Vor mehr als drei Monaten wurde die Zollfreistrasse eröffnet. Die insbesondere in Riehen erhoffte Verkehrsentlastung blieb bisher aus. Gemeindepräsident Willi Fischer beurteilt das so: «Man spürt schon etwas, ich hätte aber mehr erwartet. Wir haben immer noch viel Verkehr.»

Nach der provisorischen Einweihung der Zollfreien am 4. Oktober hatte Riehen mit vier mal vier Meter grossen Plakaten und Flyern, die an den Rotlichtern verteilt wurden, die Automobilisten über die neue Strasse informiert. Das hat anscheinend bisher nicht viel genutzt. Zum Teil war dies aber auch nicht anders zu erwarten. «Wer in Lörrach Stetten wohnt und zur Roche muss, fährt weiter durch Riehen», sagt Fischer. Ähnlich sehe es für Fahrzeuge aus, die aus dem Baselbiet oder vom Badischen Bahnhof kommen, ergänzt der Lörracher Bürgermeister Michael Wilke.

«Die Zollfreistrasse ist vor allem für den Verkehr aus dem Wiesental gedacht. Wer von dort zu Syngenta, Novartis oder zum Euro-Airport will, nimmt die Zollfreie», so Fischer.

Die neue Strasse verbindet Weil am Rhein mit Lörrach und führt über Riehener Boden. Nach dem Tunnel mündet sie auf Lörracher Seite in die Wiesentalstrasse. «In der Stadt selber spüren wir keine Entlastung, aber auf der Wiesentalstrasse gibt es mehr Verkehr», berichtet Michael Wilke. Er kommentiert: «Das ist bekannt. Neue Strassen bringen neuen Verkehr. Das war mit ein Grund, weshalb sich Lörrach in der Vergangenheit nicht in der ersten Linie für die Zollfreie eingesetzt hat.»

Deutliche Entlastung für Tüllingen

Eine deutliche Entlastung habe es allerdings in Tüllingen gegeben. Viele Automobilisten hatten sich, um die Grenze zu vermeiden, über den Tüllinger Hügel nach Lörrach oder Weil gequält – sehr zum Leidwesen der dortigen Bevölkerung.

In Weil führt das dazu, dass jetzt viele den Weg durch Altweil nach Lörrach wählen. «Das ist der Durchgangsverkehr von der Palmrainbrücke und Haltingen», erklärt der Weiler Bürgermeister Christoph Huber. Die Weiler wollen den Weg an Vitra und Hieber vorbei Richtung Altweil jetzt durch Verkehrsmassnahmen wie der teilweisen Einführung von Tempo 30 und abknickende Vorfahrtstrassen statt Ampeln weniger attraktiv machen.

Alle Gesprächspartner verweisen darauf, dass die Zollfreie noch nicht ganz fertig gebaut ist. So fehlt in Lörrach gleich hinter der Grenze bei der Einmündung der Dammstrasse in die Wiesentalstrasse ein Kreisel. Wer von Lörrach nach Weil will, muss je nach Verkehrsaufkommen sehr lange warten, um links abbiegen zu können.

Der Kreisel wird vermutlich erst im zweiten Halbjahr 2015 fertig, teilte das Freiburger Regierungspräsidium der «Badischen Zeitung» mit. Eine Aussage, die die Behörde der bz bestätigt. Im Unterschied zum Kanton Basel-Stadt, der Ende März den Verkehr zählen will, plant die deutsche Behörde nichts dergleichen.

Zugenommen hat die Zahl der am Grenzübergang Otterbach abgestempelten grünen Zettel. «Die Leute sparen sich den langen Weg durch Riehen», glaubt Christoph Huber.

Bauarbeiten retten Riehen

In Riehen werden Ende 2014 die Arbeiten an der Lörracherstrasse beginnen. Zwischen Badischem Bahnhof und Riehen Grenze sollen dort, wo es noch nicht geschehen ist, Strasse und Tramlinie erneuert werden; dazu kommt der Grundwasserschutz. Fischer setzt darauf, dass die Durchfahrt durch Riehen für den motorisierten Individualverkehr durch die vier Jahre dauernden Bauarbeiten weniger attraktiv wird.

Die neue Beschilderung für die Zollfreistrasse wurde bereits kurz nach der Einweihung umgesetzt. «Heute finden sich Lörrach und Riehen auf keinem gemeinsamen Schild mehr», sagt der Riehener Gemeindepräsident Fischer. Und überhaupt meint er: «Ich bin immer noch zuversichtlich.»