Kritik

Riehen geht leer aus – nur jeder zweiter Zug fährt bis zum Basler Bahnhof SBB

Im Wiesental soll der Takt auf der S-Bahnlinie verdichtet werden. Riehen wird davon erst in ferner Zukunft profitieren, denn der geplante Viertelstundentakt funktioniert nur zwischen Lörrach und Badischer Bahnhof, aber nicht bis Bahnhof Basel SBB.

Der Basler Grossrat Heinrich Ueberwasser (SVP) ist unzufrieden. «Der Grundsatz, dass jede S-Bahn von Riehen mit dem Basler Bahnhof SBB verbunden wird, sollte aufrechterhalten werden. Sonst geht die Akzeptanz für den öV verloren.» In einer Interpellation an den Regierungsrat kritisiert Ueberwasser, dass der zwischen Lörrach und Badischen Bahnhof geplante neue Viertelstundentakt am Badischen Bahnhof endet. Die S-Bahn von Riehen würde also wie bisher nur jede halbe Stunde weiter bis zum Basler Bahnhof SBB fahren.

Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Ueberwasser empfindet sie, nicht ganz zu Unrecht «als ein Reden um den heissen Brei.» Tatsächlich betont der Regierungsrat, dass das Zielkonzept, dass «sämtliche S-Bahnzüge aus dem Wiesental bis Basel SBB und weiter ins Ergolz- und Fricktal verkehren» nach wie vor gültig sei. Allerdings – und jetzt kommt es – könnten nicht alle Infrastrukturvorhaben gleichzeitig realisiert werden. Auf gut Deutsch heisst das: «Insbesondere wäre eine Taktverdichtung zwischen Lörrach und Badischer Bahnhof früher umsetzbar.»

Ohne Herzstück geht es nicht

Für einen Viertelstundentakt von Riehen zum Bahnhof SBB brauche es das Herzstück, die unterirdische Verbindung zwischen den beiden Basler Bahnhöfen. Ueberwasser bemängelt: «Das finanziell noch nicht gesicherte Herzstück kommt, wenn überhaupt, leider erst in ferner Zukunft.» Tatsächlich könnte dies, und nur, wenn alles gut läuft, frühestens 2035 sein. Dieser Zeithorizont wurde Ende Januar bei einer Medienkonferenz zum Bahnausbauschritt Step 2030/35 genannt.

Für die drei grossen Bahnprojekte Taktverdichtung im Wiesental, Elektrifizierung des Hochrheinstrecke Basel–Schaffhausen und den Bahnanschluss des Euro-Airport hat der Bund im Rahmen der Vernehmlassung zu Step 2030/35 100 Millionen Franken zurückgestellt. 2019 werden die nationalen Parlamente sich dazu äussern. Derzeit läuft laut der Lörracher Stadtplanerin Monika Neuhöfer-Avdić eine Machbarkeitsstudie zur Takt- und Haltestellenverdichtung im Wiesental. Auch der Bund vertiefe zur Zeit seine Abschätzungen zum Infrastrukturbedarf auf der Strecke, teilt Jonas Kupferschmid mit, bei der Agglo Basel für Verkehr zuständig.

Beginn und Dauer der Bauarbeiten sowie die Kosten sind noch nicht definitiv bekannt. Es dürfte auf einen 10- und 20-Minutentakt hinauslaufen. Ein Beispiel: Die Züge würden um 13 Uhr, 13.10 Uhr, 13.30 Uhr, 13.40 Uhr und dann wieder 14 Uhr abfahren, womit man auf vier Verbindungen pro Stunde käme.

«Die Einführung des genauen Viertelstundentaktes würde horrende Kosten verursachen. Der Bund geht in einer Schätzung von 400 Millionen Franken aus», erläutert Kupferschmid. Mit der Einführung des erwähnten unregelmässigen Taktes könnte man die Kosten auf zirka 60 Millionen Franken senken. Nötig wären dafür die Wiederinbetriebnahme der Entflechtung Bäumlihof, Anpassungen im Badischen Bahnhof sowie ein Doppelspurabschnitt in Riehen oder an der Grenze.

Fondation Beyeler muss gut erreichbar sein

Ueberwasser findet es auch in Hinblick auf den geplanten Ausbau der Fondation Beyeler wichtig, dass Riehen gut erreichbar ist. Zudem ist er überzeugt, dass die meisten Riehener, aber auch viele Pendler aus Deutschland, mit der S-Bahn nicht nur zum Badischen Bahnhof, sondern umsteigefrei zum Bahnhof SBB fahren wollen. Kupferschmid hält dem entgegen: «Wenn die Riehener besser an den Badischen Bahnhof kommen, sind sie auch besser an das Basler öV-Netz angebunden.» Zudem könne die Wiesentalbahn mit Fertigstellung des Herzstücks problemlos in das S-Bahnnetz integriert werden.

Mit der Taktverdichtung auf der Wiesentalbahn sind auch neue Haltestellen geplant: Eine am Zoll zwischen Riehen und Lörrach Stetten, eine andere in der Nähe der heutige Haltestelle Brombach/Hauingen, wo voraussichtlich 2025 das neue Lörracher Zentralklinikum stehen soll. Sie gilt in Lörrach als prioritär. Es handelt sich dabei um die Fusion von vier bestehenden Krankenhäusern im Landkreis Lörrach.

Ueberwasser sind die neuen Haltestellen ein Dorn im Auge. «Eine S-Bahn ist eine Schnell-Bahn. Mit jeder weiteren Haltestelle wird sie zum Tram.» Derzeit untersuche «der Bund auch den Nutzen auf der Schweizer Seite der Agglomeration Basel», betont Kupferschmid. Für Ueberwasser wäre die Taktverdichtung von Riehen zum Basler Bahnhof SBB ein positives Signal nach Bern. «Es ist nicht einzusehen, dass Schweizer Gelder für ein Projekt fliessen, bei dem der wichtigste Grund für die Bundesbeiträge, nämlich eine echte Alternative zum Autoverkehr zu schaffen, leidet. Ausserdem findet bei der Durchbindung der S-Bahnen im Kanton Basel-Stadt keine wirkliche Verbesserung statt.»

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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