand am Garagentor stehen einige Bänke und gemütliche Sessel und Stühle, an der Bar gibt es Bier aus der Region und Limonade.

«Wir haben hier eine wunderschöne Location, die wir gerne mit Fussballfans aus der Nachbarschaft und Freunden unseres Hauses teilen wollten», sagt der Verantwortliche Lukas Müller. Vor allem die Schweiz-Spiele waren gut besucht, dann versammelten sich bis zu 50 Besucher im Hinterhof der «Jukebox».

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1