Wärmeverbund

Riehen feiert sein Pionierprojekt – die Geothermieanlage

Marcel Schweizer (links) in der Anlage am Haselrain in Riehen, mit Geschäftsführer Matthias Meier.

Marcel Schweizer (links) in der Anlage am Haselrain in Riehen, mit Geschäftsführer Matthias Meier.

Seit 25 Jahren betreibt die Gemeinde erfolgreich die schweizweit einzige Geothermieanlage. Erdbeben gab es in all den Jahren keine.

30 Jahre Wärmeverbund Riehen Dorf; 25 Jahre Geothermiebohrung im Gebiet der Fondation Beyeler; 20 Jahre Energiestadt-Label; 15 Jahre «European Energy Award» in Gold und zehn Jahre Wärmeverbund Riehen AG – Riehen feiert am Donnerstagabend im Gemeindehaus gleich mehrere Jubiläen im Energiebereich. Am bedeutsamsten ist gewiss das Geothermie-Jubiläum, weil das Projekt die jüngeren Jubiläen erst ermöglichte und schweizweit eine Pioniertat darstellt.

Marcel Schweizer, Verwaltungsratspräsident der Wärmeverbund Riehen AG, ist stolz, wenn er an das Geleistete denkt. Dass die Geothermie in Riehen derart reibungslos funktioniert und die Temperaturen im Wasserbrunnen in 1500 Metern Tiefe sogar noch leicht angestiegen sind und weiterhin 67 Grad heisses Wasser hochgepumpt werden kann, obwohl man vor zehn Jahren die Fördermenge verdoppelt hatte, sei keinesfalls selbstverständlich. «Bis heute hat es keine Erschütterung gegeben», betont der ehemalige Gemeinderat und heutige Präsident des Gewerbeverbands Basel-Stadt. Mittlerweile gehören rund 40 Prozent der Riehener Bevölkerung zur Kundschaft der Wärmeverbund Riehen AG – Tendenz steigend.

Der Unterschied zwischen Riehen und Kleinhüningen

Mit 23,3 Gigawattstunden wurden 2018 erstmals über 20 Gigawattstunden geothermische Fernwärme ins Netz eingespeist. Zum Wärmeverbund Riehen AG gehören auch zwei der grössten Blockheizkraftwerke der Schweiz. Die Spitzenlasten im Winter werden im Süden der Gemeinde durch Fernwärme der IWB und im restlichen Versorgungsgebiet durch Gaskessel-Wärmeerzeugungsanlagen gestemmt.

Dass es in Riehen nicht wie in Kleinhüningen und St. Gallen zu Problemen mit Erdbeben kam, liegt an den unterschiedlichen Systemen. In Riehen wurde ein bestehender Warmwasserstrom in 1500 Metern Tiefe angebohrt, in Kleinhüningen wurden Bohrungen in Felsen in 5000 Metern Tiefe vorgenommen. Das St. Galler-System glich zwar jenem in Riehen, doch bei der Anbohrung eines Aquifers in 4000 Metern Tiefe trat Gas in die Bohrung ein, wodurch es zu Erschütterungen kam. Auch dieses Projekt musste gestoppt werden.

Lob für die Riehener Geothermie kommt von höchster Stelle. «Es ist eies der wichtigsten Geothermieprojekte der Schweiz, weil dort seit 25 Jahren sicher und zuverlässig Heisswasser gewonnen wird», sagt Pascal Previdoli, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Energie. Er wird am Donnerstag in Riehen eine Grussbotschaft überbringen. «Das Heisswasser aus der Tiefe direkt zu nutzen kann sehr viel zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung der Schweiz beitragen.» Riehen sei für das Bundesamt für Energie ein «ausgezeichnetes Beispiel», wie die Geothermie einen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes beitragen kann. Previdoli lobt die Riehener Geothermie weiter als «Pioniertat mit Vorbildcharakter». Das sehen auch viele ausländische Gäste so, die sich die Anlagen von den Riehener Experten regelmässig erklären lassen, wie Matthias Meier, Geschäftsführer der Wärmeverbund Riehen AG.

Weitere Tiefenbohrung ist schon in Planung

Andere europäische Länder zeigen teilweise seit Jahrzehnten, dass in der Geothermie grosses Potenzial steckt. Der Wärmeverbund Riehen AG möchte sich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen und hat vor eineinhalb Jahren Planungen für eine zweite Tiefenbohrung angekündigt. Seismische Abklärungen sollen nun zeigen, wo und ob es einen geeigneten Heisswassersee in ähnlicher Tiefe wie bei der ersten Bohrung hat.

Zuerst braucht der Wärmeverbund aber das nötige Risikokapital dafür. Verwaltungsratspräsident Marcel Schweizer wird am Donnerstag positive Neuigkeiten verkünden können, wie er sagt: «Das Bundesamt für Energie wird 60 Prozent, also rund 1,2 Millionen Franken des Risikokapitals, beisteuern.» Die restlichen 40 Prozent kommen von den beiden Aktionären IWB und der Gemeinde Riehen. Dem Anteil der Gemeinde muss noch der Einwohnerrat zustimmen.

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