Vorfasnacht

Ridicule: Melancholische und witzige Nummern duellieren sich mit feinster Fasnachtsmusik

Wie riecht Fasnacht? Eine der ersten Fragen, die am diesjährigen «Ridicule» im Förnbacher-Theater gestellt wird.

Für den Laternenmaler riecht sie nach Arbeit und Lacken, für die romantisch veranlagte junge Serviererin nach «Mimosen». Beide sind aber auch etwas enttäuscht: Dem Laternenmaler wird vorgeworfen, man könne doch ein paar Klicks am Computer machen und die Laterne aus dem Drucker lassen. Die Serviererin fühlt sich vom fasnächtlichen Treiben ausgeschlossen. «Stohsch yy, bisch derby», lautet die Formel um beide glücklich zu machen.

Musikalische Höhepunkte hat das «Ridicule» einige zu bieten. «D Swingvögel» kombinieren Piccolo und Vibraphon. Der metallig röhrende Klang eines grossen Glockenspiels passt überaus zum eher schrillen Pfeifton des Blasinstrumentes. Die Piccolos wurden bei den anderen Stücken von den «Ridicule-Pfyffere» hervorragend bedient. Die sieben Damen spielten «dr Calvados» und den «Ungar» solo und «Dr Fyyrvogel» sowie «Bâlconia» mit der Tambouren-Gruppe «Hypokras». Die gaben noch einen «Rock Trap» im Stil der englischen Stomp-Gruppe zum Besten, indem sie «Böggli», Plastikeimer, Buch oder Einkaufskorb mit den Schlegeln bearbeiteten. Herauszustreichen gilt es die Nummer von Liv Markus`. Als «Papageno» aus der Mozart-Oper singt sie den «Singvogel», als Plácido Domingo «Ai du scheene» oder als Bob Dillon «Anggewegglimeitli». «Der Sound einer spät-pubertierenden Stadt», wie trocken kommentiert wurde.

In einer «alternative Stadtfierig» werden nicht nur Basels Sehenswürdigkeiten durch den Kakao gezogen, wenn ein Chinese, ein Amerikaner, eine Italienerin und ein FCB-Fan aufeinander treffen. Auch die beiden BSG-Bängg liefern solides Schnitzelbangg-Werk ab. «S Kuchi-Daaberettli» reitet gekonnt auf der grünen Welle mit. Die «Giftspritzi» setzt ihre Nadel an und injiziert ihr Gift. Regierungsrat Hanspeter Wessels bekam beinahe eine Überdosis. Melancholisch die Nummer, die Helmut Förnbacher dem letztes Jahr verstorbenen Peter Heitz widmete. In «En alte Ruesser» erzählt ein Tambour von seinen Erinnerungen an den «Morgestraich».

Wer authentisches Theater mag, steigt am Badischen Bahnhof an der richtigen Station aus. Es gab zwar bei der Première den einen oder anderen Texthänger oder Versprecher, aber das Ensemble wusste sie mit viel Witz und gekonnten Überleitungen zu überspielen. Vor allem die Balkonszenen waren in dieser Hinsicht beinahe doppelt so lustig, aber auch ehrfürchtig, als die Kunstfiguren «Friidi» und «Röösli» Paul Göttin und Carl Miville ehrten. Da das Förnbacher die Vorfasnachtssaison eröffnet, ist er ein erster Finger im Wind, was die diesjährigen Themen angeht. Es sind die spannenden Nebenschauplätze, die bewegen: Von den «Maitlibai», den BVB, die «Patrouille Suisse», «Greta Thunberg» bis hin zu Hanspeter Wessels, der nun definitiv die Nachfolge von Hans-Martin Tschudi als meist parodierter Regierungsrat angetreten hat. Man wird ihn vermissen. Auch das Ridicule wird ein Loch in die Szene reissen, falls kein neuer Standort gefunden werden kann.

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