Riehen
Drei Meter hohe Mauer um neuen Kindergarten stösst auf Kritik

Der geplante Neubau am Siegwaldweg in Riehen wird zum Gerichtsfall. Man sei aber nicht grundsätzlich gegen einen neuen Kindergarten, sagen die Einsprecher. Sie kritisieren vor allem das vorliegende Projekt mit seiner klosterähnlichen Architektur.

Tobias Gfeller
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«Klosterähnliche Atmosphäre»: So soll der geplante Kindergarten am Siegwaldweg in Riehen aussehen.

«Klosterähnliche Atmosphäre»: So soll der geplante Kindergarten am Siegwaldweg in Riehen aussehen.

Visualisierung: zVg/Morger Partner

«Einsprachen verschärfen Riehens Kindergarten-Not», titelte die bz Anfang Juni. Zwei Anwohnerparteien zogen ihre Einsprachen gegen den Neubau des Kindergartens am Siegwaldweg bis vors Basler Appellationsgericht weiter. In Riehen sind Kindergarten-Räumlichkeiten äusserst knapp. Das liege aber nicht an ihren Einsprachen, stellen Ulrike Haessler und Jean-Pierre Kapp klar. «Wir hatten mehrfach das Gespräch gesucht. Aber auf unsere Kritik wurde gar nicht wirklich eingegangen», klagt Kapp, der seine Mutter juristisch vertritt, die in seinem Haus gleich neben dem Kindergarten wohnt.

Hohe Mauer bedeute zusätzlichen Stress für die Kinder

Sie hätten nichts gegen einen neuen Kindergarten, sondern gegen das ausgewählte Projekt. Hauptkritikpunkt ist die drei Meter hohe Mauer, die rund drei Viertel der Kindergartenparzelle umgeben soll. Der Architekt, der den Projektwettbewerb gewann, sprach von einer «klosterähnlichen Atmosphäre». Das kann Ulrike Haessler nicht nachvollziehen. «In Klöstern ist es innen ruhig, während es draussen laut ist. In einem Kindergarten ist es gerade umgekehrt. Durch die hohe Mauer wird der Lärm im Innern sogar noch verstärkt, was für die Kinder Stress bedeuten könnte.»

Die Mauer sei sowohl für sie als Anwohnerschaft wie auch für die Kindergartenkinder ein Problem. «Das Objekt passt hervorragend in das Portfolio des Architekten, aber nicht in die Begegnungszone Siegwaldweg.» Sogar die Kindergartenlehrpersonen hätten Kritik am Siegerprojekt geäussert, verrät Ulrike Haessler. Der Garten des aktuellen Doppelkindergartens am Siegwaldweg ist naturnah gestaltet. «Ein Paradies für die Kinder», schwärmt Ulrike Haessler, deren Tochter den Kindergarten besucht. Der Neubau würde wegen der Mauer das pure Gegenteil. «Ich kann verstehen, dass aufgrund der Raumknappheit eine geschickte Raumaufteilung nötig ist. Aber eine drei Meter hohe fensterlose Mauer ist dafür schlichtweg ungeeignet.»

Gemeinde sei an der Not selber schuld

Für Jean-Pierre Kapp ist es primär die Schuld der Gemeinde, dass es nun zu diesen Verzögerungen kommt. «Ich bin überzeugt: Wenn die Gemeinde uns gegenüber gesprächsbereiter gewesen wäre, hätte man das Ganze abkürzen können. Wir nehmen jetzt einfach nur unsere Rechte wahr.» Und dass Riehen zu wenig Kindergärten hat, dafür seien nicht sie als Einsprechende verantwortlich, sondern die Gemeinde, die zu schlecht geplant habe.